Abo

Verliebt in ein SkateboardDas bietet die neue GOP-Show „Seasons“ in Bonn

3 min
Berührendes Duett: Amélie Granger und Carl Turner an den Strapaten, langen, von der Decke hängenden Bändern mit Hand- und Fußschlaufen.

Berührendes Duett: Amélie Granger und Carl Turner an den Strapaten, langen, von der Decke hängenden Bändern mit Hand- und Fußschlaufen.

Bis zum 12. April bringt die Compagnie Flip Fabrique aus Kanada eine überaus poetische und herzerwärmende Inszenierung auf die Bühne. Neun Artistinnen und Artisten nehmen das Publikum mit auf eine akrobatische Reise durch Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

Ein kuscheliger Dachboden mit Schirmlampe, einer vergessenen Winterjacke, allerlei Plunder und einem verstaubten Fotoalbum, dessen vergilbte Bilder Erinnerungen wecken – an Frühlingsgefühle, Sommerhitze, fallende Blätter und Schneeballschlachten. Mit der Produktion „Seasons“ startet das GOP-Theater Bonn ins Jahr 2026, in dem das zehnjährige Bestehen des Varietés an der Karl-Carstens-Straße 1 gefeiert wird.

Leichtigkeit und Lebensfreude

Bis zum 12. April bringt die Compagnie Flip Fabrique aus Kanada eine überaus poetische und herzerwärmende Inszenierung auf die Bühne. Neun Artistinnen und Artisten nehmen das Publikum mit auf eine akrobatische Reise durch Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Sie spielen dabei ungeschminkt, mit Leichtigkeit und viel Lebensfreude. Dabei erzählt „Seasons“ keine konventionelle Geschichte, sondern reflektiert wie in einem Theaterstück ohne Worte Stimmungen, Emotionen und die Dynamik der Natur subtil durch Bewegung, Jonglage, Hula-Hoop, Drahtseil-Akrobatik, Korpustanz (Cyr Wheel) und Trampolin-Performance. Aufgekratzt umtanzt das Ensemble, das ganz ohne aufwendige Kostüme daherkommt, eine große Kiste. Dreht sie mal nach rechts, mal nach links, stellt sie auf den Kopf, schiebt sie über die Bühne und wieder zurück – bis ein zaghaftes Klopfen aus dem Innern zu hören ist und der Container eine ziemlich benommene Raphaëlle „Raphi“ Pépin freigibt.

Ausgelassene Sommerstimmung auf der GOP-Bühne.

Ausgelassene Sommerstimmung auf der GOP-Bühne.

„Raphi“ als verschmähte Strandschönheit

Die Clownin ist die zentrale Figur in „Seasons“, sorgt mit ihren tollpatschigen Auftritten oder als verschmähte Strandschönheit, deren Angebeteter seine Zuneigung lieber einem Skateboard schenkt, immer wieder für Lacher („Alles gut!“), zeigt aber auch ihr artistisches Können als Trapezkünstlerin. Sie hat wie die meisten Mitglieder des Ensembles an der Zirkusschule von Quebec studiert und ihren Abschluss gemacht. Während der Corona-Zeit konnte sie als Clownin mit Maske die Schulleitung überzeugen, das Trapez benutzt sie inzwischen eher, um eigene lustige Ideen umzusetzen. „Sie ist tatsächlich sehr lustig – auf und hinter der Bühne“, findet auch Bruno Gagnon, der künstlerische Direktor und Mitgründer von Flip Fabrique.

Liebeserklärung in der Luft

Besonders berührend sind die Duette: So zeigen Amélie Granger und Carl Turner eine Choreographie an den Strapaten, langen, von der Decke hängenden Bändern mit Hand- und Fußschlaufen. Ihre Vorführung ist eine Liebeserklärung in der Luft. Das Publikum wird nicht nur von der artistischen Leistung in seinen Bann gezogen, sondern gleichermaßen von der Hingabe und innigen Verbindung des Paares. Auch das französische Duo Babou Sanna und Rémi Orset fasziniert – mit waghalsiger Einrad-Akrobatik und synchroner Jonglage, die auf eine langjährige Freundschaft zurückgeht. Sanna bleibt zudem als Sonnenschein des Ensembles nachhaltig in Erinnerung.

Schwebende Bewegungen im Cyr Wheel

Louis Chardain, der in Bonn seine GOP-Premiere feierte, brilliert mit einer modernen Hut-Jonglage und auch die weiteren Ensemblemitglieder wie Valérie Bédard (Hula Hoop), Ania Lewandowska aus Polen (Cyr Wheel und Vertikaltuch) und der Belgier Sébastien Van de Walle (Trampo Wall) katapultieren das Publikum mit Körperdrehungen und Tricks von einer Jahreszeit in die nächste. Lewandowska steht seit ihrem 13. Lebensjahr auf der Bühne und arbeitete bereits mit dem bekannten Cirque du Soleil zusammen. Ihre reduzierten, schwebenden Bewegungen in dem Metallrad, das in vielen modernen Zirkusproduktionen das Rhönrad abgelöst hat, strahlten eine meditative Ruhe aus.

Die Vorstellung dauert etwa zwei Stunden inklusive Pause; gespielt wird von Dienstag bis Sonntag. Tickets sind ab 39 Euro erhältlich. In den Osterferien, vom 27. März bis zum 12. April, erhalten Kinder bis 14 Jahre in Begleitung eines zahlenden Erwachsenen freien Eintritt. Tickets unter www.variete.de oder telefonisch: (0228) 422 41 41.