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Mehr Staus befürchtetWirtschaft fordert vier Kfz-Spuren auf Mülheimer Brücke

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Die Mülheimer Brücke in Köln

Die Mülheimer Brücke in Köln wird bis 2028 generalsaniert, der Autoverkehr läuft zurzeit in beiden Fahrtrichtungen nur einspurig.

Die geplante Reduzierung der Kfz-Fahrspuren auf der Mülheimer Brücke zugunsten des Fahrradverkehrs stößt bei Wirtschaftsvertretern in Köln auf Kritik. 

Gegen den Plan von Verkehrsdezernent Ascan Egerer, den Autoverkehr auf der Mülheimer Brücke künftig nur noch einspurig zu führen, regt sich Widerstand in der Wirtschaft. Die Kölner Handwerkskammer lehnt eine Reduzierung der Kfz-Spuren ab. „Die Mülheimer Brücke ist eine zentrale Verkehrsachse im Kölner Norden und unverzichtbar für Handwerksbetriebe, die den Rhein queren müssen. Wir sind darüber irritiert, dass die Stadt gerade auf einer Vorrangstraße ihres Grundnetzes für den motorisierten Individualverkehr die Zahl der Kfz-Spuren reduzieren will“, betont HWK-Hauptgeschäftsführer Erik Werdel gegenüber der Rundschau.

Eine dauerhafte Verengung auf eine Spur pro Fahrtrichtung führe „insbesondere zu den Stoßzeiten unvermeidlich zu Verzögerungen und mehr Stau. Das würde bedeuten, dass unsere Handwerkerinnen und Handwerker noch länger im Auto säßen und weniger Zeit für ihre eigentliche Arbeit bliebe“, so Werdel. Dies schade den Betrieben, den Kunden und der regionalen Wirtschaft. Angesichts der bevorstehenden Baumaßnahmen an der Zoobrücke und der Rodenkirchener Brücke würde eine Reduzierung der Kfz-Spuren „zu einer zusätzlichen Verschärfung der Verkehrssituation in Köln führen“.

Mülheimer Brücke: Stadt Köln plant Verkehrsgutachten für 110.000 Euro

Wie berichtet, will Verkehrsdezernent Egerer die jeweils rechte Kfz-Spur in einen Fahrradstreifen umwandeln. Ein Gutachten für 110.000 Euro soll die Auswirkungen auf den Verkehr untersuchen und klären, ob die Umwandlung möglich ist, ohne dass die Stadt Fördermittel zurückzahlen muss.

Die Mülheimer Brücke wird seit 2018 generalsaniert. Die Kosten sind auf rund 500 Millionen Euro explodiert, davon hat die Stadt Köln 61 Millionen als Förderung erhalten. „Für den Fall, dass von der bewilligten Planung abgewichen und eine dauerhafte Einspurigkeit die Funktionalität für den Kfz-Verkehr verschlechtern würde, müsste grundsätzlich von einem Rückforderungstatbestand ausgegangen werden“, erklärt die Bezirksregierung Köln auf Anfrage. Da es sich um eine Bundesstraße handele, müsse die Stadt Köln „zuvor ein Verkehrskonzept erstellen, das vor allem auch die Leistungsfähigkeit der Straße und etwaige Verlagerungsverkehre untersucht“.

IHK Köln warnt davor, Kapazität der Mülheimer Brücke einzuschränken

Auch die Industrie- und Handelskammer Köln ist gegen eine Reduzierung der Kfz-Spuren. „Wir fordern vierspurigen Verkehr auf der Mülheimer Brücke – erst recht mit Blick auf die anstehenden Sanierungen anderer Brücken“, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Uwe Vetterlein. „110.000 Euro sind woanders besser investiert als in ein Gutachten, das einen Abbau von Kapazitäten einer so wichtigen Rheinquerung wie der Mülheimer Brücke legitimieren soll. Schließlich ist Köln seit 2025 laut Inrix Traffic Scorecard Deutschlands Stauhauptstadt.“

Die Stadtwerke-Tochter Häfen und Güterverkehr Köln (HGK) kritisiert ebenfalls die Pläne. „Für die Leistungsfähigkeit eines Hafens sind funktionierende Zu- und Abfahrten entscheidend; eine verlässliche Erreichbarkeit ist Grundvoraussetzung für den Betrieb“, so HGK-Sprecher Christian Lorenz. Eine Reduzierung auf eine Kfz-Spur wirke dem Ziel entgegen, mehr Güter auf die umweltfreundlicheren Verkehrsträger Wasserstraße und Schiene zu verlagern.

Er sehe keine Notwendigkeit, dem Autoverkehr eine Spur pro Fahrtrichtung wegzunehmen, betont Roman Suthold, Mobilitätsexperte des Automobilclubs ADAC Nordrhein. Schließlich seien die Rad- und Fußwege am Rand der Brücke bei der Sanierung eigens verbreitert und die Engstellen an den Pylonen durch zusätzliche Flächen entschärft worden. „Würde die Leistungsfähigkeit der Mülheimer Brücke für den Autoverkehr dauerhaft um die Hälfte reduziert, würde das die Verkehrsprobleme in Köln insbesondere während der Sanierung der anderen Rheinbrücken verschärfen.“ Es stehe zu befürchten, dass die Stadt hier einen künstlichen Engpass schaffe, der zu mehr Staus und mehr Emissionen führen werde.

ADFC hält Einrichtung von Radstreifen für zwingend erforderlich

Dagegen spricht sich der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club klar für die   Radstreifen aus. „Ich verstehe die ganze Diskussion nicht, denn auf dem bisherigen Rad- und Fußweg lässt sich der Radverkehr nicht mehr regelkonform abwickeln“, sagt Kölns ADFC-Chef Christoph Schmidt. Die Radstreifen müssten in jedem Fall kommen – insbesondere mit Blick auf erwartete Zuwächse durch den geplanten Radschnellweg vom Niehler Gürtel nach Mülheim. Die Engstellen an den Pylonen seien zwar verbessert worden, die Probleme dort aber nicht wirklich gelöst. Die Verbreiterung der Rad- und Fußwege sei minimal ausgefallen. In der Bauphase sei der Autoverkehr trotz einspuriger Führung nicht zusammengebrochen, die hohen Schadstoffmesswerte am Clevischen Ring seien gesunken. Werde die Brücke künftig wieder vierspurig, drohten womöglich erneut Fahrverbote.

Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Thema äußern. Er wolle der Diskussion im Verkehrsausschuss „nicht öffentlich vorgreifen“, sagte sein Sprecher. Im Ausschuss zeichnet sich eine Mehrheit von Grünen, SPD und Linken dafür ab, 110.000 Euro für ein Verkehrsgutachten zu bewilligen. CDU und FDP/KSG sind strikt gegen eine Reduzierung der Kfz-Spuren.