„Bröckers + Gülden“ öffnet am 21. März zum letzten Mal. Treue Kunden nutzen die Gelegenheit, um sich mit Schreibwaren einzudecken.
Aus nach 43 JahrenSchreibwarengeschäft „Bröckers + Gülden“ in Meckenheim schließt

Das Schreibwarengeschäft „Bröckers + Gülden“ am Neuen Markt in Meckenheim schließt nach 43 Jahren. Michael Gülden ist der Inhaber.
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„Nehmen Sie noch Bestellungen an?“, möchte eine Kundin an der Kasse wissen. Eine berechtigte Frage, denn das Schreibwarengeschäft „Bröckers + Gülden“ am Neuen Markt in Meckenheim schließt – nach 43 Jahren.
Am Samstag, 21. März, öffnet das Geschäft zum letzten Mal. „Der Räumungsverkauf läuft gut“, sagt Inhaber Michael Gülden. Die Regale im hinteren Bereich des Ladens sind bereits leer, im Lager befinde sich fast nichts mehr – Weihnachtsdeko steht neben der für Ostern.
Der Abschied fällt schwer
Die Miete für das Ladenlokal zu erwirtschaften, sei zuletzt „nicht ganz einfach“ gewesen, so Gülden. Nicht nur die Personalkosten, auch die allgemeinen Kosten seien gestiegen „und dass die wieder fallen, ist nicht abzusehen.“ Außerdem habe sich das Kaufverhalten der Kundschaft verändert. Viele würden inzwischen online einkaufen.

Den Räumungsverkauf nutzen viele Kunden, um sich mit Schreibwaren einzudecken.
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Die Suche nach einem Nachfolger sei erfolglos gewesen, also müsse „Bröckers + Gülden“ schließen „bevor es zum großen Knall kommt.“ Wer das Ladenlokal ab April mietet, wisse Gülden nicht. Für den Vermieter habe er einen Aushang gemacht. „Hoffentlich kommt es nicht zum Leerstand. Das ist für das Stadtbild nicht schön.“
Kundinnen und Kunden nutzten die letzte Gelegenheit, um sich mit Schreibwaren einzudecken, die sie sonst über längere Zeit gekauft hätten – und um sich zu verabschieden. Einige erzählen Anekdoten, die sie mit „Bröckers + Gülden“ verbinden. „Eine Uroma erzählte, sie habe hier im Laden den Schulranzen für die vierte Generation ihrer Familie gekauft“, sagt Michael Gülden. „Da kriege ich Gänsehaut.“
Eine Uroma erzählte, sie habe hier im Laden den Schulranzen für die vierte Generation ihrer Familie gekauft. Da kriege ich Gänsehaut.
Kundinnen und Kunden brachten Briefe vorbei, in denen sie sich bedankten. „Das berührt einen wirklich“, sagt der 49-Jährige. „Leichter macht das die Schließung nicht, aber die Worte kommen von Herzen und das tut gut.“ Nicht nur Stammkunden verschlage es dieser Tage zu „Bröckers + Gülden“: Das große Banner über der Ladentür ziehe auch ganz neue Kunden an.
Gülden erinnert sich: „Mein Bruder und ich konnten gerade so über die Theke gucken“ als der Großvater Ernst Bröckers und die Mutter Sigrid Gülden 1983 das Schreibwarengeschäft eröffneten. „Wir sind mit dem Laden großgeworden und haben von klein auf mitgeholfen.“

Die Regale im hintern Teil des Ladens sind schon leer und werden auch nicht mehr aufgefüllt.
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Eigentlich war Ernst Bröcker der Meinung gewesen, bereits zu alt zu sein, um einen neuen Laden zu eröffnen. Sigrid Gülden habe ihren Vater gefragt, was er im Ruhestand stattdessen vorhabe: „Willst du den ganzen Tag Enten füttern?“ Wollte er nicht, also habe sich der Großvater überreden lassen. Der Neue Markt entwickelte sich zur „1A-Lage“ für ein Schreibwarengeschäft – mit dem Schulcampus Meckenheim und einigen Arztpraxen direkt um die Ecke.
Während sein zwei Jahre jüngerer Bruder Andreas eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker vorzog, absolvierte Michael Gülden seine Ausbildung im Schreibwarengeschäft „JF. Carthaus“ in Bonn, stieg 1998 ins Familiengeschäft ein und führte den Laden mit seiner Mutter Sigrid. „Es ist nicht immer leicht, mit zwei Kapitänen ein Schiff zu steuern, aber wir haben das gut hingekriegt“, beschreibt er die Zusammenarbeit mit seiner Mutter und lacht: „Ich habe viel von ihr gelernt.“ Dankbar sei Gülden auch dafür, dass ihm die inzwischen 71-Jährigen bei der Schließung beistehe – obwohl es ihr selbst alles andere als leichtfalle – und trotz Ruhestand wieder im Laden aushelfe.
Trendprodukte und Saisonartikel
In vier Jahrzehnten habe sich das Sortiment immer wieder verändert. „Bröckers + Gülden“ habe so manchen Trend mitgemacht – ob Briefpapier mit Diddl-Maus, Nici-Plüschtiere und -Schreibwaren oder Matchbox-Autos. Trendprodukte kamen und gingen, sorgten aber immer für gute Einnahmen, berichtet Gülden. Ziemlich neu im Sortiment seien Tintenroller – Stifte, die sich zwischen dem Füller und dem Kugelschreiber bewegten, die man aber wegradieren könne.
Bastelbedarf finde immer Abnehmer. Zum 1. Mai sei vor allem Krepppapier, zum Schmücken von Maibäumen beliebt. Und obwohl Kinder und Jugendliche in der Schule mittlerweile Tablets benutzten, verkauften sich Füller und Hefte weiterhin gut. Gülden hatte befürchtet, dass E-Mails die Postkarte gänzlich verdrängen könnten. Weil dem nicht so sei, gebe es bei „Bröckers + Gülden“ Karten für jedem Anlass. „Besonders klasse“ findet Gülden es, wenn er eine Karte zum 100. Geburtstag verkaufen kann.
Ranzenberatung lockte Kunden nach Meckenheim
Der größte Verkaufsschlager des Schreibwarengeschäfts seien Schulranzen. Die „Ranzenberatung“ nutzten Kundinnen und Kunden über Meckenheim und den Bonner Raum hinaus. „Manchmal geht das Aussuchen ganz schnell, manchmal dauert das bis zu einer Stunde“, so Gülden.
Vorwiegend zwei Marken verkauft er: „Ergobag“ und „Step by Step“. Drei oder vier Modelle gibt es je Hersteller. Die angehenden Schulkinder probieren, welches ihnen am besten passt – und weil Kinder möglicherweise doch eher nach Motiv als nach Passform aussuchen, hatte Gülden jedes Motiv in den verschiedenen Modellen vorrätig. „Früher war Scout Marktführer für Schulranzen, heute sind es Ergobag und Step by Step. Die Ranzen sind leicht und verstellbar, wachsen also mit.“ Becken- und Brustgurt hätten sich die Hersteller von Wanderrucksäcken abgeguckt, so Gülden.

Im Räumungsverkauf gibt es bis zu 50 Prozent Rabatt.
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Dass sich manche Kunden im Laden beraten lassen, um dann doch online zu kaufen, ärgert Gülden. Bei „Bröckers + Gülden“ gab es zum Kauf des Ranzens deshalb einen Malkasten als Giveaway dazu, „um die Online-Konkurrenz auszustechen.“
Jetzt gibt es im nur noch eine kleine Auswahl an Schulranzen. Einige Kundinnen und Kunden hätten zuletzt noch zugeschlagen. Das liege nicht allein am Rabatt, weiß Gülden. Februar und März seien ohnehin die Zeit, in denen er immer viele Ranzen verkauft habe. Denn da kommen die neuen Motive raus.
Und was hat dem Inhaber an seinem Schreibwarenladen meisten Spaß bereitet? „Die strahlenden Augen der Kinder, wenn sie ihren Ranzen gefunden haben.“ Außerdem „das tolle Personal“ mit dem „die Zusammenarbeit richtig Spaß gemacht“ habe, und natürlich die vielen netten Kundinnen und Kunden. Und dass „Bröckers + Gülden“ Meckenheimer Vereine wie den Bürgerverein oder die Tanzgruppe „Tiptoes“ durch den Verkauf von Karten für deren Veranstaltungen im Geschäft unterstützen konnte.
Zurückschicken oder spenden
„Man denkt, man hatte zwei Kinder in der Schule und kennt deshalb alles“, sagt Mitarbeiterin Rita Höhfeld. Im Schreibwarengeschäft sei sie eines Besseren belehrt worden. Vier Angestellte gehörten zum Team, das durch Auszubildende und Schülerpraktikanten unterstützt worden ist.
„Den Schulranzen für meinen Neffen muss ich jetzt woanders kaufen“, bedauert eine Kundin. Eigentlich wollte sie nur einen Hefter kaufen, aber die Acrylregaleinsätze zum Sonderpreis haben es ihr angetan. „Die kriege ich aber ja gar nicht bis zum Auto“, fürchtet sie. Kein Problem für Michael Gülden: Während die Kundin bezahlt, holt er kurzerhand einen Karren, um die Regaleinsätze zum Parkplatz zu transportieren.
Was er im Räumungsverkauf nicht loswerde, gebe Michael Gülden an den Lieferanten zurück. „Die Produkte, die ich weder zurückschicken noch verkaufen kann, möchte ich spenden.“ Dafür hat Michael Gülden bereits einige Meckenheimer Vereine im Sinn, darunter der Lions-Club und die Ukrainehilfe.
