Abo

Rücklagen „bald aufgezehrt“Der Kölner Dom nimmt künftig Eintritt

5 min
Köln: Touristen fotografieren den Kölner Dom. Der Kölner Dom wird Touristen in Zukunft Eintritt kosten.

Köln: Touristen fotografieren den Kölner Dom. Der Kölner Dom wird Touristen in Zukunft Eintritt kosten.

Der Kölner Dom plant eine „Besichtigungsgebühr“ für Touristen wegen finanzieller Engpässe. Details sind noch unklar.

„Nix es ömesöns, nix es ömesöns. Keen Bier, keen Flöns. Nix es ömesöns“, so singen es die Bläck Fööss. Und nunmehr kann hinzugefügt werden, auch der Besuch des Kölner Doms ist nicht mehr kostenlos. Dompropst Guido Assmann hat am Donnerstag angekündigt, dass im Laufe der zweiten Jahreshälfte eine Besichtigungsgebühr für Touristen eingeführt wird, die das Weltkulturerbe besuchen wollen. Grund dafür sei, dass durch stetige Kostenerhöhung die Rücklagen des Doms nahezu aufgebraucht seien. Wie hoch die Gebühr sein soll, wann genau sie eingeführt wird und mit welchem Konzept die Maßnahme umgesetzt wird, ist aber noch völlig offen. Assmann sagt lediglich fest zu: „Im Dom zu beten oder eine Kerze aufzustellen, wird weiterhin frei möglich sein.“

Wie steht es um die Finanzen des Doms?

Unter anderem durch Zuschüsse beispielsweise vom Land, dem Erzbistum oder dem Zentral Dombauverein, aber auch durch Eintrittsgelder der Schatzkammer sowie durch Kollekten nimmt der Dom jährlich 13.967.000 Millionen Euro ein. Dem stehen vor allem Personalkosten entgegen. Die sind für den Dompropst aber sakrosankt: „Wir haben die Verantwortung für die Menschen, ihre Arbeitsplätze zu sichern.“  Rechnet man unter anderem noch die Kosten für Dommusik und Liturgie dazu, stehen unter dem Strich 14.207.000 Euro. Da braucht es keine schwäbische Hausfrau, um eine Schieflage zu erkennen. In 2024 betrug das Defizit vor dem Hintergrund der genannten Zahlen 240.000 Euro. So erging es dem Dom in sechs Jahren. Jedes Mal schloss die Jahresbilanz mit roten Zahlen. „Und die waren beileibe nicht klein“, sagt Domrendant Clemens van de Ven. Aufgefangen wurden die Fehlbeträge aus den Rücklagen. Die Folge: „Die Reserven sind stark angegriffen“, warnt Dompropst Assmann. „Sie sind bald aufgezehrt“, ergänzt van de Ven. Und Besserung ist ohne Weiteres nicht in Sicht. Der Domrendant prognostiziert steigende Personal-, Unterhalts- und Sicherheitskosten. Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben gehe immer weiter auf. Clemens van de Ven sagt es mit buchhalterischer Unerbittlichkeit: „Es braucht zwingend neue Einnahmen.“

Die Bilanz

Die Bilanz

Hat der Dom versucht zu sparen?

Vor rund einem Jahr hatte Dompropst Assmann Maßnahmen angekündigt, durch die sich die finanzielle Lage verbessern sollte. Unter anderem wurden die Eintritte für die Schatzkammer und die Turmbesteigung leicht erhöht. Zwar wurden die Öffnungszeiten für den Dom nicht beschränkt, aber in den frühen Morgenstunden war der Eintritt nur noch durch das Nordportal möglich. Das verringerte den Personaleinsatz. Mehr Opferstöcke wurden aufgestellt. Für Konzerte wurde eine „Spende“ erbeten. Doch Assmann zieht ein ernüchterndes Resümee: „Viel hat es nicht gebracht.“ Die Spendenfreudigkeit bei den Konzerten hielt sich in Grenzen: „Wir haben immer draufgezahlt.“ Van de Ven steuert bei: „Jede Maßnahme war wichtig, aber der Verzehr der Reserve wurde dadurch nur verlangsamt.“ Dennoch habe man das scharfe Schwert des Eintritts so lange wie möglich hinausgezögert.

Welches Potenzial hat ein „Eintrittsgeld“?

Ein enormes, wie der Blick auf die Besucherzahlen zeigt. „Jedes Jahr kommen rund sechs Millionen Menschen in den Dom“, sagt Assmann. Der Januar ist eigentlich ein Monat, in dem nicht viele Touristen nach Köln kommen. Zu kalt, zu verregnet. Und dennoch: „Im Januar 2025 besuchten 80.000 Menschen pro Woche den Dom“, so der Dompropst. Ein Rekord aus jüngster Zeit: „Im vergangenen Jahr hatten wir am Samstag vor dem 4. Advent 40.000 Besucher“, berichtet Assmann. Werden also die sechs Millionen Besucher im Jahr pauschal angesetzt und würde ein Eintrittsgeld von nur einem Euro angesetzt, betrüge das alleine schon eine Mehreinnahme vom sechs Millionen Euro – natürlich abzüglich der Kosten, die ein Bezahlsystem nach sich zieht.

Wie hoch soll der Eintritt sein?

Diese Frage lässt Dompropst Assmann vorerst unbeantwortet. Sie soll durch eine Arbeitsgruppe beantwortet werden, die das Domkapitel nun einberuft. Ein Sprecher Assmanns verweist lediglich darauf, dass bereits andere berühmte Kathedralen Eintritt nähmen. Der einfache Eintritt in den Mailänder Dom beispielsweise kostet 5 Euro, steigert sich aber durch einen Gang über dessen Dach auf 17 Euro. Die Besichtigung des Stephansdoms in Wien beginnt bei 7 Euro, klettert aber ebenfalls durch weitere Besichtigungsangebote in der Kirche stetig nach oben. Rückschlüsse durch diese Preise auf den künftigen Dom-Eintritt, ziehen die Verantwortlichen aber nicht.

Wie sieht das Konzept aus?

Auch das ist zurzeit noch völlig offen. Assmann betont aber, Gläubige sollen zum Beten und Anzünden einer Kerze weiterhin den Dom kostenlos betreten können. Aber wie soll das gehen: Durch Abfragen des Glaubens am Portal? Bei näherem Nachfragen kristallisiert sich heraus, das wer beten möchte, den Dom künftig nur noch in einem bestimmten Bereich betreten kann. Denkbar wäre also der Zugang zu einer Kapelle. Doch würde beispielsweise für Betende der Zugang zur Schmuck-Madonna frei gegeben, wäre von dort aus der Dom in aller seiner Pracht dennoch gut einsehbar. Müsste dieser Bereich dann durch Stellwände abgetrennt werden. „Stellwände kommen nicht infrage“, versichert ein Sprecher.

Gibt es Ausnahmen?

Mitglieder des Zentral Dombauvereins (ZDV) werden keinen Eintritt für einen Besuch im Dom bezahlen müssen. Damit wird der Unterstützung des Doms durch den ZDV und seine Mitglieder Rechnung getragen. Dombaumeister Peter Füssenich erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass der Mindestbeitrag beim ZDV lediglich bei 20 Euro im Jahr liege. Und ja, er gehe davon aus, dass die Mitgliederzahlen des Vereins unter diesen Bedingungen künftig steigen werden. Im Gegenzug kann sich Dompropst Assmann   vorstellen, dass die Besucherzahlen für den Dom durch die Einführung einer „Besichtigungsgebühr“ leicht sinken. Zudem denkt Assmann an sogenannte „Aktionstage“, an denen der Zugang zum Dom frei möglich sein könnte.

Wie geht es nun weiter?

Dompropst Guido Assmann bittet um Geduld. Die Arbeitsgruppe berate nun , wie hoch das Eintrittsgeld sein, wie das „Wegekonzept“ im Dom künftig aussehen soll, wie lange Warteschlangen vor dem Dom verhindert werden können, welche Aktionstage denkbar seien. Und vor allem, ab wann die Eintrittsregelung eingeführt wird. Dass er nun mit so wenigen konkreten Angaben an die Öffentlichkeit geht, begründet er damit, dass er so früh und so transparent wie möglich informieren über die wolle über diese kontroverse Maßnahme . Es würden nun noch im ersten Halbjahr weitere Pressekonferenzen stattfinden, um über weitere Schritte zu informieren.