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Bis zum JahresendeDer Kölner Weihnachtscircus überzeugt durch Akrobatik und viel Witz

Lesezeit 4 Minuten
Begnadete Körper: Die Tanzformation aus der Mongolei in fliegender Formation.

Begnadete Körper: Die Tanzformation aus der Mongolei in fliegender Formation.

Der Kölner Weihnachtscircus gastiert bis zum Jahresende an der Messe in Deutz. Mehr als 140 Artisten, Tänzer und Helfer aus 23 Ländern sind für das Spektakel nach Köln gekommen. Die Zuschauer waren begeistert

Zwei Männer stehen in der Manege: weiße Hose, Oberkörper frei. Das Publikum hält kollektiv den Atem an. Denn der schmalere des Duos Kvas klettert über den Rücken seines Partners und macht einen Kopfstand auf dessen Kopf. Die Arme nach beiden Seiten ausgestreckt, die Füße in der Luft. Kaum einer wagt zu atmen, denn dann setzt sich der „Untere“ der beiden auf den Boden und steht wieder auf, ohne dass der „Obere“ die Balance verliert: felsenfest im Kopfstand.

Jahrelang haben die beiden Sportakrobaten an dieser Nummer gefeilt. Heute ist „Kopf auf Kopf“ preisgekrönt und zeigt Körperspannung in Perfektion. Das Publikum feiert diese und jede weitere Leistung des Duos. Jubel füllt das Zirkuszelt unter der Zoobrücke. Der Weihnachtscircus ist zurück in Köln – zum 8. Mal. Schlag auf Schlag geht es weiter.

Weiße Tauben im Zirkuszelt

Premierengast Tom Gerhardt fasst mal kurz zusammen: „Man denkt ja, Weihnachtscircus ist vielleicht etwas Betuliches. Es findet zur Weihnachtszeit statt, es ist auch entsprechend dekoriert, aber auf der Bühne geht's ab.“ Alexander Batuev startet den einzigartigen Reigen von Magie, artistischen Höchstleistungen, Zauberei und Dressur. Der Schlangenmensch begeistert den Politiker und den Comedian Guido Cantz gleichermaßen. Wolfgang Bosbach (CDU) sagt, er habe so etwas noch nie gesehen. „Ich hatte gelegentlich die Befürchtung, der kommt nie wieder in die Normal-Auslage zurück. Aber er hat sich dann immer erfolgreich entknotet“.

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Plötzlich fliegen dutzende weiße Tauben durch das Zirkuszelt. Auf ein fast unsichtbares Handsignal landen sie bei Andrej Fjodorov. Aber sie fliegen nicht nur, die Tiere zeigen Kunststücke, drehen sich, springen über kleine Hindernisse oder kriechen unten durch. Sie interagieren mit Herdenhunden, den sibirischen Samojeden. Natürlich hat Fjodorov in der einen Hand Körner und Leckerli in der anderen. Und trotzdem: Tauben dressieren? RTL-Sportchef Andreas von Thien hat sowas noch nie gesehen. Moderatorin Biggi Lechtermann sagt: „Wie man solche Tiere, die ja hochintelligent sind, so dressieren kann. Das ist toll.“ Und auch Komiker Tom Gerhardt macht sich Gedanken: „Die Nummer mit der Tauben- und Hundedressur: die war sensationell. Wie hat er das geschafft. Da kann man ja nicht Tricks ausüben. Die Tiere sind die Tiere, die sind real. Was die für Kunststücke dort vollbringen, das ist für mich einfach wie ein Wunder.“

Mehr als 140 Artisten, Tänzer und Helfer aus 23 Ländern sind für den Weihnachtscircus nach Köln gekommen. Circus-Direktor Ilja Smitt freut sich, dass er bei der 8. Auflage nicht mehr für das Engagement in Köln werben musste, sondern weltweite Top-Acts in der Domstadt auftreten möchten. Viele haben Artisten-Preise gewonnen, sind hoch dekoriert wie der Clown Andrey Jigalov, der meist mit Partner Oleg Ponukaling Suvoroff die Zuschauer immer wieder zum Lachen bringt.

Jakob (8) findet den französischen Zauberer Vincent Vignaud am besten, der reihenweise seine Damen unter Tüchern verschwinden und sich selber zersägen lässt. Pauline (13) haben die sieben Shooting-Stars mit ihrer Pfeil- und Bogen-Kunst aus der Mongolei besonders gut gefallen, die sich zu immer wechselnden menschlichen Gebilden auftürmen und dann mit den Füßen Pfeile direkt in ihre Ziele schießen. „Ganz großer Sport, ganz großer Respekt,“ bekundet auch die CDU-Politikerin Caroline Bosbach. „Die waren treffsicher, die waren zielgenau. Das fehlt mir so ein bisschen heutzutage.“

Zum ersten Mal in Europa auch die chinesischen „Cowboys“ der Nanjing Lasso Acrobatic Troupe mit artistischem Auftritt. Acht junge Männer, die durch ein Lasso springen, sich dabei die Handhabung des Lasso auch noch weiterreichen. Als Oleksandr Parshyn und Hanna Levchenko, die Luftakrobaten des Duo Parshin unter dem Zirkusdach waghalsige Sprünge zeigen, nur mit den Zähnen, an einer Hand oder den Füßen des anderen, wird es noch einmal ganz still im Zirkuszelt. Und laut, als ein Motorrad Melanie Chy aus Las Vegas in die Manege bringt, die mit Handstand-Variationen auf der Maschine zur Musik von Pink auftrumpft. Langanhaltender Beifall belohnt die Artisten zum Finale.

Der Weihnachtscircus hat bis zum 31.12. noch 47 Vorstellungen geplant. Karten gibt es ab 23,60 Euro.

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