Abo

Seit sie acht Jahre alt warStiefvater aus Rheinbach missbrauchte Tochter seiner Frau

3 min
Das Landgericht in Bonn

Das Landgericht in Bonn.

Ein 50-Jähriger ist wegen sexuellen Missbrauchs seiner Stieftochter vom Landgericht Bonn zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.

Er nannte sie „Prinzessin“ und soll sie verwöhnt haben – dennoch tat der Stiefvater seiner Stieftochter schwere Gewalt an: Wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes in 21 Fällen hat eine Jugendkammer des Bonner Landgerichts am Freitag einen Berufskraftfahrer zu fünf Jahren Haft verurteilt. Zudem muss der 50-Jährige der heute 18 Jahre alten Frau ein Schmerzensgeld von 30.000 Euro zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Mann und die Mutter des späteren Opfers hatten sich 2009 im münsterländischen Bocholt kennengelernt; er fuhr den Bus, in dem die Alleinerziehende mit ihrer damals ein Jahr alten Tochter auf dem Weg zur Kita saß. Aus der Zufallsbegegnung wurde offenbar Liebe, 2009 heiratete das Paar und zog nach Rheinbach, zwei Jungen, die dort geboren wurden, vervollständigten die Familie. Der Kraftfahrer habe das Mädchen wie seine eigene Tochter behandelt, sie nannte ihn „Papi“, während sie den leiblichen Vater mit Vornamen ansprach.

Übergriffe sogar im Ehebett, während die Mutter neben ihnen schlief

Ab Anfang 2016 soll er übergriffig geworden sein: Die Achtjährige musste ihn berühren, das gehöre zum „normalen Zusammensein von Vater und Tochter“, soll er ihr erklärt haben. Als sie nicht mehr wollte, soll er mit Entzug seiner Zuneigung gedroht haben, sodass das Kind ihm wieder zu Willen war, auf der Eckbank in der Küche, im Bad, in einer Dachkammer und sogar im Ehebett, während die Mutter neben ihnen schlief.

Die Taten hörten auch nicht auf, als sich das Paar 2018 trennte, die Ehefrau konnte laut Gericht seine alkoholbedingten Streitereien und gewaltsamen Ausbrüche nicht mehr ertragen. Der Stiefvater zog daraufhin in eine kleine Wohnung nach Bonn, wo ihn die Kinder besuchten und er nach Erkenntnissen der Kammer die Stieftochter weiter missbrauchte. Sollte sie davon erzählen, kämen „böse Jungs“ zu ihr, habe er gedroht. Erst als sie nicht mehr zu ihm kam, im September 2021, endeten die Übergriffe.

Opfer vertraute sich drei Jahre nach dem Ende der Übergriffe Freunden an

Das Opfer behielt danach drei Jahre das düstere Geheimnis für sich, erst auf einer Geburtstagsfeier am 30. August 2024 brach es aus ihr heraus: Das Mädchen hatte Alkohol getrunken und vertraute sich zwei Freunden an, die umgehend ihre Mutter informierten. Es dauerte danach noch einmal drei Monate, bis Mutter und Tochter nach einem Gespräch mit einer Beratungsstelle im Dezember 2024 zur Polizei gingen und den Stiefvater anzeigten. Der machte jetzt im Prozess von seinem Recht zu schweigen Gebrauch, so dass die Kammer ihr Urteil vor allem aufgrund der Zeugenvernehmung der heute 18-Jährigen fällen musste.

Das Gericht hatte keinen Zweifel, dass die Zeugin die Wahrheit gesagt habe. „Wir haben das Paradebeispiel einer glaubhaften Aussage erlebt“, so Kammervorsitzende Stephanie Johann to Settel. Dem Opfer geht es nicht gut. Ihre Tochter, so berichtete die Mutter, zucke zusammen, wenn sich ihr ältere Männer näherten: „Sie wurde um ihre Kindheit gebracht“.