Köln – In ihrer Unzuverlässigkeit haben sie schon wieder etwas Zuverlässiges. Wer die Anzeigetafeln der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) nicht zu nehmen weiß, kann an ihnen verzweifeln. Zeigen sie an, die erwartete Bahn komme in zwei Minuten, können es gerne auch noch fünf oder mehr Minuten werden. Kommt die Bahn gar nicht, zeigen die Tafeln das noch lange nicht an. Signalisieren sie hingegen, dass es auf einer Linie zu Ausfällen kommt, fahren zumeist gleich mehrere Bahnen eben dieser Linie hintereinander ein. Damit soll es ein Ende haben. Bereits in wenigen Tagen werden wohl die ersten neuen, hochmodernen Anzeigentafeln an Haltestellen aufgehängt. Die Vorarbeiten dafür laufen schon seit vielen Monaten. Doch bevor die Freude überschwänglich wird: Die neuen Tafeln werden wohl noch lange über die alte Technik laufen – mit all ihren Unzulänglichkeiten.
„Ab Mitte November werden die ersten neuen Anzeigetafeln aufgehängt“, verspricht eine Sprecherin der KVB. Die hören auf die Bezeichnung DFI, was für Dynamische Fahrgastinformationen steht. Das Dynamische daran: Noch wird die Zeit bis zum Eintreffen einer Bahn an einer Haltestelle über Koppelspulen berechnet. Überfährt die Bahn die Spule, weiß das System, sie braucht nun noch beispielsweise zwei Minuten. Wird das Fahrzeug aber nach der Spule aufgehalten, erfährt das die Anzeige nicht. So kommt es zu der berühmten KVB-Minute, die ein wenig aus der Zeit gefallen ist. Für die DFI-Anzeigen soll aber ein stetiges digitales Signal von der Bahn an die Anzeigen ausgehen. Dynamisch wird also permanent ihr Standort erfasst.
Ankünfte oder Verspätungen in Echtzeit
Und das dürfte schon eine wesentliche Leistung der neuen Anzeigen sein: „Sie zeigen Ankünfte oder Verspätungen in Echtzeit“, so die KVB-Sprecherin. Noch mehr soll möglich sein. Bisher werden Informationen über ein durchlaufendes Spruchband auf den alten Tafeln übermittelt. Das lässt kaum mehr als einen Telegrammstil zu, soll die Aufmerksamkeit der Fahrgäste nicht überstrapaziert werden. „Die DFI-Tafeln können weit mehr Informationen anzeigen“, verspricht die Sprecherin. Sogar Video-Einblendungen sollen möglich werden.
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Vorfreude scheint berechtigt auf die neuen Anzeigen, von denen die ersten in Kürze montiert werden. Jedoch, die KVB schüttet vorerst alten Wein in neue Schläuche. „Voraussetzung für die neuen Leistungen ist ein neues EDV-Hintergrundsystem“, heißt es aus der KVB-Pressestelle. Bis das läuft, könne es bis zu zwei Jahre brauchen. Wäre es da nicht besser gewesen, die neuen Anzeigen kämen erst, wenn das Hintergrundsystem schon läuft? „Die Tafeln sind nur Teil einer umfassenden digitalen Offensive“, so die Sprecherin. Das gesamte System umfasse zudem auch die Bahnen und die Leitstelle. Alles müsste in die neue Technik mit eingebunden werden. „Die Software muss nun erst darauf abgestimmt werden.“ Bis dahin würden die neuen Anzeigen die alten Informationen zeigen. Also Infos im Telegrammstil und Zeitangaben in KVB-Minuten.

