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Nach über zehn Jahren StillstandDarum gibt es jetzt Hoffnung auf einen Anbau für das Wallraf-Richartz-Museum

Lesezeit 3 Minuten
Auf einem Gelände ist Sand verteilt und mehrere Baufahrzeuge stehen rum.

Die Baugrube am Wallraf-Richartz-Museum

Stillstand und Streit haben das Projekt über viele Jahre blockiert. Doch nun soll etwas vorangehen am Wallraf-Richartz-Museum.

Es könnte der Anfang vom Ende einer langen „Leidensgeschichte“ werden: Wie die Stadt und der Stifterrat der Foundation Corboud gemeinsam bekannt geben, soll es im Früjahr zum Spatenstich für den Anbau am Wallraf-Richartz-Museum kommen. Für Herbst 2024 wird eine Grundsteinlegung anvisiert. Nach über zehn Jahren Stillstand bei diesem Projekt, könnte damit der Anbau nun tatsächlich in die Realisierungsphase kommen.

Wofür braucht es den Anbau?

Der Schweizer Gérard J. Corboud war ein ein leidenschaftlicher Kunstsammler. Seine Vorliebe galt den Malern des Impressionissmus. Mit seiner Frau Marisol, einer gebürtigen Kölnerin, lebte er lange in der Domstadt. Schließlich übergab er über 170 Werke aus seiner Sammlung als „ewige Leihgabe“ an das Wallraf-Richartz-Museum — unter der Prämisse, dass die Werke dort angemessen präsentiert werden. Unter den beengten Verhältnissen des Stammhauses ist das nur vereinzelt möglich. Der Anbau soll dafür Raum schaffen.

Woran ist der Anbau bisher gescheitert?

Kurz gesagt: An der Bürokratie. Nach einem Architektenwettbewerb im Jahr 2013 ging es nicht voran. Zwischenzeitlich wurde die für den Anbau vorgesehene Fläche von den Kölner Verkehrs-Betrieben genutzt. Einen herben Rückschlag erfuhr das Projekt Mitte 2022. Die Stadt gab bekannt, dass durch die Ergebnisse einer Bodensondierung eine Umplanung notwendig werde. Wie sich herausstellte, wurden im Untergrund Hohlräume gefunden, just an den Stellen, wo Fundamente vorgesehen waren.

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Drohte das Projekt zu scheitern?

 Immer wieder stand im Raum, dass der Stifterrat der „Fondation Corbound“ als Verwalter der „ewigen Leihgabe“, die Kunstwerke wieder zurückzieht — zuletzt, als Reaktion darauf, dass die Stadt erst 2022 den Untergrund der Baufläche sondiert hatte. Das hätte laut dem Vorsitzenden des Stifterrates der Fondation Corbound, Peter Jungen, schon im Rahmen des Architektenwettbewerbs geschehen müssen. Jungen forderte damals die Stadt ultimativ dazu auf, endlich einem Ratschlag des Stifterrates aus dem Jahr 2021 zu folgen, nämlich einen externen Projektmanager zu beauftragen.

Warum nimmt das Projekt jetzt Fahrt auf?

Für Jungen liegt das klar am Projektmanager. Im vergangnen April verkündete die Stadt, mit Professor Marc Volm den richtigen Mann für diese Aufgabe gefunden zu haben. In einer Mitteilung der Stadt heißt es, Volm habe nun die Arbeit aufgenommen. Für Jung steht fest: „Der Beauftragung eines Projektmanagers ist für weitere Kulturbauprojekte in Köln richtungsweisend. Wir hätten viel Zeit einsparen können bei der Realisierung des Museumsanbaus, hätte die Stadtverwaltung diesen Schritt wie gefordert schon vor zwei Jahren unternommnen.“

Wie geht es nun weiter mit dem Anbau?

Im Laufe des Septembers soll die Ausschreibung für die Tiefbauarbeiten veröffentlicht werden. Für den November ist die Vergabe der Arbeiten vorgesehen. Projektmanager Volm ist nicht nur für den Anbau zuständig, sondern auch für die Sanierung des bestehenden Wallraf-Richartz-Museums. Für den Stifterratvorsitzenden Jungen ist wichtig: „Die Sanierung muss abgeschlossen sein, bevor der Hochbau des benachbarten Gebäudes beendet ist.“ Denn zwischen Haupthaus und Nebengebäude müssten Anschlüsse wie beispielsweise für Strom oder Wasser erfolgen.

Kölns Baudezernent Markus Greitemann: „Einzelne Mitarbeitende der Gebäudewirtschaft unterstützen den Projektmanager weiterhin fachlich, insbesondere auch mit Blick auf den späteren Gebäudebetrieb. Unser Ziel ist es, mit einer strukturierten Instandhaltungsstrategie und Betriebskonzeption eine lange Lebens- und Nutzungsdauer zu garantieren.“

Wann wird der Anbau fertig?

 Zu dieser Frage äußert sich die Stadt in ihrer Mitteilung nicht, sie terminiert lediglich die Grundsteinlegung für „Herbst 2024“. Peter Jungen sagte bereits nach Bekanntgabe der Bodensanierungen, dass er sich eine Eröffnung nicht mehr vor 2028 vorstellen kann – und bekräftigt das erneut auf Nachfrage der Rundschau.

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