Köln – Rund 314 000 Kölner Corona-Fälle verzeichnete das Gesundheitsamt seit Pandemiebeginn. Ein Überblick über die aktuelle Lage.
Wie ist die Corona-Lage in Köln zu bewerten?
Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt, befindet sich mit 807 aber weiterhin auf einem hohen Niveau. Wichtiger als die täglich gemeldeten Neuinfektionen ist für die Bewertung der aktuellen Situation die Lage in den Krankenhäusern. Derzeit liegen 45 Corona-Patienten auf Kölner Intensivstationen. Jeder Einzelne auf der Intensivstation sei einer zu viel, sagt Gesundheitsdezernent Harald Rau. „Wir haben derzeit aber keine Überlastungssituation, was die reine Anzahl der Intensivpatient*innen mit Corona angeht. Insofern haben wir gerade nicht das Gefühl, dass da irgendwas unkontrolliert ist.“ Die größere Gefahr seien weiterhin die Mitarbeiter in den Krankenhäusern, „die krank oder asymptomatisch infiziert sind und nicht arbeiten können.“
Worauf kommt es jetzt an?
Schon seit Wochen gibt es einen Strategiewechsel im Kampf gegen das Coronavirus. Aus einer Eindämmungsstrategie ist eine Schutzstrategie geworden. Das Eindämmen sei laut Rau angesichts der deutlich geringeren Krankheitslast aufgrund von mehr Impfungen und derzeit weniger gefährlichen Mutanten auch nicht mehr entscheidend.
Impfstelle in der Arena schließt
Wegen der aktuell geringen Nachfrage schließt die Stadt die Impfstelle in der Lanxess-Arena zum 7. April vorübergehend. Sollte die Nachfrage wieder steigen, kann die Arena kurzfristig wieder für Impfungen öffnen.
Die Impfstelle im Gesundheitsamt am Neumarkt ist damit das aktuell letzte verbleibende städtische Impfangebot. Ab dem 7. April in der Arena gebuchte Impfungen werden nun im Gesundheitsamt durchgeführt. (sim)
Das Entscheidende sei es nun, krankheitsanfällige Menschen zu schützen, also beispielsweise ältere oder vorerkrankte Menschen. Zumindest für Menschen, die anfällige Menschen nicht direkt gefährden, sei der Verzicht auf eine Isolierung nach einem positiven Test im Sinne des Strategiewechsels „nachvollziehbar und nicht verwerflich“ gewesen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hatte diese Maßnahme ins Spiel gebracht, kurze Zeit später aber wieder zurückgezogen.
Welche Maßnahmen gibt es für vulnerable Gruppen?
Die wichtigsten Maßnahmen in Einrichtungen – etwa Pflegeheime oder Kliniken – sind ein Test- und Besucherkonzept, Maskenpflicht und geimpfte Mitarbeiter. Für Menschen, die nicht in einer Einrichtung untergebracht sind, bleibt die Maske, Abstand und das Prinzip der Selbstverantwortung. „Es ist an der Zeit, dass sich alle, die Kontakt mit anfälligen Menschen haben, in noch größerem Maße als bisher ihrer Verantwortung bewusst sind. Wenn ich meine Oma besuche, dann muss ich dafür sorgen, dass ich sie nicht gefährde“, sagt Rau.
Auch die gefährdeten Menschen selber sollten darauf Wert legen, allen Kontakten diese Maßnahmen aufzuerlegen. Wichtig sei es auch, dass die Vulnerablen, die noch nicht geimpft sind, dies nachholen. „Dazu haben sie unabhängig von einer Impfpflicht eine moralische Verpflichtung“, findet Rau. Es sei „gefährlich“, dass noch immer knapp zehn Prozent der über 60-Jährigen ungeimpft sei.
Wen kontaktiert das Gesundheitsamt noch?
Im Januar stellte die Stadt die Verfolgung von Infizierten und Kontaktpersonen weitestgehend ein und konzentrierte sich nur noch auf die Verfolgung der vulnerablen Gruppe. Auch diese Gruppe wird aufgrund des reduzierten Personals mittlerweile nur noch eingeschränkt vom Gesundheitsamt kontaktiert und betreut. „Diejenigen, die nicht digital unterwegs sind, erreichen wir schwieriger. Da ist es komplexer. Deswegen kann ich nicht sagen, dass wir mit allen vulnerablen Menschen Kontakt haben.“
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Infizierte können weiter das digitale Symptomtagebuch der Stadt nutzen. Verschlechtern sich die eingetragenen Symptome, meldet sich das Gesundheitsamt bei den Betroffenen.
Was sagt Rau zum Wegfall der Maskenpflicht?
In vielen Bereichen, etwa im Einzelhandel, ist die Maske seit dieser Woche nicht mehr Pflicht. Es sei denn, Inhaber nutzen ihr Hausrecht, um an der Regel festzuhalten. „Ich erwarte von Menschen, die ihre Einrichtungen öffnen, dass sie über ihr Hausrecht steuern, dass Menschen maximal geschützt werden“, sagt Rau. „Denn dort halten sich vielleicht auch anfällige Gruppen auf, die man nicht immer gleich als solche erkennt.“
Wie erfährt die Stadt noch von Infektionen?
Labore, die PCR-Tests auswerten, melden die Fälle an das Gesundheitsamt. Auch die Bürgertest-Stellen sind verpflichtet, Ergebnisse weiterzuleiten. Die kostenlosen Bürgertests fallen Ende Juni weg. Das wird voraussichtlich die ohnehin hohe Dunkelziffer von Infektionen weiter erhöhen.
Wie gehen die Kölner mit der Situation um?
„Ich sehe schon, dass viele die Gefahr etwas verdrängen und leichtfertiger werden“, sagt Rau, relativiert aber auch. „Wer geboostert ist und sich dann infiziert, für den ist eine Infektion wahrscheinlich sogar mehr Training als Gefahr. Deswegen will ich gar nicht von einer leichtfertigen Vorsichtslosigkeit reden.“ Je nach Entwicklung der Mutationen könne das im Herbst aber auch wieder anders sein.

