Mit Lichtinstallationen an bekannten Orten des Landes ist die Kampagne gestartet, mit der NRW in 17 Kommunen die Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger zu einer Olympia-Bewerbung fördern will.
Werben für OlympiaWie Köln als „Leading City“ ins Rennen für NRW geht

Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (l-r, SPD), Isabell Werth, Dressurreiterin, Markus Rehm, paralympischer Sportler, Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Britta Heidemann, ehemalige Fechterin,Sebastian Schulte, ehemaliger deutscher Ruderer und Vorstandsvorsitzender des Kölner Motorenbauunternehmens Deutz AG, und Peer Steinbrück, ehemaliger Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, stehen beim Start der Kampagne für die Bewerbung der Region Rhein-Ruhr, mit Köln als „Leading City“, um Olympische und Paralympische Spiele in der Lanxess-Arena.
Copyright: Thomas Banneyer
Startschuss zur ersten großen und öffentlichkeitswirksamen Runde in Sachen Olympia-Bewerbung. Am Abend erstrahlten von Aachen bis Zeche Zollverein bekannte Monumente in der Region. Und auch der Kölner Dom bekam – in Nachbarschaft des illuminierten Römisch-Germanischen Museums – schon mal ein bisschen präolympischen Glanz ab. Immerhin könnte er ja das Symbol mit der größten Strahlkraft für das Sportgroßereignis 2036, 2040 oder 2044 werden. Bis dahin sind allerdings noch einige Etappen zu bewältigen. Ein Überblick zum Stand der Dinge.
Was hatte es mit der Illumination genau auf sich?
Die Illuminationen an Rhein und Ruhr waren das symbolische Startsignal zur Werbekampagne für die Abstimmungen am 19. April. Dann werden in allen beteiligten 17 Kommunen in NRW die Bürger darüber entscheiden, ob die Region mit Köln als „Leading City“ ins Rennen für die deutsche Bewerbung um die olympischen Spiele gehen soll. Da das Thema Olympia landesweit noch nicht so bekannt ist, zielte diese erste Aktion darauf ab, eine „möglichst große Teilnahme an der Abstimmung per Briefwahl zu erzielen“, wie es im Vorfeld hieß. Nordrhein-Westfalen führt als einzige Bewerberregion in allen 17 am Konzept beteiligten Kommunen die Ratsbürgerentscheide durch. Über vier Millionen Menschen sind hier stimmberechtigt. Die Frage wird für die Kölnerinnen und Kölner so lauten: „Sind Sie dafür, dass sich die Stadt Köln an der gemeinsamen Bewerbung der Region Rhein / Ruhr um die Olympischen und Paralympischen Spiele im Jahr 2036, 2040 oder 2044 beteiligt?“ Eine Forsa-Umfrage aus dem Juni 2025 macht den Unterstützern der Olympia-Idee zumindest Hoffnung. Danach befürworten mehr als 70 Prozent der Menschen in der Region Rhein-Ruhr eine Bewerbung.
Wie geht es danach mit der Bewerbung weiter?
Sollten sich die stimmberechtigten Bürgerinnen und Bürger in den beteiligten Kommunen mehrheitlich für Olympia entscheiden, geht es zunächst in den Wettbewerb mit den anderen deutschen Bewerbern, München, Berlin und Hamburg. Bislang hat nur München vor drei Monaten ein erfolgreiches Referendum mit einer Zustimmung von 66,4 Prozent abgehalten. Hamburg lässt seine Bürger am 31. Mai abstimmen. Als einziger Bewerber will Berlin kein Referendum durchführen. Die finale Entscheidung für die deutsche Bewerbung fällt am 26. September bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Die nächsten olympischen Sommerspiele finden in Los Angeles (2028) und in Brisbane (2032) statt. Das könnte die Chancen auf eine Austragung 2036 in Europa erhöhen. Hier gibt es einige mögliche Konkurrenten: Budapest, Istanbul, Florenz und Turin. Mögliche Bewerberländer außerhalb Europas sind Katar, Indien und Chile.
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Welche Argumente sprechen für Köln und Rhein-Ruhr?
Ministerpräsident Hendrik Wüst sieht Nordrhein-Westfalen als Sportland Nr. 1 und Kraftzentrum des deutschen Sports. Aus seiner Sicht soll Köln als „Leading City“ und mit dem Dom als Wahrzeichen international für einen hohen Wiedererkennungswert sorgen. Die Olympiabefürworter sehen die Region mit über 30 internationalen Top-Veranstaltungen in den letzten zehn Jahren, einer exzellenten Infrastruktur und 100 Prozent bereits vorhandenen und temporären Sportstätten als geeigneten Kandidaten. Durch große Arenen und kurze Wege könne ein Sportfest mit bis zu 14 Millionen Tickets ermöglicht werden. „Mehr als je zuvor“, glauben die Planer. Köln Oberbürgermeister Torsten Burmester klingt begeistert angesichts der Führungsrolle seiner Stadt und verspricht: „Die Kölnerinnen und Kölner stehen dabei mit ihrer Herzlichkeit und Offenheit für den olympischen Gedanken und das Fairplay. Die Entscheidung für Köln als Leading City ist ein starkes Zeichen und ich bin mir sicher, dass NRW so die beste Bühne für das größte Sportereignis der Welt bieten wird.“ Düsseldorfs Oberbürgermeister Stefan Keller untermauert den Anspruch für die gesamte Region so: „Unsere Arenen und Stadien bieten die höchsten Zuschauerkapazitäten und können verschiedenste Sportarten vor großer Kulisse präsentieren. Mit einem Einzugsgebiet von rund 220 Millionen Menschen in einem Radius von rund 600 Kilometern ist Nordrhein-Westfalen ein hochattraktiver Standort – auch für internationale Gäste.“

Sebastian Schulte (l-r), ehemaliger deutscher Ruderer und Vorstandsvorsitzender des Kölner Motorenbauunternehmens Deutz AG, Peer Steinbrück, ehemaliger Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Isabell Werth, Dressurreiterin, Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD), Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Britta Heidemann, ehemalige Fechterin, stehen beim Start der Kampagne für die Bewerbung der Region Rhein-Ruhr, mit Köln als „Leading City“, um Olympische und Paralympische Spiele in der Lanxess-Arena.
Copyright: Thomas Banneyer
Was sieht das Konzept für Köln als zentralen Austragungsort alles vor?
Köln ist seit der Vorstellung des Konzepts Anfang Dezember „Leading City“, führt damit die 16 anderen Kommunen also an und soll Austragungsort für viele Wettbewerbe von Bodenturnen über Fußball bis Triathlon werden. Neben den bestehenden Sportstätten wie dem Rheinenergie-Stadion und der Lanxessarena soll im Norden der Stadt ein neuer Stadtteil, Kreuzfeld, entstehen, wo das Olympische Dorf und ein neues, temporäres Leichtathletikstadion für 50.000 Besucherinnen und Besucher gebaut werden sollen. Hier soll dem Gedanken von Nachhaltigkeit und Innovation Rechnung getragen werden. Das Konzept sieht nach den Spielen den Teilrückbau des Stadions vor. Gemeinsam mit dem olympischen und paralympischen Dorf soll Kreuzfeld zum Stadtquartier mit Wohnungen, Gewerbe und sozialer Infrastruktur weiterentwickelt werden. In Sachen Radsport hat sich Köln seit Jahren als Veranstaltungsort etabliert. Laut Konzept für „Köln.Rhein.Ruhr“ könnten die Radsportwettbewerbe auf der Straße analog zu „Rund um Köln“ realisiert werden. Außerdem ist angedacht, dass die olympischen Bahnrad-Wettbewerbe im geplanten „Albert-Richter-Velodrom“ in Köln ausgetragen werden. Der Fühlinger See ist als Sportstätte für die Disziplin Marathonschwimmen und – in Kombination mit Lauf- und Radstrecke – in der Kölner Innenstadt als Schwimmetappe des Triathlon angedacht. Wie stehen die Chancen für Köln auf Eröffnungs- und Abschlussfeier? Bei olympischen Spielen sind die Leichtathletik-Wettbewerbe von jeher das Herzstück. Bei den vergangenen olympischen Wettbewerben in den Metropolen der Welt war das Leichtathletik-Stadion in der Regel auch der Ort für Eröffnungs- und Abschlussfeiern.
Was sind die Highlights in den anderen beteiligten Städten?
Auf der offiziellen Website zur Olympia-Bewerbung klingt es verheißungsvoll und rekordverdächtig: „Mit spektakulären Sportstätten bringt Nordrhein-Westfalen den Olympischen Geist eindrucksvoll zu den Menschen. So würden die Schwimmwettbewerbe vor 60.000 Zuschauern in der Arena Gelsenkirchen stattfinden – noch nie zuvor in der Olympischen Geschichte wurde diese Disziplin vor mehr Menschen gezeigt.“ Die Finals im Handball, Basketball und Volleyball sollen der Planung zufolge „vor einer Rekordkulisse in der Merkur Spiel-Arena in Düsseldorf ausgerichtet“ werden. Aachen bliebe auch bei Olympia in „Köln.Rhein.Ruhr“ das Mekka des Reitsports. (siehe auch Kasten)
Ist die Austragung an so vielen Orten nicht eher ein Nachteil?
Die Olympia-Planer im Land sehen das nicht so. Im Gegenteil. Sie sprechen von einem Konzept der kurzen Wege und der Nachhaltigkeit. Es sei in enger Zusammenarbeit mit den Kommunen, Fachleuten, Athletinnen und Athleten sowie Sportfachverbänden entstanden, die ihre Bedarfe und Hinweise eingebracht hätten. Nach den Plänen würden, so die Planer, „zu 100 Prozent bereits bestehende Sportstätten genutzt oder temporär ertüchtigt“. Rund 95 Prozent der Athletinnen und Athleten könnten im olympischen und paralympischen Dorf wohnen und ihre Sportstätten in einem Radius von nicht mehr als 60 Minuten Fahrtzeit erreichen. Der Präsident des Landessportbund Nordrhein-Westfalen (LSB) Stefan Klett unterbietet das sogar noch: „50 von 54 Sportarten können in einem Radius von 40 km ausgetragen werden.“ Er sieht den Entscheid für die „Leading City“ Köln als „eine konsequente Fortschreibung unseres Konzeptes“. „Das enge Zusammenspiel von Köln mit 16 weiteren Städten an Rhein und Ruhr bleibt unsere Stärke. Es ist kompakter als Paris.“
Was wird das alles kosten und woher kommt das Geld?
Apropos Paris: Die Kosten der Olympischen Spiele in der Vergangenheit beliefen sich am letzten Austragungsort 2024 auf rund 6,6 Milliarden Euro, wie der französische Rechnungshof nach dem Großereignis bilanzierte – darin enthalten sind die Kosten für Organisation, Sicherheit und für Infrastruktur. Das war mehr als das Doppelte des vorab kalkulierten Plans. Das Organisationskomitee der Spiele wies diese Berechnung allerdings als weit überhöht zurück, weil der Rechnungshof Kosten für die öffentliche Hand in zu großem Ausmaß eingerechnet habe. Ministerpräsident Hendrik Wüst gab die derzeit kalkulierten Kosten für Olympia an Rhein und Ruhe am vergangenen Freitag mit 4,8 Milliarden an, bei 5,2 Milliarden Euro Einnahmen. Eine solche Berechnung ist auf heutigem Stand allerdings mehr als vage, schließlich ist noch nicht einmal klar, in welchem Jahr die Spiele in Deutschland stattfinden könnten. Einen Zuschlag für 2036 schließen Beobachter ohnehin aus, weil dies genau 100 Jahre nach den von den Nazis instrumentalisierten Spielen in Berlin liegen würde. Mithin wäre der früheste denkbare Zeitpunkt in 14 Jahren. Relativ klar sind bislang nur die Kosten für die Bürgerentscheide in den NRW-Kommunen. Das Land, das auch hier 85 Prozent der übernimmt, hat 9,5 Millionen dafür eingeplant. Rund 2,5 Millionen soll die Abstimmung in Köln kosten – auf die Stadt kommen mit ihrem 15-prozentigen Eigenanteil also Ausgaben von 373.000 Euro zu.

