Bei der Aufstellung der Landtagskandidaten sorgt eine vom Parteivorstand empfohlene Kandidatenliste für Unmut.
„Wir sind doch nicht bei der SED“Hitzige Debatte in der Kölner SPD – Burmester und Ott beschwören Zuversicht

Torsten Burmester, Kölns OB, und Jochen Ott, Spitzenkandidat der NRW-SPD für die Landtagswahlen in einem Jahr, feiern sich gegenseitig.
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Zwei um die Wette strahlende Männer auf der Bühne, Handschlag, Schulterklopfer, stehender Applaus im Saal – so stimmungsvoll begann der Samstag für die Kölner SPD. Im Bürgerzentrum Chorweiler waren rund 250 Delegierte zusammengekommen, um ihre sieben Kandidatinnen und Kandidaten für die Landtagswahlen in einem Jahr aufzustellen. Dabei sicherte Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester seinem Parteikollegen Jochen Ott, der als Spitzenkandidat der NRW-SPD Ministerpräsident Hendrik Wüst herausfordert, Unterstützung zu und sorgte mit dem markigen Slogan „Ott gut, NRW gut“ für Jubel.
Harsche Kritik, vor allem von den Jusos, musste dann allerdings der Parteivorstand der Kölner SPD einstecken. Er hatte im Vorfeld eine Liste mit drei Kandidatinnen und vier Kandidaten für die sieben Kölner Landtagswahlkreise erstellt und die Wahl dieser Genossinnen und Genossen empfohlen. Ursprünglich hatte es noch vier weitere Kandidaturen gegeben, die zwei Frauen und zwei Männer traten am Samstag jedoch freiwillig aus unterschiedlichen Gründen nicht an.

Juso-Chef Leon Boness wollte SPD-Landtagskandidat für Köln I werden, stellte sich aber nicht zu Wahl, um die Frauenquote nicht zu torpedieren.
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Im Wahlkreis Köln VII (Mülheim) überließen Tobias Jacquemain und Manon Elisabeth Klein der Kollegin Berit Kranz das Feld, nachdem sich der Ortsverein klar für Kranz ausgesprochen hatte. Ähnlich, aber nicht ganz so geräuschlos, lief es im Wahlkreis Köln II (Lindenthal), wo der Ortsverein sich hinter den Co-Parteichef Andre Schirmer und damit gegen die ehemalige Landtagsabgeordnete und langjährige Lindenthal-Kandidatin Lisa Steinmann stellte. Die 60-Jährige war in den vergangenen 25 Jahren für die SPD im Landtag, im Landesvorstand und im Kölner Stadtrat aktiv.
Von sieben Landtagskandidaten der Kölner SPD sollen mindestens drei eine Frau sein
Als sie ihre Kandidatur schließlich zurückzog, hatte das zur Folge, dass unbedingt noch eine Frau als Kandidatin her musste, um die selbst auferlegte Quote von mindestens drei Frauen unter den sieben Landtagskandidaten zu erfüllen. Übrig war nur noch Heidi Irlenbusch im Wahlkreis Köln I (Rodenkirchen und Innenstadt). Hier hatte allerdings auch der umtriebige Vorsitzende der Kölner Jusos, Leon Boness, sein Interesse an einer Kandidatur bekundet – und bekam vom Ortsverein Rodenkirchen die volle Unterstützung. Hinter Irlenbusch steht der Ortsverein Innenstadt, der im Wahlkreis Köln I aber verglichen mit Rodenkirchen den deutlich kleineren Anteil ausmacht.

Lisa Steinmann war 25 Jahre für die SPD in Köln und NRW aktiv. Diesmal stellte sich der Ortsverein Lindenthal aber hinter den Co-Parteichef Andre Schirmer.
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Das alles führte zu einer komplizierten Gemengelage: In Köln II stellte sich der Parteivorstand hinter Schirmer – mit der Begründung, dass der Ortsverein es so wollte. In Köln I ignorierte man das Votum des Ortsvereins Rodenkirchen und sprach sich für Irlenbusch aus. So schaffte man die Frauenquote und konnte die Entscheidung damit begründen, dass Irlenbusch den Rückhalt des Ortsvereins Innenstadt habe.
Boness zog seine Kandidatur daraufhin zurück und erklärte, dass er die Frauenquote nicht habe torpedieren wollen, da diese den Jusos besonders wichtig sei. Steinmann wollte sich am Samstag nicht näher zu ihrem Rückzug und dem Verfahren äußern. Sie kritisierte lediglich einen Mangel an Kommunikation: „Es ist an vielen Stellen nicht gesprochen worden.“
Ein Name pro Landtagswahlkreis und damit eine Wahl ohne Wahl
Das Resultat: eine Liste mit je einem Namen pro Landtagswahlkreis. Also nicht wirklich eine Wahl für die rund 250 Wahlkreisdelegierten, die nur noch den vorgegebenen Kandidaten zustimmen konnten. Co-Parteichefin Claudia Walther betonte, dass der Vorstand lediglich eine Empfehlung ausgesprochen habe: „Wir haben keine Verbote ausgestellt.“ Schirmer sagte: „Es wäre Lisas gutes Recht gewesen, hier heute zu kandidieren.“
Boness sagte in Richtung Parteispitze: „Wir Jusos wollen keine lieben Worte, sondern unseren Platz am Tisch.“ Ein Fünftel der Kölner SPD-Mitglieder seien Jusos: „Damit ist ein Wunsch nach Repräsentation verbunden.“ Andere warfen dem Vorstand vor, dass „die Macht immer unter denselben Leuten verteilt“ werde, kritisierten, dass man bei Migration, Hautfarbe, Behinderung, Alter oder sexueller Orientierung ja auch keine Quoten einhalte, oder protestierten mit Schildern, auf denen stand: „Ich wollte Leon und Lisa – aber der UB-Vorstand sagt nein.“
Wolfgang Uellenberg van Dawen, Gewerkschafter im Ruhestand, stellte sich an die Seite der Jusos und wetterte: „Es ist unmöglich, dass hier durch Vorabsprachen Kandidaten verhindert wurden. Wir sind doch nicht bei der SED.“
Höchster Zuspruch für die Landtagsabgeordnete Lena Teschlade
Den höchsten Zuspruch der Wahlkreisdelegierten erhielt schließlich die Landtagsabgeordnete Lena Teschlade (229 Ja-Stimmen, 13 Nein, 3 Enthaltungen), die in Köln IV (Chorweiler und Nippes) erneut antritt. Auch sie hatte für ihre emotionale Rede stehenden Applaus erhalten. „Die Idee der SPD ist und bleibt richtig“, sagte sie, „auch wenn wir gerade nicht populär sind“. Aber: „Der Wind wird sich drehen und dann stehen wir in der Poleposition.“

Die Landtagsabgeordnete Lena Teschlade erhielt bei der Aufstellung der Kölner SPD-Kandidaten für die Wahlen in einem Jahr den höchsten Zuspruch.
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Jochen Ott, dem eine kürzlich erfolgte Operation an der Nasenscheidewand anzuhören war, bekam als Kandidat im Wahlkreis Köln III (Ehrenfeld, Lindenthal, Nippes) 216 Ja-Stimmen (25 Nein, 8 Enthaltungen). Er hatte in den Saal gerufen: „Ich trete nicht an, um den zweiten Platz zu machen. Ich will Ministerpräsident werden.“
Deutliche Zustimmung gab es auch für Berit Kranz im Wahlkreis Köln VII (214/14/8), der als sichere Bank für die SPD gilt. Hier tritt die bisherige Landtagsabgeordnete Carolin Kirsch nicht mehr an. Gewählt wurden außerdem Leonard Kordowski in Köln VI (Innenstadt und Kalk, 192/26/20), der Fraktionsvorsitzende Christian Joisten in Köln V (Porz und Kalk, 181/48/14), Heidi Irlenbusch in Köln I (Rodenkirchen und Innenstadt, 175/42/25) und mit der geringsten Zustimmung Co-Parteichef Andre Schirmer in Köln II (Lindenthal, 142/93/23). Er hatte in seiner Rede gesagt: „Wir stehen auf keinem guten Startplatz, aber es liegt an uns selbst, was wir daraus machen.“
