Der aktuelle „NRW-Check“ weist dramatische Umfrage-Ergebnisse aus. Die politische Landschaft in NRW ist erheblich in Bewegung.
NRW-CheckHendrik Wüst verliert an Rückhalt – Grüne verbessern Ergebnis

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). (Archivbild)
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Ein Jahr vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hat die Regierungskoalition von CDU und Grünen erheblich an Zustimmung verloren. Das liegt an einem Einbruch der Union unter ihrem Landesvorsitzenden, Ministerpräsident Hendrik Wüst. Im aktuellen „NRW-Check“, einer repräsentativen Umfrage des Instituts Forsa im Auftrag des „Kölner Stadt-Anzeiger“ und 37 weiterer Tageszeitungen aus Nordrhein-Westfalen, fällt die CDU in der „Sonntagsfrage“ auf 32 Prozent, ein Verlust von 6 Punkten gegenüber der vorangegangenen Befragung im Juli 2025.
Die Grünen hingegen können ihr Umfrage-Ergebnis vom Vorjahr um 4 Punkte deutlich verbessern und landen jetzt bei 17 Prozent. In gleichem Umfang gewinnt die AfD, die mit 20 Prozent (2025: 16 Prozent) auf Platz zwei im Parteienranking vorrückt. Die SPD verliert weiter und rutscht von 17 auf 14 Prozent ab, die Linke verliert leicht von 7 auf 6 Prozent. Die FDP verharrt klar unter der Fünfprozentmarke bei 3 Prozent.
Forsa-Gründer: Unzufriedenheit mit Merz schlägt auf das Land durch
In den vergangenen Monaten hatte die Koalition in Düsseldorf mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen. Neben einem Dauerstreit um die Kita-Finanzierung und wachsende Neuverschuldung sahen sich einzelne Minister aus dem Kabinett Wüst mit Vorwürfen konfrontiert – zuletzt Heimat- und Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU). Ihr wird Machtmissbrauch in der Führung ihres Ministeriums vorgeworfen. Der Forsa-Gründer und langjährige Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts, Manfred Güllner, führte die „deutlich veränderte Wählerlandschaft an Rhein und Ruhr“ aber vor allem darauf zurück, dass die „bundesweit zu registrierende große Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Bundesregierung und der bisherigen Arbeit des zehnten Kanzlers der Republik auch im Heimatland von Friedrich Merz deutlich zu spüren“ sei.

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Fände die Landtagswahl schon jetzt statt, könnten CDU und Grüne den aktuellen Ergebnissen des „NRW-Checks“ zufolge ihre Regierungsmehrheit behaupten. Eine Fortsetzung des Bündnisses der Union als stärkster Kraft mit den Grünen ist für eine relative Mehrheit der Wählerinnen und Wähler (39 Prozent) die präferierte Option. Dass Wüst Regierungschef in Düsseldorf bleibt, fänden 41 Prozent der Befragten gut. 33 Prozent sagen, ein anderer Ministerpräsident wäre besser.
Unzufriedene sind beim „NRW-Check“ in der Mehrzahl
Dabei ist der Zufriedenheitswert der Landesregierung in den vergangenen neun Monaten dramatisch gesunken. Er ging von 49 Prozent im Juli 2025 auf jetzt 42 Prozent zurück. Zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren ist damit der Anteil der Unzufriedenen (51 Prozent) der Menschen in Nordrhein-Westfalen wieder höher als der Anteil der Zufriedenen. Starke persönliche Einbußen mussten auch die Spitzenpolitiker der Koalition, Ministerpräsident Wüst und seine Stellvertreterin Mona Neubaur (Grüne) hinnehmen.

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Die SPD als größte Oppositionspartei mit ihrem Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Jochen Ott, der für seine Partei auch als Spitzenkandidat in die Landtagswahl 2027 ziehen soll, kann von diesem Negativtrend auf der Regierungsseite nicht profitieren.
CDU liegt in Sonntagsfrage für den Bund bei 26 Prozent
Bezogen auf die Bundesebene, stellt sich im „NRW-Check“ die Lage für die CDU ähnlich dramatisch dar wie landespolitisch. Ein Jahr nach Amtsantritt der schwarz-roten Koalition kann die Partei, die mit ihrem Bundesvorsitzenden Friedrich Merz den Kanzler stellt, zwar ihren NRW-Landesbonus behaupten.

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In der „Sonntagsfrage“ für eine Bundestagswahl landet sie aber mit 26 Prozent deutlich unter der 30-Prozent-Marke (minus 4 Punkte gegenüber Juli 2025). Das war, wie Forsa-Gründer Manfred Güllner unterstreicht, „bislang nur bei einer einzigen Bundestagswahl seit Gründung der Bundesrepublik der Fall, nämlich 2021 bei der Wahlschlappe der Union mit ihrem Kanzlerkandidaten Armin Laschet“.
AfD zweitstärkste Kraft, SPD rutscht auf Platz vier
Aktuell liegt die CDU nur noch vier Punkte vor der AfD (22 Prozent), die als jetzt zweitstärkste politische Kraft im gleichen Umfang Stimmen hinzugewinnt. Nutznießer sind zudem die Grünen. Als Oppositionspartei in Berlin legen sie um 5 Punkte zu und erreichen jetzt 18 Prozent. Die Regierungspartei SPD verliert im gleichen Umfang und ist mit jetzt 13 Prozent in einem ihrer Stammländer nur noch viertstärkste Kraft. Die Linke behauptet ihr Umfrage-Ergebnis von 9 Prozent, die FDP verfehlt mit 4 Prozent – wie schon 2025 – die Fünf-Prozent-Marke für den Wiedereinzug in den Bundestag.
Die Werte für die Zufriedenheit mit der Koalition sind geradezu abgestürzt. Waren sie schon im Juli 2025, kurz nach Amtsantritt der Regierung Merz, mit 37 Prozent schwach, brachen sie um 21 Punkte auf nunmehr 16 Prozent ein. 80 Prozent der Menschen in Nordrhein-Westfalen sind unzufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung in Berlin.
Der Bundeskanzler kommt kaum besser weg. Auch hier halbierte sich binnen eines Jahres der Anteil der Zufriedenen auf jetzt 19 Prozent, während der Anteil der Unzufriedenen von 53 Prozent auf 58 Prozent stieg.
Das ist der „NRW-Check“
Für den aktuellen „NRW-Check“ befragte Forsa im Rahmen des repräsentativen Panels forsa.omninet in der Zeit vom 7. bis 14. April 2026 insgesamt 1531 Bürgerinnen und Bürger Nordrhein-Westfalens ab 16 Jahren, die zur Landtagswahl wahlberechtigt sind. Die Ergebnisse sind mit einer Fehlertoleranz von plus/minus 2,5 Prozentpunkten auf die Gesamtheit der wahlberechtigten Bevölkerung ab 16 Jahren in Nordrhein-Westfalen übertragbar.
Der „NRW-Check“ wird seit 2021 durchgeführt. Die vorliegende Erhebung ist die zehnte dieser Art. Die 38 beteiligten Titel haben eine Auflage von täglich rund 1,6 Millionen Exemplaren und einer Gesamtreichweite in gedruckten wie digitalen Angeboten von rund 14,4 Millionen Leserinnen und Lesern. (jf)
