Es sind unfassbare Szenen. Das US-Kapitol, gestürmt von Anhängern von Präsident Donald Trump. Randalierer schlagen Fenster ein, Abgeordnete verschanzen sich unter ihren Tischen. Die Gewalttäter hindern sie daran, ihrem Verfassungsauftrag nachzukommen und das Wahlergebnis zu zertifizieren. Es ist ein versuchter Staatsstreich und ein schwarzer Tag in der US-Geschichte.
Zu verantworten hat diesen Angriff auf die US-Demokratie Trump selbst. Den Mob hatte der abgewählte Präsident selbst angefacht. Über Wochen, indem er diesen 6. Januar zum Protest-Tag ausgerufen hatte, und auch noch am Mittwoch, als er eine hasserfüllte und von Lügen durchzogene Rede hielt mit dem Inhalt: Euch wurde die Wahl gestohlen und Joe Biden ist nicht der rechtmäßige Präsident. Die angestachelten Randalierer nahmen die Sache dann in die Hand.
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Die Bilder vom gestürmten Kapitol sind ein Symbol für das, was nach vier Jahren Trump aus diesem großartigen Land geworden ist. Es ist die Konsequenz der Eskalation, die der Brandstifter und seine Bande vorangetrieben hat. Die Spaltung, die Lügen, der Hass gegen alle, die anderer Meinung sind, die Verachtung der Institutionen der Demokratie - all das brach sich auf den Stufen des Kapitols Bahn.
Die USA werden noch lange über diesen 6. Januar 2021 sprechen. Politisch könnte dieser Tag ein Wendepunkt sein. Der Schock der Bilder könnte bei vielen von Trumps Unterstützern und Ermöglichern zu einem Innehalten führen. Vielleicht merkt der ein oder andere, dass das alles zu weit gegangen ist.
Bislang sah es so aus, dass die Trumpisten die Oberhand bei den Republikanern behalten werden. Doch die Eskalation könnte diese Entwicklung umkehren, die Vernünftigen könnten wieder Aufwind haben. Es dürfte schwerer werden, Trump zu verteidigen, wenn man sich damit in die Nähe der Kapitol-Randalierer begibt. So schrecklich die Ereignisse sind - vielleicht sind sie der Beginn einer neuen Zeit in diesem zerrissenen Land. Eine Kultur von Anstand, Würde und Respekt hat wieder eine Chance.

