Zum 41. Mal fand der Overather Frühling mit Tanz, Trödel und Austausch statt und begeisterte mit seinem Programm Groß und Klein.
VolksfestOverather Frühling hat den Wucht einer ganzen Region

Lockte Menschenmassen mit Ständen und Spielen auf die Straßen: der Overather Frühling.
Copyright: Christoph Konkulewski
Es gibt Tage, da gehört der Asphalt den Menschen, nicht den Autos. Nicht nur die Nebenstraßen. Wenn die Hauptstraße zur Meile wird und der Steinhofplatz zum Wohnzimmer, dann ist Frühling in Overath. Zum 41. Mal bat die Stadt zum Tanz, zum Trödel, zum Austausch. Ein Volksfest ohne Eitelkeit der Großstadt, mit der Wucht einer ganzen Region.
Alles begann mit einem Akkord für den guten Zweck. Am Samstagabend, als die Schatten auf dem Bahnhofplatz länger wurden, regierte das Ehrenamt. „Gemeinsam für die gute Sache“ heißt das Motto. Kein hohles Versprechen: Der Kneipenchor, Westernbehagen und die Formation „Laut aber Schief“ sangen gegen die Not. Es ging um „Lichtblicke für Kinder“. Der Eintritt kostete nichts.
Der Trödelmarkt bot 100 Stände voller Kuriositäten
Der Sonntag wechselte das Gesicht. Ab elf Uhr wich der graue Alltag bunten Zelten. Sechs Autohäuser zeigten, wie wir morgen fahren; 60 Handwerker und Händler bewiesen, dass das Gewerbe vor Ort noch funktioniert. Wer es nostalgisch mochte, bog ab zum Trödelmarkt „An den Gärten“. 100 Stände voller Kuriositäten, Obst und jener Dinge, von denen man vor dem Kauf nicht wusste, dass man sie braucht.

Ein lautes „Ping“: Bei der VR-Bank konnten Besucher den Lukas hauen.
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Den Ball galt es mit Schwung in den Korb zu werfen.
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Zwischendrin konnte man bei der VR-Bank den Lukas hauen. Das laute „Ping“ ging durch Mark und Bein, wenn es einer schaffte. Weiter in der Fußgängerzone probierten Kinder den Basketball in den hohen Korb zu werfen – ohne „Ping“, aber mit Applaus.
Das Rote Kreuz informierte über die Versorgung im Notfall
Ein bisschen weiter stand das Rote Kreuz. Ein ernstes Thema: Wie versorge ich mich im Notfall? Ein kleines Regal zeigte eine Notversorgung, ein gepackter Notfallrucksack diente als Anregung, und eine gut gelaunte Carmen Görmar von der Stadtverwaltung Overath animierte mit einem eigens angefertigten Memory-Spiel die Besucher, sich spielerisch mit dem Thema zu befassen.

Animierte mit einem Memory-Spiel die Besucher, sich spielerisch mit dem Thema Notversorgung zu befassen: Carmen Görmar von der Stadtverwaltung Overath.
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Auch zu Gast: Das DLRG.
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Daneben der rot-gelbe Stand des DLRG. Dort konnte sich die ganze Familie im knallroten DLRG-Schlauchboot und in richtiger Montur fotografieren lassen. Das sah gut aus – und die kleinen Spenden für den gelungenen Schnappschuss flossen in die Kasse des Ortsverbandes. Apropos Spende: Vor dem amerikanischen Schulbus der Humanitären Hilfe Overath e. V. stand der Büchertisch. Hier konnte man wühlen und neuen Lesestoff abgreifen. Bezahlt wurde nach Zentimeter. Und das Beste: Jeder Cent geht an Hilfsbedürftige in der Ukraine.
Planschemalöör heizte dem Publikum des Volksfests ein
Das Herz des Festes schlägt auf der Bühne. Und dieses Herz trägt kurze blaue Hosen. Um 12.30 Uhr enterten Planschemalöör den Bahnhofplatz. Die vier Kölner sind das Gegenteil von abgestandenem Brauchtum. Sie brachten „Eat Sleep Alaaf Repeat“ mit – ein musikalisches Konfetti-Gewitter, das Kinder toben und Eltern wippen ließ. Kölsche Musik ohne Klischee-Kitsch, dafür mit Haltung.

Die Bigband Marialinden begeisterte das Publikum des Volksfests.
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Auch die Kinder feierten beim Fest auf der Bühne.
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Danach gehörte die Bühne der Jugend. Ob Zumba, Showtanz des SSV Overath oder die „Sternschnuppen“: Hier zeigte sich, was passiert, wenn Disziplin auf Spielfreude trifft. Besonders viel Freude bereiteten die ganz Kleinen: „Dance for Kids“, bei denen die Freude an der Bewegung zur Musik im Vordergrund steht. Jeder durfte mitmachen, jeder konnte tanzen, und Eltern, Geschwister und Großeltern spendeten begeistert Applaus.
Ohne Ehrenamtlichen wäre das Fest nicht möglich
Am späten Nachmittag die Bigband Marialinden, eine Formation aus dem Blasorchester Marialinden. Sie schickte mit ihrem Leiter Manfred Austen den Jazz über die Dächer. Mirko Hellendahl, der immer gut gelaunte Moderator, redete sogar den Regen klein. Der kam, als Austen den Einsatz zum fetzigen Opener gab: „Let me entertain you“. „Ich habe die Wetter-App gecheckt: Höchstens zehn Minuten.“ Er hatte das Publikum auf seiner Seite. Regenjacke und Regenschirm kurz herausgeholt, dann ging es auf der Bühne weiter bis zum Abend.
Hinter der Leichtigkeit steckt harte Arbeit. Ein Fest dieser Größe kostet einen mittleren fünfstelligen Betrag. „Ohne Moos nix los“, wissen die Macher von OVplus. Partner wie Brock Immobilien und viele lokale Sponsoren bilden das Rückgrat. Doch die wahre Währung in Overath ist die Zeit. Mitglieder der KG „Spaß am Karneval“ oder die Handballer des SSV standen hinter dem Zapfhahn. Ehrenamtlich. Ohne sie wären die Küche kalt und die Gläser leer geblieben. Der Frühling kann kommen. In Overath ist er schon da.