Weisungsbefugnis entzogenMissbrauchte Professorin der Uni Köln ihre Macht?

Lesezeit 4 Minuten
In Denkerpose thront der Gelehrte Albertus Magnus vor dem Hauptgebäude der Universität.

In Denkerpose thront der Gelehrte Albertus Magnus vor dem Hauptgebäude der Universität.

Wegen Vorwürfen des Machtmissbrauchs hat der Rektor der Uni Köln einer renommierten Professorin die Weisungsbefugnis gegenüber ihren Doktoranden entzogen. Die Professorin klagt dagegen.

Nach dem Vorwurf des Machtmissbrauchs gegenüber Doktoranden und wissenschaftlichen Mitarbeitenden hat die Universität zu Köln einer Professorin die Weisungsbefugnis gegenüber ihren Mitarbeitenden entzogen. Das bestätigt eine Sprecherin der Universitätsleitung auf Rundschau-Nachfrage. Zu den konkreten Vorwürfen macht das Rektorat der Universität keine Angaben. Laut einem Bericht des Magazins Spiegel, der sich unter anderem auf ein Schreiben   von Betroffenen beruft, soll die Professorin ihre Machtposition massiv missbraucht haben und ihre Mitarbeitenden drangsaliert haben.

Protokolliert sei laut Spiegel, dass die Professorin ihre Promovierenden beschimpfe, sie etwa als „dumm“, „nutzlos“ oder „behindert“ tituliert habe. Sie soll von ihren Angestellten mitunter verlangt haben, mehr als 80 Wochenarbeitsstunden zu leisten. Es sei von einem „Klima der Angst“ die Rede. „Einmal die Woche heult jemand“, zitiert der Spiegel aus dem Bericht. Bei der Professorin handelt es sich um eine anerkannte Wissenschaftlerin.

Wir bestätigen, dass es im Zusammenhang mit der Personalführung im Institut Beschwerden gab.
Sprecherin Universität zu Köln

„Die Vorwürfe sind uns bekannt. Wir bestätigen, dass es im Zusammenhang mit der Personalführung im Institut Beschwerden gab. Wir haben diese umgehend sorgfältig geprüft und dann mehrstufig Maßnahmen ergriffen, um die Situation zu verbessern“, teilt die Uni mit. Die Doktorandinnen und Doktoranden der Professorin würden inzwischen anderweitig betreut. Weiter teilt die Universität mit: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihnen bis zum Abschluss unserer rechtlichen Bewertung noch keine näheren Informationen erteilen können, da dies zum derzeitigen Zeitpunkt negative Auswirkungen auf den Rechtsstreit haben könnte.“ Man sei nun dabei, das weitere Vorgehen „rechtlich zu sondieren“.

Alles zum Thema Universität zu Köln

Gegen die Maßnahmen hat der Anwalt der betroffenen Professorin beim Verwaltungsgericht Köln sowohl ein Eil- als auch ein Klageverfahren angestrengt. Die Anträge sind laut einer Sprecherin am 29. März bei Gericht eingegangen. Wann darüber entschieden werde, konnte sie noch nicht sagen.

Maßnahmen gefährden laut Anwalt Forschungsgelder

„Unserer Mandantin liegt seit dem 17. März eine dienstliche Anordnung des Rektors der Universität zu Köln vor, die zu einer erheblichen Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Arbeit in dem von ihr geleiteten Institut führt. Folge dieser Anordnung ist, dass der Wissenschaftsbetrieb an ihrem Institut gestört ist, mehrere durch öffentliche Gelder geförderte Forschungsprojekte sind hierdurch gefährdet“, teilt Rechtsanwalt Dr. Frank Wertheimer der Rundschau mit. Zu den Aufgaben von Doktoranden gehört es häufig, Drittmittel zu beantragen.

Die schriftlichen Vorwürfe, die Doktoranden erhoben haben, liegen nach Angaben von Wertheimer weder ihm noch seiner Mandantin vor. „Die teilweise in den Medien kolportierten Vorwürfe sind für unsere Mandantin nicht nachvollziehbar“, stellt der Rechtsanwalt fest. Die beschuldigte Professorin habe seit der Übernahme der Institutsleitung zahlreiche Doktorandinnen und Doktoranden betreut. Diese hätten ihre Promotionsvorhaben mit sehr guten bis hervorragenden Leistungen abgeschlossen und ihre Arbeiten hochrangig publiziert. „Zum Teil wurden diese Arbeiten auch mit Wissenschaftspreisen ausgezeichnet“, so Wertheimer.

Mitarbeiterin verteidigt Anforderung in der Forschung

Inzwischen springt eine wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Stellungnahme der Professorin bei. Im Institut werde Wissenschaft auf „hohem Niveau“ betrieben. Damit sei teilweise auch ein entsprechender Leistungsdruck und ein Anspruch verbunden, Mitarbeitende müssten dementsprechend „liefern“. „Um wissenschaftlich erfolgreich zu sein und Forschungsgelder zu sichern, muss immer schneller und immer mehr geleistet werden“, schreibt die Wissenschaftlerin, „Da kommt jeder an seine geistigen und körperlichen Grenzen.“ Sie sei immer sehr stolz gewesen, Teil des anspruchsvollen Instituts zu sein. „Mir scheint, dass der hohe Anspruch bei einigen zu einer persönlichen Überforderung geführt hat.“

Asta begrüßt Maßnahmen des Rektors

Der AStA der Uni begrüßt indes in einer Pressemitteilung die „entschiedene Reaktion des Rektorats“. Sie sei wichtig, damit Mitarbeitende vor Machtmissbrauch geschützt würden und um Machtmissbrauch im Wissenschaftsbetrieb einzudämmen. „Insbesondere die geschilderte enorme psychische Belastung in Verbindung mit der ungewollten physischen Nähe schockiert mich“, sagt Maximilian Zinsmayer, Öffentlichkeitsreferent des AStA, mit Blick auf die Anschuldigungen. Das Vorgehen könne künftig als „Blaupause“ bei ähnlichen Vorfällen genutzt werden.

Anfang Januar erst hatten Studierende wegen Intransparenz in einem Disziplinarverfahren gegen einen Professor der Universität zu Köln demonstriert. Ihm werfen Studentinnen Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt vor. Sie pflege eine „Kultur des Hinschauens“, teilte damals die Universitätsleitung mit. Stephan Michael Schröder, Prorektor für akademische Kariere und Chancengerechtigkeit, betonte, dass es ein Netzwerk von Beschwerde- und Beratungsstellen gebe.

Nachtmodus
Rundschau abonnieren