Brigitta von Bülow ist eine von vier ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen der Stadt Köln.
Bürgermeisterin von Bülow„Verständnis wecken für das, was im Rathaus passiert“

Brigitta von Bülow (Grüne), ehrenamtliche Bürgermeisterin der Stadt Köln
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Sie ist guter Laune, erzählt gerne über ihre Wiederwahl als ehrenamtliche Bürgermeisterin. Brigitta von Bülow ist seit zwanzig Jahren Mitglied des Stadtrates, hat in der Grünen-Fraktion schon verschiedene Positionen bekleidet, bis hin zur Vorsitzenden. Schon in der vergangenen Wahlperiode war sie die vierte ehrenamtliche Bürgermeisterin, nach der Kommunalwahl ist sie für weitere fünf Jahre in dieses Amt gewählt worden. Drei weitere Frauen bekleiden neben ihr einen solchen Posten, bei dem es darum geht, die Stadt zu repräsentieren. Schließlich kann Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) nicht bei jedem Termin anwesend sein. Im Gegensatz zu ihm üben die vom Rat gewählten Bürgermeisterinnen ihr Amt jedoch ehrenamtlich neben ihrem politischen Engagement im Stadtrat aus.
„Dass ich einmal in einer solchen Position sein werde, hätte ich mit Mitte 20 sicher nicht gedacht“, meint die engagierte Kommunalpolitikerin. Geboren und aufgewachsen in Goslar, hat sie schon als Schülerin erste politische Erfahrungen gesammelt. In der achten Klasse beteiligte sie sich an der Organisation einer Demonstration mit Schulstreik für den Bau eines neuen Schulgebäudes. Zeitweise habe man das örtliche Rathaus symbolisch besetzt, erinnert sie sich.
„Vielschichtige Aufgabe“
Später studierte sie evangelische Theologie, Pädagogik und dann Geschichte auf Lehramt, engagierte sich in dem, was man seinerzeit die außerparlamentarische Opposition nannte. Sie setzte sich in Frauenprojekten oder in der Anti-Atomkraft-Bewegung ein, politische Parteien waren für sie eine andere Welt. Im Jahr 2000 kam die Gymnasiallehrerin dann doch zu den Grünen. „Mir ging es darum, mich noch besser zu vernetzen und so vielleicht auch mehr bewegen zu können“, sagt sie heute: „Diese lebhafte und diskussionsfreudige Partei hatte mir besonders gefallen: „Viele meiner Themen kamen hier vor.“ Sie finde es auch heute noch gut, inhaltliche Konflikte sachlich auszutragen.
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Brigitta von Bülow machte sich vor allem einen Namen als Kulturpolitikerin, aber auch die Wirtschaftspolitik war und ist ihr wichtig. Im Amt als ehrenamtliche Bürgermeisterin dagegen agiert sie überparteilich. Schließlich geht es darum, die Stadt als Ganzes zu repräsentieren. „Das ist eine vielschichtige und wahnsinnig spannende Aufgabe“, erzählt sie mit Begeisterung: „Ich darf in allen Stadtbezirken unterwegs sein, lerne unterschiedlichste Bereiche und Lebenszusammenhänge kennen.“
Vertrauen in Politik schaffen
Gerade bei kleineren Initiativen und Vereinen sei es ihr wichtig, dass sich diese gesehen und wertgeschätzt fühlen. „Das Amt ist ja etwas viel Größeres als meine Person“, beschreibt sie bescheiden. Es gehe darum, Kommunalpolitik nahbar zu machen. Hin und wieder nimmt sie auch Anregungen von Bürgerinnen und Bürgern mit. „Ich kann da immer nur versprechen, dass ich das weitergebe an die Stelle in der Verwaltung und Politik, die das jeweilige Problem wahrscheinlich lösen kann“, weiß die Grünen-Politikerin. Als Bürgermeisterin hat sie schließlich eine repräsentative Funktion und kann nichts direkt oder gar alleine entscheiden.
Zuhören, aufmerksam sein, erklären: Das sind offenbar wichtige Elemente, die das Leben als Bürgermeisterin für Brigitta von Bülow ausmachen. „Ich hoffe, mit meinen Auftritten auch ein bisschen mehr Vertrauen in die Politik schaffen zu können“, wirbt sie: „An vielen Stellen ist es wichtig, Verständnis für das zu wecken, was im Rathaus passiert.“ Für die Stadtgesellschaft sei es elementar, miteinander im Gespräch zu bleiben.
Aber auch die Stadt zu repräsentieren, wie bei der Verleihung des Deutschen Jazzpreises oder des Holger Czukay Preises, die Eröffnung des Jazzfestivals der Offenen Jazzhausschule sind ihr besondere Anliegen.
Gratulantin bei 101-Jähriger
Viele ihrer Begegnungen als Bürgermeisterin seien sehr persönlich und herzerwärmend. So zum Beispiel eine 101-Jährige, die früher ein Bekleidungsgeschäft hatte und auch im hohen Alter immer noch ihre Blusen selbst näht. Von Bülow war als Gratulantin für die Stadt bei ihr, und hat von der betagten Seniorin freundliche Worte mit auf den Weg bekommen: „Wenn Sie selbst mal etwas an Ihrer Kleidung zum Ausbessern haben, können Sie sich gerne an mich wenden.“ Besonders viel Spaß machen ihr auch die Besuche von Schulklassen im Rathaus, die in Zusammenarbeit mit dem Jugendbüro stattfinden.
Zu ihren Terminen lässt sich Brigitta von Bülow als Bürgermeisterin selten mit dem Dienstwagen vorfahren, sie kommt meist mit dem Fahrrad. Ein älteres Modell, ohne elektrischen Hilfsmotor, das hält sie auch fit. In ihrer Freizeit spielt die begeisterte Hobbymusikerin gerne Cello oder Saxophon. „Dafür bleibt aber meist zu wenig Zeit“, räumt sie ein: „Dafür singe ich Sopran in einem gemischten Quartett. Diese Treffen bekomme ich noch einigermaßen regelmäßig hin.“ Zuletzt habe man voller Inbrunst „What a Wonderful World this could be“ intoniert.
Kommunalpolitik erlebbar machen
Dass die politische Welt – auch im Kölner Rathaus – angesichts von Finanznot und Rechtsruck zuweilen gar nicht so wundervoll ist, ist der inzwischen im beruflichen Ruhestand befindlichen Pädagogin durchaus bewusst. Bei ihren Terminen wird sie häufig damit konfrontiert, dass Busse und Bahnen zu selten fahren und es unheimlich schwierig ist, beispielsweise einen Schulplatz oder eine Wohnung zu finden. Selbst aus ihrer eigenen Familie mit inzwischen vier Enkeln kennt sie das.
Trotzdem bleibt sie optimistisch. Sie will Kommunalpolitik nicht nur erlebbar machen, sondern auch auf übergeordneter Ebene besser vernetzen. Deshalb ist ihr die internationale Einbindung der Stadt wichtig. So setzt sie sich für die Vernetzung der Städte und Gemeinden in Deutschland und Europa ein: „Die Kommunen sind die Orte, wo das Leben stattfindet, und wo Entscheidungen umgesetzt werden. Hier wird aktiv daran gearbeitet, den sozialen Frieden in unserer Gesellschaft zu erhalten.“
Trotz aller Überparteilichkeit als Bürgermeisterin wird die Ehrenfelderin aber auch Sprecherin des Bündnisses „Köln stellt sich quer“ bleiben. Sie hat die Initiative, die sich gegen Rechtsradikale wendet, mitgegründet. „Ich habe unterschiedliche Rollen in dieser Stadt“, beschreibt sie ihre Situation: „Die als ehrenamtliche Bürgermeisterin erfüllt mich dabei besonders.“
