Abo

Wenn der Arzt Corona hatBei Hausärzten häufen sich Krankmeldungen – auch in Köln

4 min
Neuer Inhalt

Wenn Hausärzte wegen einer Coronainfektion ausfallen, muss das von anderen Praxen abgefangen werden. (Symbolbild)

Köln – „Die Hausarztpraxen sind zunehmend am Limit“, warnt ein Sprecher des Deutschen Hausärzteverbands (DHV). Das trifft auch auf Kölner Praxen zu. Seit Beginn der Pandemie sind die Ärzte extrem gefordert. Die hohen Infektionszahlen durch Omikron und die Erkältungssaison machen vielen zu schaffen.

Pandemie erschwert Arbeit von Hausärzten

Beim Besuch in der Hausarztpraxis Nippes auf der Neusser Straße fallen schon vor dem Praxiseingang im Laubengang die vielen Menschen auf, die draußen warten. Sie alle haben Infektionssymptome. „Wir haben sehr viel zu tun“, sagt Günter Mattern, einer der vier Mediziner, die hier praktizieren.

Die Pandemie erschwert die tägliche Arbeit enorm. Bei Verdacht auf Covid – und der besteht bei fast allen Erkältungssymptomen – gibt es ein aufwändiges Prozedere: Rachenabstrich, PCR-Test. „Es ist ein riesiger Dokumentationsaufwand, quasi mit doppelter Buchführung“, sagt Mattern. Denn während die Untersuchung über die Kasse abgerechnet wird, ist Kostenträger für den Test das Land.

Vergleichbar sei der Andrang derzeit mit den Zeiten nach Karneval, wenn die Grippewelle ganz heftig zuschlägt, sagt Mattern, der seit 1993 niedergelassener Arzt ist. Nur: Diese Welle hält nun schon sehr viel länger an. Und: Omikron ist ja „ruckizucki übertragen“. Das spürt auch das Nippes-Team. „Im Grunde fällt jetzt ständig jemand aus wegen eines positiven Tests.“ Festgestellt wird das schnell, denn alle testen sich täglich. Auch Mattern hatte es getroffen. „Meine Covid-Infektion habe ich mir wahrscheinlich in der Praxis geholt“, vermutet er.

Hausärzte fallen wegen Corona-Infektion aus: Ausfälle können noch kompensiert werden

Die Kollegen mussten übernehmen. Kein Einzelfall. Noch kann das aufgefangen werden. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) teilt auf Anfrage mit: „Dass einzelne Praxen aufgrund von Quarantäne kurzzeitig einmal ausfallen, ist in den vergangen fast zwei Jahren Pandemie nordrheinweit immer mal wieder vorgekommen. Es konnte und wird aber dann durch andere Praxen im Umfeld kollegial aufgefangen.“ Derzeit gibt es in Köln nach Auskunft der KVNO „aktuell keine praxisseitig gemeldeten Schließungen aufgrund von Covid 19“.

Hausarzt Mattern glaubt zu wissen, wie er sich infizierte. „Da war diese Patientin, die ohne Maske im Sprechzimmer saß und sagte, sie braucht eine Krankmeldung wegen eines positiven Corona-Tests.“ Den Mitarbeiterinnen hatte sie das am Telefon und auch bei der Anmeldung so nicht gesagt

„Wenn jemand Corona-positiv ist, dann ruft er am besten an und lässt dann die Krankschreibung von jemand anderem holen“, sagt der Arzt. Derzeit sind Krankschreibungen bei Erkältungskrankheiten generell per Telefon möglich. Obwohl er eigentlich die Patienten gerne sieht, findet Mattern das angesichts des Infektionsrisikos vernünftig. „Wir müssen ja auch zusehen, wie wir unsere Arbeit tun können, ohne uns einem erhöhten Infektionsrisiko auszusetzen.“

Patienten bleiben aus Angst vor Ansteckung Arztpraxen fern

Die Mehrbelastung der Praxen drückt sich nicht unbedingt in sehr viel mehr Patienten aus. „Das ist schwer zu zählen. Es bleiben auch viele weg. Viele Patienten haben Angst zu kommen, weil sie sich nicht anstecken wollen.“ Das sieht Mattern mit Sorge. Gerade die Patienten mit chronischen Erkrankungen kontrolliert er gerne regelmäßig. Auch den Arztbesuch wegen Magenproblemen oder hohem Blutdruck schieben Patienten jetzt häufig längere Zeit vor sich her. „Das ist schlecht. Ein krisenhaft hoher Blutdruck kann gefährlich sein.“

Nach wie vor gibt es auch eine ganze Reihe von Patienten, die sich beim Arzt impfen lassen. „Das ist eine Vertrauensfrage. Viele wollen eine persönliche Aufklärung, und es ist ihnen wichtig, dass ich ihre Krankengeschichte kenne“, sagt Mattern. Das Impfen ist ebenfalls aufwendig. Termine vergeben, Formulare genau kontrollieren. Und dann kommt zuweilen nicht der Impfstoff, der bestellt war. „Da hatte man für 160 Leute Impftermine ausgemacht, dann kam nur Impfstoff für 65. 95 Leuten musste abgesagt werden.“

Aber es gibt auch Schönes. Er erinnert sich an die große Dankbarkeit zu Beginn des vergangenen Jahres. „Die Leute waren so froh über die Impfung. So was habe ich noch nie erlebt. Vor meiner Wohnung lagen die Blumensträuße, die Leute brachten Kuchen und Pralinen in die Praxis.“ Die Zeiten sind vorbei.