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Getötete FrauBonner Cellist bricht im Mordprozess das Schweigen

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Symbolbild.

Bonn – Sieben Prozesstage lang hatte der Angeklagte geschwiegen. Zwar hatte der 55-jährige Cellist gleich zum Auftakt über seine Verteidigerin eingeräumt, seine 50-jährige Ehefrau, eine Pianistin, „in der Eskalation eines Streits“ getötet zu haben. Aber über Details schwieg er sich aus. Nur so viel: Es sei um die Ehe gegangen und um den gemeinsamen Sohn. Gestern legte der 55-jährige Orchestermusiker vor dem Schwurgericht nach. Allerdings erneut mit Hilfe seiner Verteidigerin, die eine ausführliche neue Version vortrug. Sicher auch eine Version, die ihn vom Vorwurf einer heimtückischen Tat – also Mord – entlasten soll.

Am Morgen des 23. Oktober 2014 habe seine Frau ihm eröffnet, dass sie ihn mit dem gemeinsamen Sohn, damals zwölf Jahre alt, verlassen werde. Das sei eine für ihn „schockierende Nachricht“ gewesen. Die 50-Jährige saß am Laptop und suchte nach einer neuen Wohnung: Sie soll ihm vorgeworfen haben, dass er als Mann nichts tauge, er ein „Schlappschwanz„ sei und dass er zu Prostituierten gehe. Sie würde dafür sorgen, dass er den von beiden über alles geliebten Sohn nicht mehr sehen werde. Da sei ihm schwarz vor Augen geworden, er habe sich auf das Bett des Kindes gelegt und gebetet: „O Gott, lass das nicht wahr sein.“ Seine Frau aber habe ihn aufgefordert zu gehen, aus dem Zimmer, aus der Wohnung, aus ihrem Leben, er habe kein Recht dort zu sein. Ihre laute Stimme habe nicht aufgehört, ihn zu provozieren, so der Angeklagte. Dann wollte sie die Wohnung verlassen.

Da sei er in Panik geraten. Er habe einen Metallstab genommen, habe damit gedroht und schließlich zugeschlagen. „Ich weiß nicht mehr, was ich dabei gedacht habe. Ich denke, ich wollte sie töten. Das habe ich ja dann auch getan.“ Da die Pianistin sich heftig wehrte, fesselte er sie und erstickte sie mit einer Plastiktüte. Der Todeskampf muss länger als drei Minuten gedauert haben. Dann wickelte er sie in eine Decke und brachte sie ins Musikzimmer.

Erst am Abend des nächsten Tages fuhr er die Leiche in die Eifel: Hier hatte er im Sommer bereits ein Erdloch ausgegraben, „zur psychischen und physischen Entlastung“. Denn es habe viel Streit gegeben, auch habe er seine Frau, die ihn immer wieder provoziert habe, oft geschlagen. Er habe symbolhaft alles Schlechte zwischen sich und seiner Frau in das Loch getan. Es sei erleichternd gewesen. Später erst habe er sich über sich selber erschrocken – und sich für paranoid gehalten. In der Nacht habe er das Loch noch vergrößert und seine Frau verscharrt. „Dann verstrickte ich mich in viele, schreckliche Lügen.“ So meldete er seine Frau als vermisst, sie sei nach Belgien gefahren, um Geschenke für den Sohn zu kaufen und dann verschwunden. 14 Tage später wurde er verhaftet und hatte bei der Polizei ein erstes Geständnis abgelegt.

„Ich kann kaum glauben, dass ich Kate getötet habe“, ließ der Angeklagte gestern seine Anwältin vorlesen, während er sein Gesicht mit den Händen bedeckte. „Es ist so undenkbar, unvorstellbar.“ Auch sei unfassbar, das er beide, seine Frau und seinen Sohn, der bei den Großeltern lebt, nicht mehr erleben werde. „Ich schäme mich für alles und bereue es sehr.“

Dem Angeklagten gegenüber: Die Mutter der Getöteten auf der langen Bank der Nebenkläger. Auch sie hielt bei dem grausigen Bekenntnis ihres einstigen Schwiegersohnes die Hände vors Gesicht.