Im LVR-Landesmuseum Bonn werden spektakuläre archäologische Funde aus Nordrhein-Westfalen präsentiert, darunter 380 Millionen Jahre alte Korallenriffe.
Schau in BonnLVR-Landesmuseum zeigt Auswahl spektakulärer archäologischer Funde

Spannende Funde aus dem Rheinland: Die neue Ausgabe der Schau „Archäologie im Rheinland“ im LVR-MuseumBenjamin Westhoff
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Wo immer Bagger anrollen, ist zumindest in so lange und dicht besiedelten Städten wie Köln oder Bonn die Nervosität groß. Bei Bauherren und -unternehmen, weil sie befürchten, dass archäologische Funde die Arbeiten unterbrechen, und bei den Forschern, weil sie hoffen, wertvolle Spuren und Funde gerade noch sichern zu können.
Über 800 „Maßnahmen“ hatte das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland zu bearbeiten, berichtet dessen Chef Erich Claßen, von der „Notbergung“ bis zur Begleitung einer Baumaßnahme, „alles, was ein archäologisches Ergebnis bringt“. 2025 war sehr ergiebig, wie die dichte Vortragsliste der Tagung „Archäologie im Rheinland“ belegt, die am 2. und 3. Februar traditionell im LVR-Landesmuseum Bonn stattfand und von einer Präsentation der spektakulärsten Funde begleitet wird.
380 Millionen Jahre alt
Es ist eine spannende Zeitreise, die mit der Erkenntnis beginnt, dass sich das heutige NRW vor 380 Millionen Jahren, als Kontinente und Meere noch nicht final sortiert waren, auf der Südhalbkugel und unter einem Flachmeer mit Schwämmen, Riffen und Korallen befand und sich eines tropischen Klimas erfreute.
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In Dahlem, Kreis Euskirchen, wurden beim Gartenbau Reste eines Korallenriffs aus jener Zeit gefunden. Von den Scherben verzierter und eingefärbten Keramiken aus Swisttal-Odendorf (mittlere Jungsteinzeit) über Grabfunde verschiedener Epochen und den Spuren eines beim Tagebau Garzweiler freigelegten Siedlungsplatzes aus der mittleren Eiszeit geht die Zeitreise zu Fundorten der Römerzeit, des Mittelalters und fast bis in die Gegenwart. Etwa mit den Resten der 1849 gegründeten und bei Bauarbeiten entdeckten Ultramarinfabrik Curtius in Duisburg: Ein blaues Wunder – bestehend aus leuchtend blau verfärbten Mauern und Becken, Pigmentfläschchen und blauen Mahlkugeln.

Besonderes Schmuckstück: Die Terrakotta-Statue aus dem 19. Jahrhundert.
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Gleich mehrere Zeitschichten legten aktuelle Grabungen am Kölner Heumarkt frei, der seit dem 10. Jahrhundert bebaut – und im Sommer 1943 durch Bomben dem Erdboden gleichgemacht wurde. Der Kölner Bodendenkmalexperte Gregor Wagner spricht von einer aussagekräftigen Zeitkapsel. Denn im Kriegsschutt fand sich nicht nur das Inventar einer Gaststätte mit Geschirr und Besteck, Likörglas und Kaviar-Döschen vom Niederrhein, wo es damals noch eine Lachsfischerei gab. Außerdem ein Porzellanuntersetzer für Bierkrüge, Senf aus Ehrenfeld, Coca-Cola-, Afri-Cola- und Sinalcoflaschen. Wohl auch zu der zerbombten Gaststätte gehörte der Griff einer Toilettentür, der auf „gesperrt“ steht. Eine Schuttschicht tiefer öffnete sich ein mittelalterliches Panorama mit einer Siegburger Kanne, Töpfchen aus Steinzeug für Salben oder Arznei, sowie Murmeln, zwei Heiligenfiguren, einem verzierten Spielstein aus Knochen von einem Tric-Trac-Spiel, einer hoch- und spätmittelalterlichen Variante von Backgammon, und einer bronzenen Hundefigur.
Aus Bonn zeigt die Schau eine seltene, fein gearbeitete römische Theatermaske, von der in der Welschnonnengasse sechs Fragmente entdeckt wurden. Die weiße Tonmaske hat einen Blattkranz mit Resten rosafarbener Bemalung auf der Stirn. Wie das besser erhaltene zweite Exemplar aus Köln zeigt – ein älterer Fund –, zeichneten sich solche Schauspieleraccessoires durch karikaturhafte Gesichtszüge aus. Claßen vermutet, dass die Maske als architektonischer Schmuck diente. Vielleicht in den Säulengängen im Bereich der Vorstadt des Bonner Legionslagers.
Aus Anatomischem Institut
Spektakuläre Spuren förderten schließlich die Arbeiten am Archäologischen Kunstmuseum am Hofgarten zutage. Bei der Sanierung fanden sich im Bauschutt 23 Bruchstücke einer Terrakotta-Statue: die Rückseite einer Figur mit einem Gewand und Resten einer gelben Bemalung. Wen die Figur darstellte, darüber rätseln die Forscher. Sie gehört jedenfalls in den Kontext des 1822/23 hier errichteten Anatomischen Instituts.
Jens Schubert vom Amt für Bodendenkmalpflege verweist auf gesicherte Wagenspuren von den Leichenkarren bis zu vergrabenen Leichenteilen im Umfeld des Instituts – und die Belastung durch damals verklappte Schwermetalle und Quecksilber, „das zeigt, was alles bei Ausgrabungen relevant ist – nicht nur die schönen Funde“.
