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Dokumente einer „dämonischen“ Dame

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Es gibt in der langen Filmgeschichte nur wenige Klassiker, die auch genreübergreifend zu einem weltweiten Mythos wurden. „Das Cabinet das Dr. Caligari“ steht in dieser Hinsicht in der ersten Kinoreihe. Der Stummfilm aus dem Jahre 1920 zählt schon wegen der expressionistischen Kulissen zu den Meilensteinen des Mediums.

Für „Puppenpavillon“-Chef Gerd-Josef Pohl ist der Film auch ein Wegbereiter des Horrorfilms. „Ohne Caligari wäre beispielsweise Tim Burtons , A Nightmare before Christmas gar nicht denkbar“, erläutert Pohl. Der Bensberger Puppenspieler fühlt sich diesem Film jetzt noch mehr verbunden. Hauptdarstellerin in „Caligari“ ist nämlich eine junge Frau, die später zu den großen Stars der deutschen Film- und Theaterlandschaft avancierte: Lil Dagover.

Dagover-Briefe tauchten plötzlich in Hildesheim auf

Von diesem Filmstar konnte sich Pohl jüngst ein paar ganz besondere Schätze sichern. Exakt 21 Briefe aus dem Nachlass einer Freundin des berühmten Ufa-Stars waren plötzlich im niedersächsischen Hildesheim aufgetaucht. Pohl hörte davon durch einen Freund und griff sofort zu. „Die Briefe wären sonst sicher im Container gelandet“, glaubt Pohl. Statt im Müll landeten die historischen Dokumente per Post in Bensberg und werden jetzt von Pohl in Ruhe gesichtet.

Es sind zum Teil sehr persönliche Anschreiben, beispielsweise an eine gewisse Liselotte Kreikenbaum. Die unbekannte Frau wird von Dagover mit „Unser geliebtes Kreikenbäumchen“ angeschrieben. Weiterhin schreibt die Dagover in dem Brief über die Empfängerin als „Genossin einer Nacht“.

„Vielleicht waren die beiden Frauen mal zusammen in einem Fahrstuhl eingesperrt“, rätselt Pohl. Die Briefe zeigen jedenfalls eine andere, humorvolle Seite von Lil Dagover, die auf der Leinwand eher für dramatische, dämonische oder düstere Rollen bekannt war.

Cineasten dürften bei der Nennung einiger Filmtitel mit der Zunge schnalzen. Dagover wirkte nämlich noch in weiteren Stummfilmklassikern wie Friedrich Wilhelm Murnaus „Tartüff“ oder Fritz Langs „Der müde Tod“ mit.

Das Ende der Stummfilmära überstand die Dagover Ende der zwanziger Jahre problemlos, denn ihre tiefe Stimme kam beim Kinopublikum bestens an. Davon zeugen Filme wie beispielsweise „Der Kongress tanzt“ oder „Schlussakkord“.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges feierte sie im Jahre 1948 ein Kinocomeback mit „Die Söhne des Herrn Gaspary“. Jüngeren Zuschauern der Privatfernsehkanäle ist sie vielleicht als zwielichtige Adelige aus dem Edgar-Wallace-Klassiker „Die seltsame Gräfin“ ein Begriff.

Pohl war jedenfalls schon früh vom Spiel der Dagover fasziniert. „Diesen Mut zum Absurden, diese Bereitschaft zum damonischen Spiel haben nur ganz wenige Schauspielerinnen ihrer Zeit mitgebracht“, sagt Pohl, der zugleich Dagovers verblassten Ruhm bedauert: „In Hollywood wäre sie zweifellos eine Kultfigur wie Bette Davis geworden , in Deutschland mit seiner gebrochenen Kinotradition ist die Dagover praktisch vergessen“.

Mögliches Festival mit

phantastischen Filmen

Gegen das Vergessen möchte er einen Beitrag leisten. Zunächst will nach dem Lesen der Briefe entscheiden, was an die Öffentlichkeit kommt. „Privates werde ich sicherlich nicht hinausposaunen“, sagt Pohl. Es werden eher Anekdoten oder Theatergeschichten sein, die Pohl auswählen will.

Mit dem Nachlass ist Pohl gleich eine neue Idee gekommen. Er will in Bergisch Gladbach künftig ein „Festival des Phantastischen Films“ veranstalten.

Denkbar wären für Pohl Aufführungen alter Horrorfilmklassiker wie Murnaus „Nosferatu“ oder Paul Wegeners „Der Golem“ mit prominenten Ehrengästen. „Das ,Cabinet des Dr. Caligari könnte man dann zusammen mit den Exponaten der Dagover zeigen“, erzählt Pohl.

Erste Gespräche mit Kinobesitzern hat der 39-Jährige bereits geführt: „Die Reaktionen waren positiv, aber natürlich muss erst der finanzielle Rahmen geklärt werden.“ Bis dahin wird der Filmfan beim Briefe lesen sicher noch einiges über die 1980 verstorbene Lil Dagover erfahren.