Abo

Kölner FlüchtlingsgipfelArchitekt fordert hochwertige und bezahlbare Wohnviertel

3 min
14920A00F85DFE9B

Symbolbild

Köln – „Es gelingt uns noch bei weitem nicht, Integration so zu gestalten, wie wir’s gerne hätten.“ Offen gibt Dr. Harald Rau, Beigeordneter für Soziales, Integration und Umwelt der Stadt Köln, zu, dass die Domstadt noch weit davon entfernt ist, auch mit Flüchtlingen eine „neue Gesellschaft des Miteinanders“ zu bilden.

Was nicht ist, kann aber noch werden. Deshalb entwickelten Fachleute auf dem so genannten Kölner Flüchtlingsgipfel Zukunftsvisionen. Bei diesem Gipfel handelt es sich um eine vom Stadtrat beschlossene Fachtagung, an der am Donnerstag im Historischen Rathaus rund 250 Vertreter der Kölner Wohnungswirtschaft, von Trägern, Institutionen und aus dem Ehrenamt teilnahmen. Ziel der Veranstaltung war es, Möglichkeiten auszuloten, wie die Unterbringungs- und Betreuungssituation Geflüchteter in Köln verbessert werden kann. Denn viele Menschen konkurrierten hier um knappen Wohnraum, so Rau. Nach Angaben von Hans Oster, Leiter Referat Flüchtlingskoordination, leben derzeit knapp 13 000 Flüchtlinge in städtischen Unterkünften. 2016 habe die Stadt 800 Flüchtlinge auf dem freien Wohnungsmarkt unterbringen können.

So schnell wie möglich in Wohnungen

Flüchtlinge müssten so schnell wie möglich aus ihren Unterkünften in Wohnungen, und zwar gleichmäßig verteilt übers Stadtgebiet und auch in solche Viertel, in denen Menschen aus der Mittel- und Oberschicht leben, sagt Professor Dr. Jürgen Friedrichs vom Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Uni Köln. Je bunter die Mischung, desto besser gelinge Integration. Separate Gebäude für Flüchtlinge oder Sozialhilfeempfänger seien da nicht hilfreich. In Köln, so Friedrichs, sei dieses Ziel wegen des Defizits an Wohnraum allerdings sehr schwer zu verwirklichen.

Nicht nur in Köln, sondern in allen Städten der Bundesrepublik sei ein „Grundkonsens über qualitätvolle Architektur“ nötig, fordert Professor Jörg Friedrich von der Fakultät für Architektur und Landschaft der Leibniz Universität Hannover. Wohnviertel dürften in der Qualität nicht heruntergeschraubt werden. Vielmehr müssten sie hochwertig und nachhaltig erstellt werden und bezahlbar sein. Deshalb hält der Architekt einen Wechsel von der Objekt- zur Subjektförderung für notwendig. Soll heißen: Gruppen mit weniger Geld als andere – etwa Arbeitslose, Hartz-IV-Empfänger oder Flüchtlinge – sollten bei der Miete unterstützt werden. Den Zugang zu hochwertigem Wohnraum nur Reichen zu ermöglichen, hält Friedrich für falsch.

Wie Köln das stemmen will? Um den Bau sozial geförderter Wohnungen zu beschleunigen, gebe es das kooperative Baulandmodell, erinnert Oster. Dabei müssen Investoren bei planungsbedürftigen Projekten 30 Prozent der Wohnungen als sozial gefördert ausweisen. Außerdem verpflichte die Stadt Käufer stadteigener Grundstücke, die für Wohnzwecke bestimmt sind, öffentlich geförderten Bau zu realisieren.

Während die Fachleute drinnen diskutierten, verteilten vor dem Historischen Rathaus Vertreter der Aktion „Wohnen wagen“ der Kölner Willkommensinitiativen Flugblätter. Darauf wiesen sie unter anderem darauf hin, dass in Köln 5000 Wohnhäuser und 430 000 Quadratmeter Büroflächen leer stünden. Die Wohnungspolitik von Stadt und Land halten sie für verfehlt.