Auf dem Gelände der ehemaligen Firma Seidel in Bornheim-Sechtem entsteht ein Logistikzentrum. Die Fertigstellung ist Mitte 2027 vorgesehen.
Nun fiel der SchornsteinDas Gelände der ehemaligen Firma Seidel in Sechtem ist im Wandel

Der Schornstein der alten Konservenfabrik war über Jahrzehnte eine Landmarke in der Bornheimer Ebene.
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Fasziniert, aber auch ein wenige sentimental beobachtete Horst Braun-Schoder, wie in weniger als zwei Minuten ein Baggerfahrer mit einem sogenannten Langarmbagger den gut 20 Meter hohen Schornstein auf dem früheren Werksgelände des einstigen Traditionsunternehmens „Konservenfabrik Georg Seidel GmbH & Co. KG“ zu Fall brachte. Viele alteingesessene Sechtemer hätten dort jahrzehntelang in der Obst- und Gemüsefabrik gearbeitet, schilderte der frühere Sechtemer Ortsvorsteher.
Das gusseiserne Firmenschild soll bewahrt werden
Auf dem rund 53.000 Quadratmeter großen Gelände türmen sich derzeit gewaltige Schuttberge, es stehen noch einige Mauerreste, das massive, kaum zu hebende gusseiserne Firmenschild liegt hinter einem Bauzaun auf dem Boden: „Es soll bewahrt werden“, meinte Braun-Schoder. Ob das riesige Emblem ins Stadtarchiv wandere, sei noch nicht klar, als möglichen Standort könne er sich das benachbarte „Blaue Haus“ der Sechtemer Dorfgemeinschaft vorstellen.

Das alte Firmenschild soll gesichert werden.
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Weichen werden auch die mittlerweile entkernte Villa der früheren Eigentümer und eine Häuserzeile mit Wohnungen, in denen bis vor einigen Monaten noch Seidel-Mitarbeiter gelebt haben, sagte einer der Mitarbeiter des Bauunternehmens der Rundschau. Damit sei dann Seidel nach mehr als 125 Jahren endgültig Geschichte, was auch der jetzige Ortsvorsteher Rainer Züge sehr bedauert, wie er vergangenen Oktober der Rundschau sagte: „Seidel und Sechtem, das ist untrennbar miteinander verbunden, das ist ein großer Verlust, denn dort wurden Produkte aus dem Vorgebirge auf kurzem Wege aus dem Vorgebirge verarbeitet.“
Noch etwas dürfte so manchem Sechtemer fehlen: Oft merkten die Einwohner am Wind, welche Obst- und Gemüsesorten dort gerade eingemacht wurden. Den Geruch von Sauerkraut spürt Braun-Schoder noch heute manchmal in der Nase. Nun wird dort der niederländische Projektentwickler „Delta Development“ seine Hallen aufschlagen. Das Unternehmen aus Hoofddorp hat sich auf nachhaltige Logistikimmobilien spezialisiert.

Ein sogenannter Langarmbagger brachte den gut 20 Meter hohen Schornstein auf dem früheren Werksgelände des einstigen Traditionsunternehmens „Konservenfabrik Georg Seidel GmbH & Co. KG“ zu Fall.
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„Zwischen den Metropolregionen Köln und Bonn entsteht ein modernes Logistikzentrum mit rund 32.500 Quadratmetern Gesamtnutzfläche und herausragender Infrastruktur“, heißt es in der Projektbeschreibung. Delta Development entwickelte das Vorhaben nach dem „Cradle-to-Cradle-Prinzip“ (C2C) und fokussiere sich auf eine effektive Reduzierung der CO₂-Emissionen bei Bau und Betrieb der Immobilie. Dazu kommen unter anderem fossilfreie Energieträger sowie Holz als nachwachsende Ressource zum Einsatz.
Rohstoffkreislauf nach dem Vorbild der Natur
Übersetzt heißt Cradle-to-Cradle von der Wiege zur Wiege und bezeichnet einen idealisierten, geschlossenen Rohstoffkreislauf nach dem Vorbild der Natur, bei dem alle Rohstoffe eines Produkts nach dem Nutzungszeitraum zu 100 Prozent im Kreislauf bleiben und wiederverwendet werden können. Müll soll es also nicht mehr geben, nur noch wiederverwertbare Stoffe. Der Entwickler lässt auf dem Gelände ein modernes Logistikzentrum mit drei Hallen in einem Umfang von 32.520 Quadratmetern Gesamtnutzfläche entstehen. Hinzu kommen 20 Lkw und 90 Pkw-Stellplätze sowie insgesamt 28 Laderampen.

Auf dem rund 53.000 Quadratmeter großen Gelände türmen sich derzeit gewaltige Schuttberge, es stehen noch einige Mauerreste.
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Innerhalb der drei unabhängigen Hallen können Einheiten von einer Größe ab 9000 und bis 20.000 Quadratmeter angemietet werden. Damit seien sie besonders für Nutzer aus dem Bereich Logistikdienstleistung geeignet. Manche Bürger befürchten nun, dass die Frequenz an Verkehr mit einem Logistikzentrum deutlich zunimmt: „Der Lieferverkehr bei der Firma Seidel war überschaubar“, beschreibt es Rainer Züge.
Durch die Wiederverwendung von Material und die Abfallvermeidung würden CO₂-Emissionen eingespart und der fossile Fußabdruckminimiert. Hinzu kämen Maßnahmen für eine CO₂-neutrale Energieversorgung in Form einer Photovoltaikanlage. Für das Projektstrebe Delta DGNB-Platin als höchste Zertifizierungsstufe der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen.

Innerhalb weniger Minuten war von dem Schlot nur noch ein Schuttberg übrig.
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„Köln-Bonn ist eine der größten Metropolregionen der Welt. Als Verkehrsknotenpunkt spielt sie eine bedeutende Rolle für den Warenaustausch in Westeuropa und ist darüber hinaus internationales Drehkreuz für den Transport auf Land-, Wasser- und Luftwegen. Logistikdienstleistern, die nach einem neuen Standort oder zusätzlichen Flächen für mehr Wachstum suchen, bieten wir ein zukunftsfähiges und nachhaltig errichtetes Zuhause. Wir freuen uns sehr über das Vertrauender Kommune, dass wir erneut ein Projekt realisieren dürfen und bedanken uns für die Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Gemeinsam wollen wir mit dem Vorhaben den Wirtschaftsstandortweiter stärken und die kommunale Entwicklung vorantreiben,“ sagt Edwin Meijerink, Delta-Development-CEO.
Aus des Traditionsunternehmens verdeutlicht bundesweiten Trend
Die Fertigstellung ist für Mitte 2027 vorgesehen. Damit entsteht in dem Gewerbepark bereits das zweite Logistikzentrum von Delta Development und trägt folglich den Namen „Sechtem II“. Im vergangenen Jahr wurde auf einer jahrelang 2,1 Hektar großen Brachfläche an der Ottostraße mit dem Bau des „Segro-Logistikparks“ begonnen. Segro ist ein britischer Industrieimmobilieninvestor.
Das Areal hatten früher mehrere Paketzusteller genutzt, nach deren Auszug verwilderte die Fläche und lag jahrelang brach. Laut Delta Development bietet die Halle, die in diesem Monat fertiggestellt wird, über 11.000 Quadratmeter flexible energieeffiziente Geschäftsfläche ebenfalls gebaut mit wiederverwertbaren Materialien.
Das Aus des Traditionsunternehmens Seidel verdeutliche laut Brancheninsidern einen bundesweiten Trend: Traditionelle Lebensmittelhersteller gerieten durch Globalisierung und Preiskampf zunehmend unter Druck.
