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Kölschprofessor Wolfgang Baßler„Humor kann man nicht lernen“

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Professor Wolfgang Baßler erforscht den Humor. (Foto: Meisenberg)

Herr Professor Baßler, kann man Humor eigentlich lernen?

Nein, ich fürchte eher nicht. Wer den Humor nicht mit der Muttermilch eingesogen hat, kann ihn später selten, wenn überhaupt nicht mehr lernen.

Wie lässt sich das Thema Humor wissenschaftlich beschreiben?

Heinrich Lützeler, ein großes Vorbild für mich, hat eine Unterscheidung zwischen Witz und Humor getroffen. Demnach kommt Witz von Wissen, appelliert also an den Intellekt. Um die Pointe zu verstehen, braucht man schon ein wenig Grips. Humor hingegen kommt aus dem Lateinischen und hat mit Lebendigkeit und Erdverbundenheit zu tun. Humor lässt immer die Bodenständigkeit des Milieus mit lebendig werden. Deshalb können Sie einen Witz überall in der Welt erzählen, aber humorvolle Bemerkungen mit kölschem Hintergrund versteht man nirgendwo anders.

Haben sich schon große Philosophen über das Thema Humor Gedanken gemacht?

Philosophen ganz selten, aber Freud zum Beispiel hat sich intensiv mit Witz und Humor beschäftigt. So definiert er Humor als „Aufwandsersparnis des Affekts“. Statt wütend zu werden oder uns gedemütigt zu fühlen, versuchen wir, mit einer humorvollen Bemerkung, über unangenehme Situationen hinwegzukommen.

Schafft es der kölsche Humor, Beleidigungen zu ersparen?

Er versucht zumindest, sie abzuschwächen. Ein charmantes Beispiel: In Köln gibt es nur zwei Sorten von Frauen. Bis 65 heißt es junge Frau, ab 65 Oma. Dazwischen gibt es nichts. Auf diese Weise erspart der kölsche Humor der Frau das Altwerden. Das ist auch eine Aufwandsersparnis.

Was ist denn mit dem fiesen Möpp? Ist der wirklich unsympathisch oder kann der Titel auch liebevoll gemeint sein?

Der fiese Möpp ist deutlich positiver gemeint als zum Beispiel die kölsche Krat. Wie vieles in unserem Seelenleben ist auch der kölsche Humor ambivalent. Ein kölscher Kavalöres kann durchaus liebevoll zu seinem Mädchen sagen: Du bis aber ne richtig fiese Möpp. Umgekehrt gilt das natürlich auch. Es kommt auf den Tonfall an, ob ein Lächeln in der Stimme mitschwingt.

Worüber können Sie im Karneval denn gar nicht lachen?

Über gespielte und aufgesetzte Ernsthaftigkeit, wie Traditionskorps sie oft an den Tag legen. Auch die Proklamation war früher schrecklich feierlich. Steif und verkrampft passt nicht zum Karneval. Mein kölsches Lieblingssprichwort lautet: „Mer sull de Botz nit jrößer mache, als die Fott es.“ Goethe hat sehr treffend gesagt: Wer sich nicht selbst zum Besten haben kann, ist wahrlich nicht der Beste.

Wie jeck sind Sie denn?

Den Rosenmontagszug tue ich mir nicht an, das ist mir zu viel Trubel. Aber beim Veedelszoch bin ich immer dabei. Als kleiner Steppke habe ich schon vor meiner Klasse in der Bütt gestanden und die Lehrer parodiert. Die konnten herzlich darüber lachen. Die Professoren an der Uni fanden das später weniger witzig. Einer hat davon erfahren und mich lange Zeit nicht gegrüßt. Dat wor ne richtig fiese Möpp – und das sage ich ohne Lächeln in der Stimme.

Inwiefern spielt Humor in Ihrem Alltag als Therapeut eine Rolle?

Es gibt sehr bedrückende Situationen, etwa wenn Menschen an Depressionen leiden. Da kann eine humor- und verständnisvolle Bemerkung diese Anspannung der tiefen Verzweiflung auflockern. Loriot war in dieser Hinsicht ein Meister. Genau das ist der Sinn des Humors: Sich über die Schwere des Lebens ein bisschen erheben zu können. Das kölsche Grundgesetz geht ja auch in diese Richtung: Sich selber Mut zuzusprechen, ist auch Ziel des Humors.

Verraten Sie zum Abschluss Ihren Lieblingswitz?

Der wechselt ständig. Aber ich erzähle Ihnen die witzigste Begegnung, die mir selbst jemals passiert ist: Ich wartete vor einigen Jahren am Bonner Hauptbahnhof, mein Haar war damals noch etwas voller. Zwei Meter entfernt stand eine Gruppe Jugendlicher und unterhielt sich über mich. „Das ist doch der Professor Einstein“, sagte einer. Darauf ein anderer: „Du spinnst, der ist doch schon tot.“ So ging die Diskussion immer weiter. Schließlich kam einer auf mich zu und sagte in vollendeter Höflichkeit: „Entschuldigung, darf ich Sie etwas fragen? Sind Sie nicht der Herr Einstein, der Erfinder der Realiätstheorie?“ Ich antwortete: „Junger Mann, das heißt Relativitätstheorie!“ Daraufhin drehte er sich zu seinen Freunden um und verkündete triumphierend: „Er ist es doch! Der Mann hat Ahnung!“ Ich hab’ mich die gesamte Heimfahrt über kaputtgelacht. Meine Mitreisenden waren völlig verwundert.

Und, haben Sie den Irrtum aufgeklärt?

Selbstverständlich. Ich bin auf die Gruppe zugegangen und habe gesagt: „Natürlich bin ich nicht Albert Einstein, aber ich bin sein Sohn.“

Humorvorlesung

Über die „Psychologie und Philosophie des Kölner Humors“ spricht Professor Wolfgang Baßler am 5. Februar an der Kölner Universität. Los geht’s um 19.15 Uhr im Hörsaal D. Der Vortrag ist öffentlich, Eintritt frei.