Als Dr. Ursula Reismann 1972 Chefärztin der Abteilung Anästhesiologie / Intensivmedizin im Bergisch Gladbacher Marien-Krankenhaus wurde, hat sie Pionierarbeit geleistet. Ich habe als Solistin mit drei engagierten Anästhesie-Schwestern angefangen, erzählt sie. Erst später kamen weitere Fach- und Oberärzte hinzu.
Mit viel Fachkompetenz und Führungsstärke hat sie die Abteilung aufgebaut, so Dr. Klaus Werner, Vorsitzender des Verwaltungsrates. Das war vor knapp 33 Jahren. Am Mittwoch wurde sie im vollbesetzten Spiegelsaal im Bergischen Löwen in den Ruhestand verabschiedet.
Sie hat Maßstäbe gesetzt und mit ihren Mitarbeitern Unglaubliches geleistet, so Klaus Werner. Ein Blick in ihre Personalakte verrate, wie hartnäckig sie sich für ihre Anliegen eingesetzt hat - besonders wenn es um neue Erkenntnisse und die Ausbildung des Nachwuchses ging.
Wir sind nicht nur Narkoseärzte, betonte Reismann. Wir sind das Öl im operativen Motor des Krankenhauses. Das breite Leistungsspektrum der Anästhesiologie sei viel zu wenig bekannt. Häufig stünden Anästhesisten scheinbar unspektakulär im Schatten derer, die heldenhafte Operationen machen, bedauerte Reismann.
Von ihrem Nachfolger erhofft sie sich, dass er bewahrt und verteidigt, was sie mit ihrem Team erreicht hat. Die Anästhesie-Abteilung sei ein Qualitätsprodukt, auf das sich die Patienten verlassen können, sagte sie. Es gibt für die Abteilung keinen Grund pessimistisch zu sein, die Anästhesie ist das Herzstück der Medizin, so Reismann.
Ihr Nachfolger ist der 41-jährige Dr. Thomas Meuser. Er hat an der Universität zu Köln studiert und war zuletzt leitender Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Uni Köln.
Das Team ist ausgesprochen gut und perfekt aufeinander eingestellt, sagte Meuser anerkennend. Dennoch gebe es sicher hier und da etwas zu modernisieren. So will er moderne Anästhesie-Verfahren noch stärker in den Vordergrund stellen. Dies sei für die Patienten angenehmer, da durch kurzwirksame Medikamente sowohl die Aufwachzeit als auch der gesamte Krankenhausaufenthalt verkürzt würden. Zum anderen müsse aber auch der Ärztenachwuchs die modernen Methoden in der Praxis kennen lernen - schließlich ist das MKH Lehrkrankenhaus der Universität Köln.
Als persönliches Steckenpferd betrachtet Meuser die Schmerztherapie, die er ebenfalls ausbauen will. Ich möchte das MKH als schmerzfreies Krankenhaus bekannt machen.
Zusätzlich will er einen Akutschmerzdienst einrichten, wo auch Rückenschmerzpatienten oder Tumorpatienten behandelt werden, bei denen der Schmerz nicht mit einer OP zusammen hängt.
Analog zu Reismanns Selbstverständnis fühlt sich Meuser als peri-operativer Manager, der den Patienten, vor, während und nach der Operation begleitet und dafür sorgt, dass er keine Schmerzen hat.
Als besonderer Gast wurde am Mittwoch der Universitätsprofessor Dr. Walter Buzello begrüßt. Er stellte die Geschichte der Anästhesiologie dar, die 1540 mit der ersten Erwähnung der Substanz Aether begann und sich mit Lachgas, Morphin und Chloroform fortsetzte.
Für die musikalische Unterhaltung sorgte das Marcus-Schinke-Duo mit verjazzten Interpretationen von Beethoven-Stücken.