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TrinkversuchEinmal Volltanken für die Wissenschaft

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Einmal reinpusten - dann werden die Promille gemessen. (Bild: Meisenberg)

Köln – Um Punkt 19 Uhr verschwindet das vierte Kölsch in meinem Gaumen. Ich ziehe einen Strich auf einen Zettel.

Nicht nur der gestiegene Geräuschpegel zeigt mir, dass sich meine Tischnachbarn inzwischen ebenfalls das ein oder andere Gläschen genehmigt haben. Auch sie notieren jedes ihrer getrunkenen Biere pedantisch auf einem kleinen Protokollbogen. Es sind diese Details, die den Abend in der „Keule" von einem normalen Kneipenbesuch unterscheiden. Hier soll unter anderem getestet werden, wie sich Alkoholkonsum auf die eigene Fahrtauglichkeit auswirkt.

Reaktionstests am Laptop

Gastgeber des wissenschaftlichen Trink-Experiments ist die Impuls GmbH, die sich auf medizinisch-psychologische Schulungen für Alkoholsünder im Straßenverkehr spezialisiert hat. Für den Abend hat sie - neben zig Litern des "flüssigen Goldes" - ein Promilleprüfgerät und einen interaktiven Reaktionstest bereitgestellt. Bei dem Promilleprüfer handelt es sich um das klassische „Blasgerät“, mit dem auch die Polizei arbeitet. Beim Reaktionstest am Laptop geht es darum, mit Hilfe von vier Richtungstasten in Sekundenschnelle in die Bewegungsrichtung eines Pfeiles und auf den Standort eines Kreuzes zu drücken. Je schneller und präziser man den Test absolviert, desto besser der erzielte Wert. Es folgt eine Auswertung, die die Resultate mit denen gleichaltriger Personen mit ähnlichem Bildungsabschluss vergleicht.

Vor allem Anwälte für Verkehrsrecht, die sich einmal in die Situation einiger ihrer Mandanten versetzen wollen, haben neben mir den Weg in die Schänke am Heumarkt gefunden. „Ich habe auch ein paar Kölsch getrunken. Es geht uns aber natürlich auch darum, ein paar Tipps zu bekommen, was man Mandanten, die vor einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) stehen, raten kann“, betont Bernd Froning, Anwalt aus Leverkusen. Einer seiner Kollegen befindet sich zu diesem Zeitpunkt mit 0,5 Promille gerade an der Grenze zur Ordnungwidrigkeit; jedenfalls wenn er noch gedenkt, sein Auto nach Hause zu kutschieren. „Ich habe jetzt sieben Kölsch getrunken und es ist alles im grünen Bereich. Wenn ich noch fahren wollte, müsste ich nur ein bisschen warten.“ Inzwischen ist das Promilleprüfgerät frei geworden. Zeit der Wahrheit. Ich puste, es piept: 0,18 Promille. Weniger als gedacht. Albrecht Omankowsky, ein inzwischen mit mehr als 0,6 Promille nicht mehr fahrtüchtiger Kölner Verkehrsjurist, geht mit mir auf Ursachenforschung: „Sie haben um 17 Uhr angefangen zu trinken. Da hatten sie ja schon zwei Stunden, um den Alkohol abzubauen.“ Es gilt also, das Tempo zu erhöhen.

Schnell noch durch den Reaktionstest. Keine Auffälligkeiten. Man attestiert mir ein völlig durchschnittliches Ergebnis. „Prinzipiell könnten sie jetzt noch einen Vierzigtonner fahren", erklärt Bärbel Taubert, Psychologin der Impuls GmbH. Irgendwie beruhigend. Vier Kölsch und eine knappe Stunde später, also jetzt mit acht Bier intus, wage ich mich wieder an die Geräte. Mit 0,46 Promille erreiche ich meinen heutigen Höchstwert. Zwar zeige ich mich im Reaktionstest jetzt sogar verbessert; aber nach acht Kölsch noch alleine nach Hause zu fahren, kommt für mich auf keinen Fall mehr in Frage. „Ein Hoch auf die KVB", denke ich mir, als ich mich an dieser Stelle von dem Trinkversuch verabschiede.