Rund 300 Interessierte zeigten während einer Bürgersprechstunde im Bornheimer Ratssaal ihre Solidarität zur Roisdorfer „Marktschänke“, die geschlossen werden soll.
Bürgersprechstunde in Bornheim„Kölsch oder Bananen, das ist hier die Frage!“

Gut 300 Gäste besuchten die Bürgerversammlung zur Marktschänke im Sitzungssaal des Bornheimer Rathauses.
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„Sein oder nicht sein, Kölsch oder Bananen, das ist hier die Frage!“ Mit diesem provokanten Statement bemühte der Vorsitzende des Roisdorfer Gewerbevereins, und frühere SPD-Ratsherr und Roisdorfer Ortsvorsteher Harald Stadler sogar Shakespeares „Hamlet“, um sich für die Zukunft der Gaststätte „Marktschänke“ stark zu machen. Die Solidarität der Bürgerinnen und Bürger, Roisdorfs letzte Kneipe zu erhalten, ist groß, das zeigten die rund 300 Besucher, die am Mittwochabend zur knapp einstündigen Sprechstunde in den Sitzungssaal des Bornheimer Rathauses gekommen waren. Nicht alle passten hinein, auch auf dem Flur standen viele Gäste.
Neue „intensive Gespräche“
Anschließend befasste sich auch der Stadtentwicklungsausschuss (SteA) mit dem Thema – und da keimte am Ende sogar ein wenig Hoffnung auf: Vielleicht könne der Investor, die Edeka-Gruppe, doch noch umgestimmt werden. Zwar habe es schon einige Gespräche gegeben, informierte Baudezernent Robert Lehmann, aber im Ausschuss beschlossen die Politiker einstimmig, erneut „intensive Gespräche“ mit Edeka aufzunehmen. Zudem sollen Vertreter des Unternehmens in einer der kommenden Ausschusssitzungen ihre Pläne öffentlich präsentieren. Bislang war dies nur nicht-öffentlich geschehen. Edeka habe laut Lehmann auch bereits Zustimmung signalisiert.
Ein weiterer Hoffnungsschimmer: Zwar habe Edeka den Pachtvertrag mit Gastwirt Stefan Kempf zum 31. März gekündigt, die Lichter werden in der „Marktschänke“ aber ab April wohl doch noch nicht ausgehen. Bislang liegen weder ein Antrag zum Abbruch des Gebäudes noch eine Baugenehmigung bei der Stadt vor. Es habe dazu auch Gespräche zwischen Pächter und Edeka mit dem Ergebnis gegeben, dass Kempf das Lokal vorerst nicht schließen müsse, erklärte Lehmann. Nach jetzigem Stand wolle Edeka erst Ende 2026 mit dem Bau beginnen.
Die Ausgangslage
Das Gewerbegrundstück, auf dem auch die „Marktschänke“ steht, wurde von dem bisherigen Eigentümer Landgard 2025 an die Edeka-Gruppe verkauft, die darauf ihre Bananenreiferei erweitern möchte. Damit würden auch neue Arbeitsplätze geschaffen und dies hätte zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen zur Folge. Auch Lkw-Warteplätze sollen auf dem Gelände eingerichtet werden. Wird die bisherige Halle der Bananenreiferei verlängert, muss sie von den Lkw-Fahrern umfahren werden. Da die Fahrzeuge auf dem Gelände nicht anders rangieren können, wird die Fläche der „Marktschänke“ dafür benötigt.
Zur Wahrheit gehöre auch, so Lehmann, dass die Stadt für den anstehenden barrierefreien Umbau des Bahnhofsumfeldes, unter anderem für den Bau einer Rampe, Grundstücke von Edeka für die Errichtung einer Park-and-Ride-Anlage kaufen müsse. Dazu komme, dass das Gebäude der Gastronomie untersucht worden sei und die vorgelagerte Fassade „statisch als höchst bedenklich“ einzustufen sei. Mit dieser Situation beschäftigt sich kommenden Dienstag, 17. März, der Mobilitäts- und Verkehrsentwicklungsausschuss.
Denkmalschutz
Die Heimatfreunde Roisdorf und der Roisdorfer Gewerbeverein wollten, unterstützt von der Gruppe „Die Linke“ im SteA, durchsetzen, dass das Gebäudeensemble unter Denkmalschutz gestellt wird. Eine Mehrheit fand sich für den Vorschlag aber nicht. Die bei der Stadt Bornheim angesiedelte Untere Denkmalbehörde hätte dieses Ensemble „vorläufig“ unter Schutz stellen sollen. Damit würden laut der beiden Vorsitzenden Ernst Gierlich und Harald Stadler sechs Monate Zeit gewonnen, um ein fachliches Gutachten über den Denkmalwert einzuholen. Die übergeordnete Behörde, das Amt für Denkmalschutz des Landschaftsverbands Rheinland (LVR), sah nach einer ersten Einschätzung 2010 auch 2026 einen Denkmalwert nicht gegeben, da von der ursprünglichen Versteigerung kaum noch Gebäudeteile erhalten seien. Hinzu komme das Eigentumsrecht.
Lehmann dazu: „Der Denkmalschutz ist ein erheblicher Eingriff in das Eigentum und schränkt die Nutzungsmöglichkeiten erheblich ein. Da das Eigentum in Deutschland sehr stark geschützt ist, darf die Verwaltung Eigentümer nicht ohne triftigen Grund in ihrer Nutzung einschränken.“ Weder der Ausschuss noch der Bürgermeister könnten hier keine „willkürliche Entscheidung“ treffen, dies sei Sache der Unteren Denkmalbehörde: „Wenn diese Entscheidung aber fachlich nicht begründbar ist, müssten wir diese beanstanden und sie könnte sogar Schadenersatzforderungen nach sich ziehen“, erklärte Lehmann.
Die Diskussion
Größtenteils verlief die Diskussion sachlich, mit den Tränen kämpfen musste hingegen die Partnerin von Stefan Kempf: „Hier wird nicht nur jemandem die Existenzgrundlage genommen. So viele Menschen sind traurig, in dieser Gaststätte wurde gefeiert, geheiratet, getauft und getrauert.“
Eine 71-jährige Bürgerin kritisierte, dass es künftig in Roisdorf für Senioren oder Menschen, die nicht mehr so mobil seien, keine Gelegenheit mehr gebe, eine Pizza zu essen oder ein Bier zu trinken. Nicht jeder könne in die Stadt fahren. Ein Bürger fragte, ob nicht die Stadt die „Marktschänke oder ein anderes Gebäude kaufen könne, dass der Wirt dann zu günstigen Konditionen betreibe. Heimatfreunde-Vorsitzender Ernst Gierlich betonte: „Stirbt die Kneipe, stirbt auch ein Teil des Brauchtums und des Vereinslebens.“
Das sagt der Bürgermeister
„Wir haben viel Energie in dem Thema. Mich verbinden auch jede Menge Erinnerungen mit der ,Marktschänke' und viel Herzblut. Wenn ich das emotional entscheiden müsste, wenn es mein Gebäude wäre oder der Stadt gehören würde, würde ich sagen, man muss das erhalten. Wir haben aber das Eigentumsrecht, und wenn der Eigentümer auf seinem Grundstück einen Bauantrag stellt, weil er im Eigenbedarf etwas machen möchte, sind uns die Hände gebunden. Wir sind hier nicht im Wilden Westen, müssen uns an die Vorschriften halten.“ Zudem könne die Stadt auch nicht einem einzelnen Gastronom in Bornheim einen Vorteil verschaffen.
Gegen Ende der Sprechstunde brachte Mandt noch einen Lösungsvorschlag: „Hier gibt es ganz viele Leute, die wollen, dass es in Roisdorf einen Treffpunkt geben wird. Gut 2000 Leute haben eine Petition unterschrieben, vielleicht bekommen wir es hin, dass sich ein Verein gründet, der sagt, wir wollen in Roisdorf etwas erhalten, wir kaufen eine Fläche.“ Ein Beispiel wäre das Bahnhofsgebäude Roisdorf-West an der Linie 18, das man nutzen könne. Das müsse aber aus einer privaten Initiative heraus kommen, das könne die Stadt nicht leisten.
Das sagt der Ortsvorsteher
Karl-Heinz Nauroth nutzte für sein Statement die Einwohnerfragestunde in der anschließenden Sitzung des Fachausschusses. „Wenn sich schon so viele Bürger für den Erhalt der ,Marktschänke' einsetzen, kann die Politik das nicht ignorieren und sollte gemeinsam mit dem Investor prüfen, ob es nicht eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung gibt. Der Erhalt eines für die Geschichte unseres Ortes wichtigen historischen Bauwerks ist alles andere als sentimentaler Luxus.“ Er plädierte dafür, „Altes in Neues“ zu integrieren.
