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Räumung durch PolizeiObdachlose besetzen Hilfseinrichtung in Merheim

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Besetzung am Dienstag in der Ostmerheimer Straße.

Besetzung am Dienstag in der Ostmerheimer Straße.

Die Winterhilfe für Wohnungslose in Merheim hat an diesem Dienstag zum letzten Mal geöffnet. Zahlreiche Betroffene wollten nicht gehen.

Polizeieinsatz am Mittwochmorgen in Merheim: Plakate aus Pappe sind an die Einsatzfahrzeuge gesteckt worden, im Gebäude der Winterhilfe von Stadt und SKM wollen Betroffene nicht gehen. Seit November sind sie dort umfassend betreut worden, damit niemand auf der Straße erfrieren muss. Es gibt in dem Gebäude Schlafmöglichkeiten, aber auch Duschen, medizinische Versorgung, Kleidung, Essen und Trinken sowie Beratung.

Das Projekt wird während der Wintermonate angeboten, läuft somit regulär stets Ende März aus. Gleichwohl wollen viele Menschen, die hier in den vergangenen Monaten gelebt haben, weiterhin ein Dach über dem Kopf haben. Deshalb haben sie am Vormittag kurzzeitig die Einrichtung besetzt, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen.

Die Polizei räumte das Gebäude der Winterhilfe, vereinzelt mussten Menschen von den Beamten vom Gelände getragen werden. Insgesamt verlief die Situation jedoch friedlich. Im Laufe des Tages hielten einige der bis zu 80 Beteiligten noch eine Kundgebung vor dem städtischen Wohnungsamt ab. Dabei stellten sie demonstrativ gepackte Koffer vor und in die Behörde, um auf ihre Not aufmerksam zu machen.

Plakate an Einsatzfahrzeugen der Polizei.

Plakate an Einsatzfahrzeugen der Polizei.

"Die Stadt darf die Wohnungslosen nicht im Stich lassen", sagte Aktivist Kalle Gerigk vor Ort der Rundschau: "Die Winterhilfe muss fortgesetzt werden!" Gerade für Menschen, die sonst auf der Straße leben, ende die Notlage nicht mit einem Kalenderdatum.

Die Wohnräume an der Ostmerheimer Straße seien ein Schutzraum, der nicht ersatzlos wegfallen dürfe, so Gerigk: "Wir fordern, die Winterhilfe mindestens so lange fortzuführen, bis ausreichend ganzjährige Unterbringungs- und Unterstützungsangebote geschaffen sind, die den tatsächlichen Bedarf decken." Kein Mensch dürfe gezwungen sein, nach dem Ende der Winterhilfe wieder auf der Straße zu leben.

Rainer Kippe vom SSM unterstützte die Demonstrierenden und machte seiner Verärgerung vor allem über die Stadt Luft: "Die meisten hier haben kein Angebot für ein neues Wohnheim bekommen. Das ist unmenschlich!" 

Diese Aussage wiederum wies die Stadt auf Anfrage zurück. „In den beiden Wochen vor Auslaufen der Winterhilfe wird vom Träger vor Ort – hier der SKM – noch einmal verstärkt auf die möglichen Unterbringungsangebote hingewiesen“, erklärte eine Sprecherin: „Diese können betroffene Personen immer, auch während der Zeit des zusätzlichen Winterhilfeangebotes, in Anspruch nehmen. Diese Hilfsangebote sind den meisten Kölner Obdachlosen bekannt.“ Wer ein konkretes Unterbringungsangebot brauche, müsse sich persönlich bei der Fachstelle Wohnen der Stadt melden: „Häufig ist es jedoch so, dass die Personen gar keine andere Unterbringung beantragen.“