In seinem neuen Kriminalroman zeigt Autor Edgar E. Franzmann interessante Seiten von Köln und spannende Szenen.
Neuer Krimi von Edgar FranzmannWenn viel, aber auch nichts passiert

Autor Edgar E. Franzmann
Copyright: Werner Meyer/Meyer Originals
Edgar E. Franzmann hatte eine längere Schreibpause gemacht. Der frühere Chefredakteur des Portals koeln.de, Mitbegründer des Kölner Krimi-Festivals Crime Cologne und Autor zahlreicher Romane war an Krebs erkrankt, hatte nach eigenen Angaben andere Prioritäten in seinem Leben. Nun legt er mit dem Titel „Und dann passiert nichts!“ (ISBN 979-8-24132-633-1, beim Autor bestellbar unter franzmann.de) einen neuen Stadt-Krimi vor. Es ist der sechste Fall der Romanfigur des Investigativjournalisten Rubin, der diesmal von einer längeren Auslandsreise zurückkehrt und eine PR-Agentur gründet – um abermals in einen aufwühlenden Kriminalfall verwickelt zu werden.
Der Titel mag für ein Spannungsbuch irritierend klingen, denn tatsächlich passiert natürlich in dem atmosphärisch gekonnt komponierten Erzählwerk eine ganze Menge. Der Satz, dass nichts passiere, bezieht sich denn auch auf die Politik im Kölner Rathaus. Dafür wird an mehreren Stellen des Buches das „wahre Kölner Grundgesetz“ erwähnt, das symptomatisch für so manche Projekteinfälle steht: „§ 1 Erst hat einer eine Idee, § 2 Dann sind alle dafür, § 3 Und dann passiert nix.“
Der Schmutz der Stadt
Franzmann gelingt es, etliche Handlungsfäden aufzugreifen und zu einem Sittengemälde der Themen zusammenzuspinnen, die in der jüngeren Vergangenheit Stadt und Gesellschaft in Köln bewegt haben. So tauschen sich die Romanfiguren darüber aus, dass Köln zu schmutzig sei wie keine andere Stadt, obwohl der Stadtrat vor einigen Jahren viel Geld für einen „Masterplan Sauberkeit“ bewilligt habe. „Haben Sie etwas bemerkt?“, fragt Journalist Rubin vor Publikum: „Ich auch nicht.“
Kenntnisreich entführt Franzmann die Leserinnen und Leser an diverse Orte der Stadt. Im Schanzenviertel wird an die Shows von Stefan Raab und Harald Schmidt erinnert, die dort einst aufgezeichnet wurden, aber auch an das Bombenattentat auf der Keupstraße. Letztlich wird das Veedel im Stadtteil Mülheim zum Schauplatz einer Krimihandlung um einen Rüstungshersteller – den es dort in der Realität tatsächlich gibt. „Milliarden fließen auch nach Köln“, schreibt Franzmann im Nachwort zu seinem Buch als Begründung, weshalb er das Thema Rüstung in die Handlung integriert hat: „Während gleichzeitig Straßen, Schulen, Kultur und Infrastruktur verfallen. Diese Schieflage ist real. Und sie prägt das Lebensgefühl dieser Stadt.“
Stimmung lyrisch verdichtet
Der Autor setzt sich kritisch mit der Gegenwart des Journalismus auseinander und lässt seine Figuren eindrucksvoll über Desinformation reflektieren, die für einige zum politischen Werkzeug wird. Er beschreibt illustre Figuren wie Südstadt-Pfarrer Hans, der als Oberbürgermeister kandidiert hat. Auch hier findet sich eine Anleihe aus der Realität, denn der Wahlkampf Hans Mörtter wird in dem Roman lebensnah beschrieben. Edgar E. Franzmann gelingt es auch, die Stimmung in der Stadt teils lyrisch auf den Punkt zu bringen, wenn er beispielsweise den Stau in der City erzählerisch aufarbeitet: „Auf den Ringen pressten sich Autos, Radfahrer, Lieferwagen aneinander, Spiegel an Spiegel, Geduld an Geduld.“
Eine besondere Rolle spielt in dem spannungsgeladenen Kriminalroman die Tiefgarage Groß St. Martin, die wegen massiver Schäden seit Monaten geschlossen ist. Autor Franzmann inszeniert sie in seinem neuen Buch als Schauplatz eines zunächst bedrückenden Showdowns. Neben für einen Lokalkrimi typischen Identifikationen mit solchen aus dem realen Leben bekannten Orten sind es rasante Szenenfolgen, die dafür sorgen, dass man das Werk kaum aus den Händen legen mag, bevor man es vollständig zu Ende gelesen hat – um sodann darauf zu hoffen, dass die Hauptfigur Rubin bald ihren siebten Fall zu lösen bekommt.
