RHEIN-BERG – Für Jörg Schrewentigges ist sein Amt als Presbyter keine Belastung. Der Rechtsanwalt aus Bergisch Gladbach-Mitte steht hinter der basisdemokratischen Einrichtung, die in den evangelischen Kirchengemeinden wichtige Entscheidungen trifft. Am Sonntag, 5. Februar, könnten die Protestanten die neue Besetzung der Presbyterien wählen.
Doch in vielen Bezirken wird erst gar nicht gewählt. Es gibt schlicht weniger Bewerber als zu vergebende Plätze. In einem Drittel des rechtsrheinischen Kirchenkreises können die evangelischen Gläubigen nach dem Gottesdienst direkt zum Sonntagsbraten übergehen.
In Gladbach-Mitte findet keine Wahl statt. Lediglich auf die Stelle des Mitarbeiter-Presbyters haben sich mit Jutta Unterbusch und Amtsinhaber Kalla Piel zwei Personen beworben. Pfarrer Thomas Werner vermutet, dass die Gemeinde mit der Arbeit des Ausschusses zufrieden ist.
Die Amtszeit ist vor den letzten Wahlen von acht auf vier Jahre verkürzt worden. Dennoch fehlt es nicht selten an geeigneten Nachfolgern. Da sind Experimente die logische Konsequenz. In Refrath gab es einen 18-Jährigen im Team: „Es hat nicht lange gedauert, bis er uns wegen des Studienbeginns wieder verlassen hat“, erinnert sich Pastor Robert Dwornicki. Nachhaltigkeit sieht anders aus.
In Refrath/Vürfels gibt es so viele Bewerber wie Plätze. In Kippekausen, Bensberg und Herkenrath müssen die Gemeindemitglieder den Weg zur Urne antreten. Das sei ein Beweis für die Lebendigkeit in der Gemeinde: „Wenn gute Arbeit geleistet wird, machen auch viele gern mit“, so Dwornicki.
Die Veränderungen in der beruflichen Landschaft sind ein weiterer Grund für die Zurückhaltung. Manche Profession verlangt Mobilität in höchstem Maße. Viele können gar nicht garantieren, vier Jahre in demselben Ort zu wohnen. In Overath bleiben die Wahlhelfer zu Hause. Der Negativtrend hat sich fortgesetzt: „Früher mussten wir wenigstens noch zwischen ein bis zwei Personen entscheiden“, sagt Pfarrerin Patricia Thon. Versöhnungs- und Friedenskirche füllen die jeweils sechs vorgesehenen Stellen nicht aus. In Altenberg findet keine echte Wahl statt. Als zunehmend problematisch sieht Pastor Ralph Knapp aus Kürten-Delling die Wahlen an. Die Presbyter erhalten kein Gehalt für ihren Einsatz. Die Verpflichtung, vier Jahre ein Ehrenamt auszuüben, mag sich kaum noch jemand aufbürden: Der Kürtener Geistliche kann nicht sagen, ob es sich um ein lokales Phänomen oder einen allgemeinen Trend handelt. Er sieht die Landessynode in der Pflicht.
Damit rennt er bei Super intendantin Andrea Vogel, verantwortlich für das Gebiet Köln rechtsrheinisch, offene Türen ein. Sie will im Kirchenkreis sowie der Synode die Wahl auswerten. Dabei hat sie die Wahlbeteiligung und die Unterschiede zwischen ländlichen und städtischen Gemeinden im Visier: „Das gesamte Gebiet befindet sich in einem Generationenwechsel, viele scheiden aus Altersgründen aus. Wir müssen uns neu aufstellen und das Thema in zwei Jahren erneut angehen.“ Verschlafen will die evangelische Kirche die Umstellung auf keinen Fall.
In Rösrath hat die Kirche den Umbruch im Griff. In allen drei Bezirken wird gewählt, davon gibt es in zweien mehr Bewerber als Plätze. Viele haben von der Briefwahl Gebrauch gemacht: „Wir landen wieder über dem Schnitt“, so Pfarrer Thomas Rusch. Doch auch er hat festgestellt, dass die Bereitschaft deutlich abnimmt, sich im Gemeindealltag zu engagieren.
