Wer die Handynummer des Weihnachtsmanns wählt und mit einem sonoren Ho Ho Ho begrüßt wird, der hat den besten Weihnachtsmann Deutschlands an der Strippe: Reiner Kienast aus Wachendorf.
Dass Reiner Kienast aus Wachendorf bereits seit einem halben Jahrhundert als Weihnachtsmann viele Kinder erfreut, ist eigentlich dem Zufall zu verdanken. Er war gerade 17 Jahre alt, als er zur Weihnachtsfeier in ein Kölner Kinderheim eingeladen wurde. Der Weihnachtsmann sollte an diesem Abend von Zivi Florian dargestellt werden. Doch Florian kniff an diesem Abend. Das Heim stand plötzlich ohne Weihnachtsmann da. Was tun?
Da fiel dem Heimleiter Reiner Kienast ein, der ja sowieso im Haus war. Er bat ihn, für die Kinder den Weihnachtsmann zu spielen. So schlüpfte Kienast zum ersten Mal in den roten Weihnachtsmann-Mantel. Er improvisierte prächtig, und so hatte er den Weihnachtsmann-Job im Kinderheim für die nächsten Jahre. Allerdings gefiel mir der rote Mantel vom Heim gar nicht. Daher sparte Reiner Kienast das Geld, das er vom Vater und der Oma fürs Mofa-Benzin bekam, und kaufte sich in einem großen Kölner Kostüm-Geschäft ein ordentliches Weihnachtsmann-Kostüm.
Den Mantel trage ich heute noch, erzählt Reiner Kienast. Und bei der letzten Reinigung hat sich die Frau dort soviel Mühe gegeben und den Kunstpelz wieder ganz toll hergerichtet. Der sieht doch immer noch aus wie neu. Nur den Rauschebart hat er in diesem Jahr erneuert.
Aber nicht nur im Kölner Kinderheim verkörperte Kienast den Weihnachtsmann. Er spielte seine Rolle auch in Familien. Und die Gage, die er dort bekam, stiftete er dem Kinderheim. Wer weiß, welcher Betrag dort pro Kind zur Verfügung steht, weiß auch, dass für Extra-Wünsche kein Spielraum mehr bleibt, erklärt Kienast.
Sein Engagement als Weihnachtsmann nahm immer mehr Raum ein. So wurde er von Hans Gans alias Kingsize Dick gefragt, ob man nicht zusammen etwas in Rodenkirchen manchen könne. Daher trat Kienast bei der Rodenkirchener Shoppinggemeinschaft als Weihnachtsmann auf. Die Erlöse stifte ich immer Vereinigungen aus meiner Nähe. Da weiß ich, wer es nötig hat und wo das Geld hingeht.
Erziehung ist nicht Sache
des Weihnachtsmanns
Vor 20 Jahren verschlug es Reiner Kienast, der in der Reisebranche tätig ist, in die Eifel. Mit seinen beiden Kindern Samira (11) und Pascal (9) und seiner Ehefrau Christine lebt er seitdem in Wachendorf. Und auch hier hat er wieder einen festen Stamm an Familien, bei dem er im Dezember als Weihnachtsmann auftritt.
Ganz besonders freut er sich jedes Jahr auf den 22-jährigen Thomas . Der junge Mann ist schwer behindert und fiebert dem Weihnachtsmann Jahr für Jahr entgegen. Und Thomas registriert ganz genau, wenn am Weihnachtsmann etwas anders ist als im Jahr zuvor, erzählt Kienast: So hatte ich bei der Brille, die ich als Weihnachtsmann trage, im unteren Bereich das Gestell abgeschnitten. Denn die Brille brauche ich ja nur wegen der mächtigen Augenbrauen. Thomas fiel sofort auf, dass ich keine Brille mehr hatte.
Der Weihnachtsmann als Erzieher der Kinder, davon hält er allerdings gar nichts. Wenn sich ein paar Familien für den Weihnachtsmann-Besuch zusammentun und mir dann eine Mutter erklärt, ich müsse der kleinen Tochter sagen, sie dürfe nicht mehr ins Bett machen, geht das doch gar nicht. Ich kann doch ein Kind nicht so vorführen. Wenn Eltern ihm Stichworte geben, hält er sich selten daran. Außerdem kommen die Kinder im Gespräch meist selbst auf diese Stichworte zu sprechen.
Auch mit ängstlichen Kindern weiß der Weihnachtsmann umzugehen. Dafür trägt er seinen Zauberring - ein großes, funkelndes Etwas mit rotem Stein. Wenn ich sehe, dass ein Kind Angst hat, gebe ich diesen Ring einem anderen Kind. Das soll ihn dem ängstlichen Kind geben. Und schon ist der Kontakt hergestellt. Spätestens wenn das Kind mir den Ring zurückgibt, sind wir im Gespräch.
Groß rausgekommen ist Reiner Kienast im letzten Jahr auf dem Trierer Weihnachtsmarkt. Ein örtlicher Radiosender hatte einen Weihnachtsmann für den Trierer Weihnachtsmarkt gesucht. Und dieser sollte dann auch für das Bundesland Rheinland-Pfalz zur Deutschen Weihnachtsmann-Meisterschaft in Celle antreten. Kienast setzte sich gegen vier Mitbewerber durch und wurde der Trierer Weihnachtsmann.
Beim Wettbewerb in Celle belegte er 2007 den zweiten Platz, wurde aber trotzdem Deutschlands bester Weihnachtsmann, denn: Den ersten Platz belegte ein Christkind, also eine Frau. In diesem Jahr holte er den Titel Bester Weihnachtsmann Deutschlands dann doch noch nach Trier.
Gegen 15 Mitbewerber der Königsklasse - hier starten die Weihnachtsmänner für je ein Bundesland - setzte er sich durch. Erster in der offenen Klasse - hier kann jeder mit machen, der ein Weihnachtsmannkostüm trägt - wurde übrigens Bro Sis-Sänger Ross
Anthony in einem blauen Weihnachtsmann-Kostüm.
Natürlich ist er auch in diesem Jahr wieder der Weihnachtsmann von Trier und hat sich dafür eine berufliche Auszeit genommen. Hier wird er mit dem Trierer Weihnachtszirkus auf einem Elefanten durch die Stadt reiten und den Zirkus eröffnen.
Besonders freute sich Kienast über ein von Kindern gemaltes Bild, das den Trierer Weihnachtsmann in Lebensgröße zeigt.