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Kultstück kehrt zurückCirque du Soleil zeigt „Alegria“ in neuer Pracht

4 min
Cirque du Soleil's ALEGRIA dress rehearsal at the RAH 10-1-24

Die Trapezkünstler des Cirque du Soleil in der Show „Alegria - Im neuen Glanz“.

Der Cirque du Soleil präsentiert "Alegria – In neuem Glanz" mit spektakulärer Akrobatik 2026 in Düsseldorf. Eine märchenhafte Geschichte voller Emotionen.

Der prachtvolle Thron mit der Lehne aus sich windenden Schlangen unterm Drachenbanner ist verwaist. Einst herrschte hier ein König, nun bestimmen die Aristokraten die Geschicke des Landes. Ihre aus der Form geratenen Hüte und die exzentrischen Turmfrisuren, ihre spitzenbesetzten Brokatgewänder und zerfledderten Rüschenröcke strahlen eine verblichene Eleganz aus. Verliebt in sich und ihre Privilegien, kommt ihnen Mr. Fleur (Bohdan Zavalishyn), der ambitionierte, einstige Hofnarr, der nach Thron, Krone und Zepter giert, gerade recht. Und der Zauselhaarige im roten Rock wird der neue Regent.

So beginnt die fantastische Geschichte, die der Cirque du Soleil in „Alegria – In neuem Glanz“ erzählt. Derzeit gastiert die Neubearbeitung des Zeltklassikers „Alegria“ von 1994 in Chatou, zehn Kilometer westlich von Paris. Gelegen auf einer Insel in der Seine, die man auch die „Île des Impressionnistes“, die Insel der Impressionisten, nennt. Weil sie Ende des 19. Jahrhunderts für Maler wie Claude Monet, Édouard Manet oder Auguste Renoir ein beliebtes Ziel für die Suche nach Motiven war.

Ein großes Zelt für die Landeshauptstadt

Die Produktion, die seit ihrer Weltpremiere April 2019 in Kanada schon in den USA, in Südkorea, Japan, Großbritannien, Spanien und Italien Furore macht, kommt 2026 erstmals nach Deutschland. Nach dem Auftakt in München ist Düsseldorf erster und einziger Spielort in NRW. Vom 26. März bis 26. April entfaltet dort die Show in Gerresheim, im Glasmacherviertel, ihren neuen Glanz unterm „Grand chapiteau“, dem großen Zelt mit fast 2500 Plätzen.

Sobald man im Zelt ist, verblasst die Außenwelt. Nebelschleier ziehen über den, einstweilen noch verwaisten, Thron unterm goldenen Strahlenkranz, verbreiten eine Aura des Geheimnisvollen, des Entrückten und Magischen. Die gelungene Lichtregie und die gefühlsstarke Musik, live gespielt von fünf Musikerinnen und Musikern, gesungen von einer Mezzosopranistin und einer Sopranistin, tragen dazu bei, dieses Gefühl des Anderswelthaften noch zu verstärken.

Beim Cirque du Soleil wird auch mit brennenden Fackeln jongliert.

Beim Cirque du Soleil wird auch mit brennenden Fackeln jongliert.

Wo dieses Narrenkönigreich liegt? Das lässt sich nicht exakt bestimmen. Es ist ein Ort, an dem es Engel und Untergrundkämpfer gibt, Libellenfrauen mit durchscheinenden rotblauen Glitzerflügeln und, last but not least, zwei ganz hinreißende Clowns. Die sich duellieren, zum Putzdienst antreten oder einen spektakulären Schneesturm entfachen, der windfauchend und umwirbelt von Zehntausenden weißer Konfettiflöckchen, das entzückte Publikum beinahe hinwegfegt. Den Gesichtern der Aristokraten mit ihren metallischen Elementen haftet etwas Futuristisches an. Ihre Kleidung hingegen erinnert an Höflinge aus der Zeit von Ludwig XIV.

Die Geschichte von „Alegria“ kann man als Parabel für das Streben nach Macht sehen, das der Erkenntnis weicht, dass es wertvollere Dinge gibt im Leben. Wie „Alegria“, die Freude. Als Plädoyer für den Sieg eines neuen Zeitgeists über alte Strukturen. Oder als Märchen. „Es gibt keine festgelegte Erklärung, jeder kann das, was passiert, für sich interpretieren“, sagt Francis Jalbert, seit 2012 für die Öffentlichkeitsarbeit des Cirque du Soleil-Tourmanagements zuständig.

Teil der, mit Pause, 125-minütigem Show sind zwölf spektakuläre Boden- und Luftakrobatikchoreografien, bei denen man sich entweder fragt, wie bei der   Kontorsionistin Oyun-Erdene Senge, wie das körperlich überhaupt möglich ist. Oder sich die schweißnassen Hände vor die Augen hält. Weil man furchtbare Angst hat, dass einer der Trapez-„Engel“ vom Himmel fällt oder bei den „Acro Poles“ der oberste der vier Mann hohen Stangenspringerpyramide die Balance verliert. Sie sind angeseilt. Aber den Atem hält man trotzdem an.

Ein Mitglied der Truppe The Bronx jongliert mit Hula-Hoop-Reifen.

Ein Mitglied der Truppe The Bronx jongliert mit Hula-Hoop-Reifen.

„In der Basis ist die Show die gleiche geblieben. Es ist nicht komplett anders, aber viel präziser und detaillierter“, sagt Rachel Lancaster, seit Frühjahr 2023 Künstlerische Leiterin, über die Neuinszenierung. Auch technisch ist viel mehr möglich als 1994. Die Regie hat gewechselt, Rollen wurden neu besetzt, die Musik wartet mir vertrauten Melodien auf, ist aber neu arrangiert worden. Früher gab es eine Lead- und eine Backgroundsängerin, heute stehen beide gleichberechtigt nebeneinander.

Lancasters Gewissheit „Zu 100 Prozent ist es eine Show, die von Erfahrung lebt - und von Emotionen“ - teilen auch Bohdan Zavalishyn, der seit 2021 den Hofnarren Mr. Fleur verkörpert und Nicolai Kuntz, seit 2019 als Synchron-Trapezkünstler dabei. „Als Duo arbeiten wir ständig daran, das, was wir tun, noch schöner und besser zu machen, und jeden Tag ist die Show anders“, sagt Kuntz, „nicht nur das Spektakuläre ist wichtig, sondern auch die Gefühle, die dabei entstehen.“

Zavalishyn drückt das poetischer aus: „Es geht immer weiter, so, wie man ein Haus baut. Ich möchte die Menschen unterhalten, und dafür bietet meine Rolle viel Raum. Wenn du von dieser Leidenschaft durchdrungen bist, dann sehen das die Leute um dich herum.“

Die Show „Alegria – In neuem Glanz“ gastiert vom 26. März bis 26. April 2026 in Düsseldorf-Gerresheim/Glasmacherviertel. Gespielt wird Mi, Do und Fr 19.30 Uhr, Sa 16 und 19.30 Uhr, So 13.30 und 17 Uhr. Die Karten kosten ab 55 Euro, es gibt verschiedene Rabatt-Aktionen. Man kann auch zusätzlich zur Vorstellung ein Treffen mit Artisten oder eine Backstage-Tour buchen.