Brüssel – Die Informatiker der Europäischen Kommission haben ganze Arbeit geleistet. Nur wenige Stunden nachdem das EU-Parlament am Mittwoch den grünen Impfpass gebilligt hat, gab die Behörde bekannt, mit den Unternehmen T-Systems und SAP einen Vertrag über das künftige Zertifikat abgeschlossen zu haben, das Ende Juni einsatzbereit ist. Deutschland werde, so sagte ein Kommissionsbeamter, wohl schon ab Mitte Juni in der Lage sein, Geimpften, Genesenen und Inhabern eines negativen PCR-Tests die Reise innerhalb der EU zu erlauben.
Genau genommen geht es weder um einen Pass noch um ein, sondern gleich drei unterschiedliche Zertifikate. „Geimpfte, Genesene, die zum Beispiel anhand von Antikörpern nachweisen können, dass sie die Krankheit durchgemacht haben, und negativ Getestete haben ein extrem geringes Risiko, die Krankheit zu übertragen oder selbst zu erkranken“, sagte der CDU-Europa-Abgeordnete Peter Liese gestern. Jeder von ihnen wird künftig ein eigenes Zertifikat für die große Freiheit bekommen. Der Ablauf, den die Techniker sich ausgedacht haben, soll denkbar sicher und vor allem einfach sein: Unmittelbar nach der Impfung erstellen der Arzt oder der Mediziner im Impfzentrum einen QR-Code. Der wird entweder ausgedruckt oder digital für ein Mobiltelefon oder Pad zur Verfügung gestellt.
Bei der Einreise kann ein Grenzbeamter, eine Airline beim Einchecken oder der Schaffner im Zug ebenso wie ein Hotel bei der Ankunft mit einer Zusatzsoftware für ein Lesegerät (beispielsweise ein Smartphone) den Code scannen. Dabei werden keine persönlichen Daten preisgegeben, die App meldet lediglich mit einem grünen oder roten Signal, ob die Voraussetzungen für eine (Ein-)Reise geben sind. Auch das Heimatland oder die Behörden des Gastlandes erfahren weder den Namen des Reisenden noch andere persönliche Daten.
Welche Voraussetzungen in einem Mitgliedstaat dafür gelten, legen die zuständigen Behörden fest – per App wird lediglich mit einem zentralen Rechner in Luxemburg abgeglichen, ob die Bedingungen erfüllt sind. Anfang Juni, so hieß es gestern aus der Kommission, werde das System stehen, dann laufen letzte Tests. Spätestens Ende Juni seien alle Mitgliedstaaten so weit, die entsprechenden QR-Codes zu generieren. Bereits jetzt hätten 20 EU-Länder ihre Vorbereitungen getroffen – darunter auch Deutschland. Hierzulande soll das jeweilige Zertifikat in die Corona-Warn-App integriert werden.
USA: Geimpfte dürfen ohne Maske hinaus
Angesichts der rasant wachsenden Zahl von Geimpften in den USA werden die Corona-Vorgaben für das öffentliche Leben weiter gelockert. Die US-Gesundheitsbehörde CDC veröffentlichte neue Empfehlungen, wonach voll geimpfte Personen bei vielen Aktivitäten im Freien nicht mehr unbedingt eine Maske tragen müssen. Laut den neuen CDC-Empfehlungen sind etwa Spazieren gehen, Radfahren, Treffen in kleineren Gruppen oder Restaurantbesuche im Freien für komplett Geimpfte auch ohne Maske sicher. (dpa)
Politisch sind dagegen viele Fragen offen: Weiter unklar ist, ob die Mitgliedstaaten untereinander ihre nationalen Vorgaben akzeptieren. Als Beispiel wurde gestern in Brüssel die Einreise aus den Niederlanden genannt. Dort durften gestern wieder Cafés und Restaurants sowie viele Geschäfte öffnen, obwohl die landesweite Inzidenzzahl bei rund 300 je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen liegt. Solche Grenzwerte seien Vorgaben, die die Mitgliedstaaten selbst festlegen müssten und die dann beim Auslesen der Zertifikate abgeglichen würden. „Der sogenannte Impfpass ist kein Freibrief, der sich über die aktuelle Infektionslage hinwegsetzt, obwohl er endlich für offene Grenzen in der Gemeinschaft sorgen soll“, hieß es aus der EU-Kommission. In den verbleibenden Wochen bis zum Start des digitalen Impf-Codes müssen sich die zuständigen Minister der Mitgliedstaaten noch auf viele Voraussetzungen verständigen, was bisher selbst im Kreis der Staats- und Regierungschefs nicht gelungen ist. In Brüssel hieß es, die Technik werde bereit sein. Alle weiteren Voraussetzungen müssten jetzt die Regierungen schaffen.
