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Trumps Reiseverbot gegen CoronaWie die USA jetzt ihre Grenzen schützen möchte

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Menschen tragen Mundschutz und gehen an einem Bildschirm vorüber, während die Ansprache an die Nation von US-Präsident Trump übertragen wird.

  1. Donald Trump hat eine Weile gebraucht, bis er den Ernst der Lage begriff.
  2. Dann aber ging es auf der Eskalationsleiter rasend schnell nach oben.

Washington – Noch am Montag verglich er das Coronavirus beschwichtigend mit der Grippe, die Jahr für Jahr das Leben zehntausender Amerikaner fordere, „und nichts wird geschlossen, Leben & Wirtschaft gehen weiter“. Am Dienstag verbreitete er den Tweet eines Fans namens Charlie Kirk, in dem vom China-Virus die Rede war, dessen Ausbreitung nur gestoppt werden könne, wenn die USA ihre Grenzen schützten: „Mehr denn je brauchen wir jetzt die Mauer“.

Am Mittwochabend, als er sich vom Schreibtisch des Oval Office aus an die Nation wandte, legte der Präsident den Schalter endgültig um, von abwinkender Wird-schon-nicht-so-schlimm-Gelassenheit, wie er sie wochenlang zur Schau gestellt hatte, zu drakonischen Restriktionen. Bürger aus dem europäischen Schengen-Raum dürfen ab Freitag, Schlag Mitternacht, vorläufig nicht mehr in die Vereinigten Staaten einreisen.

Corona sei laut Trump ein „ausländisches Virus“

Corona, sagte Trump gleich zu Beginn, in Anlehnung an Charlie Kirk, sei ein „ausländisches Virus“. Damit war der nationalistische Grundton gesetzt. Was folgte, war eine Mischung aus Schuldzuweisungen, kühlem politischem Kalkül und unangebrachtem Selbstlob.  

Erstens, die Schuldzuweisungen. Nach seinen Worten hat es die Europäische Union versäumt, sich die USA zum Vorbild zu nehmen und Flüge aus China frühzeitig einzuschränken. In der Folge hätten Reisende aus Europa große „Klumpen“ des Virus in seinem Land „ausgesät“. Das Reiseverbot, vorerst für dreißig Tage in Kraft, soll nun helfen, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Es gilt, präzisierte das Weiße Haus in einer Proklamation mit der Nummer 9984, für 26 Staaten der Schengen-Zone. Ausgenommen sind aus Europa zurückkehrende Amerikaner, Besitzer einer Greencard und Diplomaten.   

Sonderbeziehung zu den Briten als politisches Kalkül

Zweitens, das politische Kalkül. Großbritannien, regiert vom Trump-freundlichen Premier Boris Johnson, fällt nicht unter den Bann. Mit medizinischer Logik ist das kaum zu erklären, denn auch das Inselreich hat es getroffen: Aktuell sind dort knapp halb so viele Corona-Fälle wie in den USA registriert, und das bei einer fünffach kleineren Bevölkerung. Dass mit Irland, Bulgarien, Kroatien, Rumänien und Zypern auch EU-Mitglieder ausgenommen sind, da sie dem Schengen-Raum nicht angehören, ist wohl eher Kosmetik, um den Vorwurf der Sonderbeziehung zu den Briten entkräften zu können.

Drittens, das Eigenlob. Amerika werde schnell und professionell handeln, es habe das beste Team der Welt, betonte Trump, womit er offensichtlich seine eigene Regierung meinte, beratende Fachleute eingeschlossen. „Gegen uns wird das Virus keine Chance haben. Keine andere Nation ist so gut vorbereitet und so widerstandsfähig wie wir.“     

Gegenstimmen aus der Oppsition

Es dauerte nicht lange, da ließ die Opposition wissen, dass sie die Selbstbeweihräucherung nicht teilt. Der Staatschef, gab sie zu verstehen, wäre besser beraten, seine Hausaufgaben zu erledigen, statt im Ausland nach Sündenböcken zu suchen. Am besten schütze man die Menschen, indem man sich darauf konzentriere, daheim die Ausbreitung des Virus zu bekämpfen, schrieben Nancy Pelosi und Chuck Schumer, die führenden Demokraten in Repräsentantenhaus beziehungsweise Senat, in einer gemeinsamen Erklärung. Man sei alarmiert, weil der Präsident mit keinem Wort erklärt habe, was er gegen den akuten Mangel an Corona-Tests tun wolle.   

Tatsächlich liegt es am Schlendrian, kombiniert mit Schwächen des Gesundheitssystems, dass nach Angaben der Seuchenschutzbehörde CDC bislang weniger als sechstausend Amerikaner auf das Virus überprüft wurden - verglichen mit zehntausend Südkoreanern an einem Tag. Zwar gibt es keine öffentlich zugängliche Statistik über die Zahl der Tests in Privatlabors, aber dass es insgesamt viel zu wenige sind, darin sind sich die Experten einig. Vollmundige Versprechen aus dem Kabinett tragen schon deshalb nicht zur Vertrauensbildung bei, weil sie auf Kriegsfuß mit der Realität stehen.

Unsicherheit und hohe Kosten halten von Tests ab

Am 2. März etwa hatte Vizepräsident Mike Pence, von Trump mit der Leitung der Corona-Taskforce beauftragt, im Brustton der Überzeugung eine Million zusätzliche Testmöglichkeiten bis zum 6. März angekündigt. Am 11. März räumte CDC-Direktor Robert Redfield bei einer Anhörung im Kongress ein, dass Kliniken und Arztpraxen bis dahin lediglich 75 000 Test-Sets zur Verfügung gestellt wurden.

Zudem sind etwa 28 Millionen Amerikaner nicht krankenversichert, und auch Versicherte haben oft hohe Zuzahlungen zu leisten. Allein die Unsicherheit, was ein Test kostet und wer ihn bezahlt, hält offenbar viele davon ab, einen Doktor aufzusuchen. Zumal krasse Beispiele die Runde machen. Ein Patient in Miami erhielt neulich eine Rechnung über 3 270 Dollar und 75 Cent, nachdem er sich, zurückgekehrt aus China, schlapp gefühlt und in eine Klinik begeben hatte. Immerhin konnten die Mediziner Entwarnung geben: Es war nur die normale Grippe.