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BürgerbefragungStadt will neues Konzept für den Einzelhandel entwickelt

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Für den Handel und Wandel der nächsten zehn bis 15 Jahre will die Stadt mit einem neuen Konzept die Weichen stellen.

  1. Die Stadt Leverkusen will mit einem neuen Einzelhandelkonzept die Antwort auf die Frage finde, was die Leverkusener Bevölkerung benötigt.
  2. Dabei wird es nicht nur um Geschäfte gehen, sondern auch um die scheinbar unaufhaltsame Zunahme von Spielhallen und Wettbüros.

Leverkusen – Was braucht die Leverkusener Bevölkerung an welcher Stelle? Und was ist da, wo es sich derzeit befindet, fehl am Platze? Diese Fragen und noch eine Reihe weiterer will die Stadt mit einem neuen Einzelhandelskonzept beantworten, das die Entwicklungen der kommenden zehn bis 15 Jahre steuern soll. Und dabei wird es nicht nur um Geschäfte gehen, sondern auch um die scheinbar unaufhaltsame Zunahme von Spielhallen und Wettbüros, wie Oberbürgermeister Uwe Richrath gestern im Rathaus vor der Presse ankündigte.

Zwei Erhebungen

Grundlage aller Überlegungen sollen zwei Erhebungen sein, mit denen das Kölner Gutachterbüro „CIMA“ in den nächsten Tagen beginnen wird. Wolfgang Haensch, der auch am Opladener Stadtteilentwicklungskonzept beteiligt ist, will dafür nicht nur alle Einzelhandelsbetriebe in Leverkusen nach Standort, Inhaber und Angebot ermitteln, sondern auch 1000 Passanten befragen lassen. Der Fragenkatalog soll dabei weit über ein Projekt der Universität Köln hinausgehen, die 828 Kunden in Wiesdorf, Opladen und Schlebusch befragt und die Ergebnisse vor genau einem Jahr der städtischen Wirtschaftsförderung zur Verfügung gestellt hatte (wir berichteten).

Baudezernentin Andrea Deppe erinnerte in diesem Zusammenhang auch an das erste Einzelhandelskonzept der Stadt von 2002, das 2008 fortgeschrieben worden sei. Die demografische Entwicklung, das Internet, neue Gesetze und das Kundenverhalten hätten die Welt inzwischen aber derart verändert, dass die Erkenntnisse des vorigen Jahrzehnts in weiten Teilen nicht mehr gültig seien.Eine Aktualisierung der Basisdaten und der sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen sei deshalb überfällig. Über die neugewonnenen Erkenntnisse, so Uwe Richrath, werde die Stadt sich dann als nächstes mit der Wirtschaftsförderung, den Leverkusener Werbe- und Fördergemeinschaften, dem Einzelhandelsverband und der Industrie- und Handelskammer Gedanken machen, bevor in drei Bürgerversammlungen auf Bezirksebene auch die Bevölkerung zu Wort komme.

Analyse der drei Stadtzentren

Am Konzept der drei Stadtzentren soll dabei nicht gerüttelt, wohl aber definiert werden, wo diese Zentren anfangen und wo sie aufhören, was zu einem unverzichtbaren Innenstadtsortiment gehört, was eher im Internet bestellt wird und welche Angebote womöglich als störend empfunden werden. Häufig wird in diesem Zusammenhang über Backshops, Handyläden, Wettbüros und Spielhallen geklagt, weiß die Baudezernentin, die gleichwohl Hoffnungen auf baldige Besserung dämpft.Zum einen gehe es bei dem neuen Einzelhandelskonzept nicht darum, in den marktwirtschaftlichen Wettbewerb einzugreifen, zum anderen gewähre die derzeitige Rechtslage auch unerwünschten Betrieben Bestandsschutz. Und trotz der heute schon hohen Zahl an Spiel- und Wettanbietern lägen der Stadt eine ganze Reihe von Anfragen für weitere Genehmigungen vor.

An einem Strang ziehen

Diese Anträge abzulehnen, so Deppe, sei baurechtlich zwar nicht ganz einfach, aber dennoch möglich, wenn es denn juristisch sauber begründet werde. Deshalb seien Politik und Verwaltung – wie aktuell auch beim Opladener Stadtteilentwicklungskonzept – bestrebt, mit den Hauseigentümern an einem Strang zu ziehen, die die Ladenlokale letztlich vermieten. Stadtplanerisch gehe es im Interesse einer wohnortnahen Versorgung ohnehin eher um großflächigen Einzelhandel jenseits von 800 Quadratmetern, der den kleineren Kaufleuten das Wasser abgraben könnte.

Die von Wolfgang Haensch angekündigte Erhebung der Leverkusener Einzelhandelsbetriebe wird etwa drei Monate dauern. Zusammen mit den Ergebnissen der Kundenbefragung, mit der bereits am heutigen Gründonnerstag begonnen werden soll, tritt die Stadt dann voraussichtlich unmittelbar nach den Sommerferien in den Dialog mit der Wirtschaft. Für Anfang kommenden Jahres sind schließlich die Bürgerversammlungen geplant, bevor die Politik das neue Einzelhandelskonzept als Richtlinie für die künftige Entwicklung der Stadt beschließt.