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TierpatenschaftenFinanztest vermisst Spendensiegel im Kölner Zoo – stimmt das?

Lesezeit 4 Minuten
Zwei erwachsene Elefanten, dazwischen liegt ein Elefantenbaby.

Ein ausgewachsener Elefant kostet am meisten - für 5000 Euro im Jahr gibt es eine Patenschaft.

In Sachen Tierpatenschaften ist der Kölner Zoo laut Zeitschrift Finanztest nur wenig transparent. Stimmt das?

Wer eine bestimmte Tierart besonders mag und den Zoo unterstützen will, kann auch im Kölner Zoo Tierpate werden: Es gibt Tierpatenschaften von 75 Euro im Jahr für den Kugelfisch bis zu 5000 Euro für die Elefanten. Im Gegenzug erhalten Paten eine Urkunde, eine Einladung zum Patentag und einen Eintrag auf der digitalen Patentafel im Zoo. Außerdem können sie eine Jahreskarte zum Sonderpreis erwerben.

Die Zeitschrift Finanztest hat in ihrer Januar-Ausgabe unterschiedliche Anbieter von Tierpatenschaften verglichen: Natur- und Tierschutzorganisationen und verschiedene Zoos. Im Artikel heben die Autoren ausdrücklich die Auskunftsbereitschaft des Kölner Zoos im Gegensatz zu den anderen befragten Zoos hervor: „Einzig der Kölner Zoo hat vollumfänglich auf unsere Fragen geantwortet.“ Der Münchener Tierpark Hellabrunn dagegen, der Zoo Frankfurt am Main und der Förderverein des Tierparks Hagenbeck in Hamburg haben gar nicht reagiert.

Trotzdem kommt der Kölner Zoo beim Vergleich mit Organisationen wie  der Deutschen Umwelthilfe, dem Bund gegen Missbrauch der Tiere oder dem WWF Deutschland in der Finanztest nur mit der Bewertung „sehr niedrig“ in Sachen Transparenz weg. Wie kann das sein, wenn er doch bereitwillig Auskunft gibt?

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Kölner Zoo hat kein Spendensiegel

Finanztest macht Transparenz vor allem daran fest, ob der Anbieter der Tierpatenschaft eines oder mehrere von drei Spendensiegeln hat: vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen, vom Deutschen Spendenrat oder von der Initiative Transparente Zivilgesellschaft.

Der Kölner Zoo hat keines davon. Auf Anfrage der Rundschau erklärt der Kaufmännische Direktor Christopher Landsberg: „Hierzu muss gesagt werden, dass die AG Zoologischer Garten Köln als gemeinnützige Aktiengesellschaft - anders als viele andere gemeinnützige, spendensammelnde Organisationen - umfangreichen handels- und aktienrechlichen Vorschriften unterliegt. Diese Vorschriften sind in der Regel strenger als die Vorgaben gängiger und auf Freiwilligkeit beruhender Spendensiegel.“

Für ein Spendensiegel müssen die Bewerber in unterschiedlichem Umfang nachweisen, dass sie die Spendengelder sachgemäß und wirtschaftlich verwenden. Der Deutsche Spendenrat zum Beispiel verlangt, dass dies von einem externen Wirtschaftsprüfer festgestellt worden ist. Der Kölner Zoo durchläuft nach Auskunft von Landsberg „unter anderem eine jährliche Jahresabschlussprüfung durch unabhängige Wirtschaftsprüfer, die im Rahmen ihrer Prüfung immer auch die ordnungsgemäße Verwendung der Spendengelder prüfen und dies durch die Erteilung eines sogenannten positiven Prüfvermerks attestieren.“ All dies werde im Rahmen des Geschäftsberichts sogar im Bundesanzeiger für jeden transparent und nachvollziehbar veröffentlicht. „Von daher haben wir bis dato von der Einführung eines zusätzlichen Spendensiegels abgesehen.“

In einem anderen für Spender wichtigen Punkt hat der Kölner Zoo die Kriterien der Finanztester erfüllt: Dabei geht es um die Verwaltungs- und Werbekostenquote. Die sollte laut Finanztest nicht über 30 Prozent liegen. Für den Kölner Zoo hat die Zeitschrift aufgrund seiner Auskünfte eine Quote von 17 Prozent errechnet. Das heißt, von jedem gespendeten Euro werden 17 Cent für Verwaltung und Marketing verwendet. 83 Cent kommen aber dem Spendenzweck zugute.

Informationen, auch zu Baum- oder Bankpatenschaften gibt es hier.

Zur Verwendung der Gelder von Tierpatenschaften erklärt Christopher Landsberg, die Tiere erhielten jederzeit und unabhängig von Paten eine erstklassige Versorgung. „Die durch Patenmodelle eingeworbenen Zusatzgelder, über die wir sehr dankbar sind, ermöglichen uns über diese Standards hinaus in zusätzliche tierhalterische Maßnahmen wie zum Beispiel Gehege-Optimierungen, Umbauten, Erweiterungen oder Beschäftigungsprogramme zu investieren.“

Ein individuelles Tier können sich Paten, wie bei den meisten anderen Anbietern von Tierpatenschaften auch, nicht aussuchen. Wohl aber eine Tierart. Die Beiträge für die Patenschaft orientieren sich an den kalkulierten Haltungskosten pro Jahr pro Tier. Ein Elefant ist mit 5000 Euro am teuersten. Gorilla, Tiger oder Löwe kosten 2000 Euro. Für 600 Euro ist die Patenschaft für ein Faultier zu haben, für 200 Euro darf man sich Flamingo-Pate nennen. Besonders beliebt sind Erdmännchen und Fischotter für jeweils 75 Euro - hier sind zur Zeit keine Patenschaften frei. Aber andere Arten in dieser Preiskategorie suchen noch Paten: der bergische Schlotterkamm zum Beispiel (ein Huhn) oder das Felsenmeerschweinchen.

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