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Jüdisches LebenJunges Theater Köln inszeniert Zeitreise

3 min
Drei Frauen stehen nebeneinander neben einem Bauwerk.

Olga Moldaver (Projektkoordinatorin), Svetlana Fourer (Künstlerische Leiterin) und Stella Shcherbatova (Projektentwicklerin, psychologische Begleiterin, v. l.) und ihr Team von Junges Theater Köln spiegeln das jüdische Leben Kölns von der Antike bis zur Gegenwart wider.

Das Ensemble Junges Theater Köln führt an Originalschauplätzen der Domstadt durch die Historie jüdischen Lebens von der Antike bis zur Gegenwart.

„Wie fühlt es sich nach dem 7. Oktober 2023 an, Jude oder Jüdin zu sein?“, fragt Svetlana Fourer mit leiser Stimme. Die Regisseurin, Produzentin und Autorin formuliert in Bezug auf das Datum, an dem Terroristen der Hamas in Israel ein Blutbad unter friedlichen Festivalbesuchern anrichteten und Hunderte Geiseln nahmen, die einzige Antwort, die unter diesen Umständen Sinn ergibt: Sprachlosigkeit. Daraus folgt ein sensibler Themenkomplex für die Gegenwart: „Man muss dann auch fragen, wie das jüdische Leben in Köln vorher war und wie es sich jetzt anfühlt“, so Fourer.

Nach mehr als einjähriger Arbeit erfolgt am Samstag, 5. September, die Premiere des neuen Stücks „Kölns jüdische Geschichte“, das in zwei Teilen einer Zeitreise von der Antike bis ins 21. Jahrhundert gleicht. Der Audiowalk (dt.: Hörspaziergang) führt das Publikum mittels Kopfhörern und Virtual-Reality-Brille mit dreidimensionalen Stadtansichten zu Originalschauplätzen im Umfeld von Dom, Rathaus und dem zukünftigen Miqua‑Landesmuseum. Ein Kollektiv aus professionellen Schauspielern und 16- bis 40-jährigen Laiendarstellern spielt auf dem rund 90-minütigen Rundweg Szenen aus den jeweiligen Epochen in historischen Kostümen. Begleitet werden die Touren für jeweils 25 Personen von Musiker Matthias Bernhold.

Drei Menschen in mittelalterlichen Kostümen stehen in einer Kölner Gasse.

Das Ensemble von Junges Theater Köln zeichnet in historischen Kostümen an öffentlichen Plätzen die jüdische Geschichte Kölns nach.

Die jungen Akteure waren im Rahmen der Planungen durch Aufrufe an Schulen und der Universität sowie via Social Media angesprochen worden. Unterstützung erfuhr das Unterfangen zudem durch Historiker der Miqua sowie Zeitzeugen. So fanden während des Produktionsprozesses interne Führungen im architektonischen Quartier statt. „Wir sind ins Innere der Geschichte vorgestoßen. Im 3. Jahrhundert nach Christus haben Menschen verschiedenster Religionen nachbarschaftlich miteinander gelebt. Juden konnten in den Stadtrat berufen werden. Wenn man dann mittelalterliche Chroniken wie etwa von Salomon bar Simeon liest, stehen einem wegen der dort beschriebenen Hetze und der verheerenden Pogrome gegen jüdische Gemeinden im Rheinland während des Ersten Kreuzzugs im Jahr 1096 die Haare zu Berge“, berichtet Fourer. Im Zuge der Aufführungen werden die Überlieferungen demnach nicht linear, sondern parallel geschildert.

Projektkoordinatorin Olga Moldaver spricht von einer Verwurzelung mit den Straßen und Plätzen der Stadt. „Das war sehr emotional und gleichzeitig erdend. Man sieht diese Stadt nie wieder wie vorher. Sie spielt in diesem Stück auf eine abstruse Weise mit.“ Als psychologische Begleiterin empfand auch Stella Shcherbatova einen intensiven persönlichen Bezug zur Metropole: „Warum sind Juden in Köln immer noch fremd, obwohl sie schon seit 1.700 Jahren hier leben? Wir zeigen mit der Performance unsere Sichtbarkeit ohne Angst. Diese Sichtbarkeit verlangt heute jedoch viel Mut. Damit sie wieder zur Normalität wird, braucht es nicht nur den Mut von Juden, sondern auch den der heutigen Zivilgesellschaft und der Politik.“ Svetlana Fourer hofft, mit dem Werk auch in den kommenden Jahren auftreten zu können. „Es ist noch so viel unerzählt. Antisemitismus ist ein Konstrukt, das nur funktioniert, wenn die Leute sich manipulieren lassen und niemand dagegen seine Stimme erhebt.“


„Kölns jüdische Geschichte – ein immersiver Audiowalk“, Junges Theater Köln, Teil 1 Römerzeit bis Mittelalter (Innenstadt): 5. September, 19 Uhr, 6. September, 18 Uhr, 13./14. Oktober 19 Uhr (Bekanntgabe des Treffpunkts nach Erwerb des Tickets), Teil 2 Gründerzeit bis Gegenwart (Belgisches Viertel): Frühjahr 2027, Regie: Svetlana Fourer, Dramaturgie: Svetlana Fourer, Henning Bochert, Joalia Nebifeh, Darstellende: Yaroslava Gorobey, Raffael Guerreiro, Carsten Kugele, Nina Rinke, Oleksandra Sahach, Hannah Scholz, Elias Semenov, Stimmen: Matthias Bernhold, Yaroslava Gorobey, Raffael Guerreiro, Imi Paulus, Hannah Scholz, Carsten Kugele, Nina Rinke, Komposition: Matthias Bernhold, Choreographie: Ilona Pászthy, www.junges-theater-koeln.de