Neben dem Schreckmoment um Rennfahrer Alex Hardt beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring sorgt auch das Wetter für Chaos an der Nordschleife.
Feuer-UnfallMechernicher kassiert Strafe für Horror-Moment beim „24h“ am Nürburgring

Der Mechernicher Rennfahrer Alex Hardt sorgte für einen Schreckmoment beim Qualifyng des 24-Stunden-Rennens.
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Es war eine Schrecksekunde, es war eine Sache von nur wenigen Zentimetern, die zwischen „Glück gehabt“ und Motorsportdrama entschieden – und das bevor das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring überhaupt richtig Fahrt aufgenommen hatte.
Was war passiert? Der Mechernicher Black-Falcon-Pilot Alexander Hardt war beim ersten Qualifikationstraining verunfallt und fast von einer anderen Starterin überfahren worden, weil sich Hardt nicht in Sicherheit gebracht hatte, sondern bei seinem havarierten Fahrzeug stehengeblieben war.
300 Euro Strafe für Alex Hardt nach Crash im Qualifikationslauf
Mittlerweile ist klar: Der schwere Unfall hat ein Nachspiel. Die Rennleitung belegte den Mechernicher mit einer Geldstrafe von 300 Euro, weil er sich nach dem Zwischenfall nicht schnell genug in Sicherheit gebracht haben soll. Grundlage dafür ist ein Verstoß gegen Artikel 13.9 des DMSB-Rundstreckenreglements.
Hardt zeigte im offiziellen Livestream Verständnis für die Entscheidung und gestand seinen Fehler offen ein. „Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert. Ich hatte wirklich Glück“, erklärte der erfahrene Porsche-Pilot. Rückblickend sei klar, dass er sich sofort weiter vom Fahrzeug hätte entfernen müssen.

Der Euskirchener Rennfahrer Tobias Müller beim Racing Day in Adenau.
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Nachdem Hardt seinen brennenden Porsche zunächst verlassen hatte, lief er jedoch noch einmal zurück, um die Streckenposten auf der gegenüberliegenden Seite auf das Feuer aufmerksam zu machen. Sein Gedanke dabei: Das Team müsse mit dem Fahrzeug schließlich noch das 24-Stunden-Rennen bestreiten.
Auslöser des Vorfalls war laut Hardt eine Warnmeldung mit dem Hinweis „Fuel Pressure“, die er in der Kehre auf dem Display seines Fahrzeugs erhielt. Kurz darauf habe der Porsche auf der Bergauf-Passage spürbar Leistung verloren und sei schließlich ausgerollt.
Erst von Auto entfernt, dann wieder zurückgegangen
Der Fahrer versuchte noch, den Wagen möglichst weit rechts abzustellen, sah dafür wegen des dichten Verkehrs jedoch keine Möglichkeit mehr. Weil das Problem bereits zuvor aufgetreten war, wollte Hardt den Porsche neu starten, in der Hoffnung, die Fehlermeldung damit zu beseitigen. Noch bevor er dazu kam, bemerkte er im Rückspiegel bereits die Flammen.
Zunächst brachte sich Hardt in Sicherheit, näherte sich dem brennenden Auto dann jedoch erneut – eine Entscheidung, die sich im Nachhinein als gefährlich und teuer erwies. Die Streckenposten hatten zu diesem Zeitpunkt bereits Doppel-Gelb geschwenkt. Dennoch konnte Janina Schall im WS-Porsche #146 die Kollision mit dem stehenden Fahrzeug nicht mehr verhindern und prallte ins Heck des Black-Falcon-Porsche.
Aus für Carrie Schreiner, bevor es überhaupt losgegangen ist
Auch gegen Schall wurde zunächst ermittelt. Die Sportkommissare kamen jedoch nach Sichtung der Onboard-Aufnahmen zu dem Ergebnis, dass die Fahrerin keine Schuld an dem Unfall trägt, da sie keine realistische Chance hatte, den Zusammenstoß zu vermeiden.
Während der Porsche des „Girls-Only“-Projekts durch den Unfall irreparabel beschädigt wurde und damit für das diesjährige Rennen ausfällt (womit auch das Rennen für die Euskirchenerin Carrie Schreiner beendet ist, bevor es gestartet wird), konnte Black Falcon schnell reagieren. Bereits am Donnerstagabend stand ein Ersatzfahrzeug – ebenfalls ein Porsche 911 GT3 Cup – in der Box bereit.
Team Black Falcon will beim 24-Stunden-Rennen starten
Hardt bestätigte, dass es sich um ein anderes Auto handelt, lobte aber zugleich die enorme Leistung seines Teams, das innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Komponenten umgebaut und angepasst habe. Dabei kam dem Rennstall zugute, dass sich der Firmensitz in unmittelbarer Nähe des Nürburgrings im Gewerbegebiet Meuspath befindet.
Den Freitag nutzte das Team vor allem für Tests, technische Arbeiten und die Feinabstimmung. Deshalb verzichtet Black Falcon auf weitere Fahrten und muss das Rennen am Samstag aus den hinteren Startreihen aufnehmen. Vorrang habe nun, das „24h“ ohne technische Probleme und möglichst ohne weitere Zwischenfälle zu überstehen.
So schlecht sind wir noch nie in ein 24-Stunden-Rennen gestartet. Wir geben nicht auf, aber es ist schon hart.
Auch für das Obergartzemer Team um Christoph Breuer und Danny Kubasik läuft es auf dem Ring noch nicht rund. „Es ist einfach nur der Wurm drin. Wir haben keine Leistung, eine Zündkerze läuft nicht mit“, so Kubasik: „So schlecht sind wir noch nie in ein 24-Stunden-Rennen gestartet. Wir geben nicht auf, aber es ist schon hart.“
Und dann spielt da auch noch das Wetter eine wichtige Rolle. Das Abend-Qualifying fiel buchstäblich ins Wasser. „Um kurz zu sagen, draußen ist es eine absolute Katastrophe. Wir haben an mehreren Stellen Grand Prix-Strecke sowie Flugplatz, Fuchsröhre und so weiter Richtung Breitscheid runter absolut stehendes Wasser. Die Temperaturen machen es auf jeden Fall nicht besser“, sagte der Euskirchener Porsche-Pilot Tobias Müller.
„Auf jeden Fall massives Aquaplaning, Aufschwimmen und so weiter. Dazu kommt, dass wir dann Richtung Brünnchen wieder eine komplett trockene Strecke haben, beziehungsweise eine Ideallinie, die trocken ist. Bei dem einsetzenden Nebel ist es dazu noch relativ schwierig diese Linie zu treffen“, so Müller weiter.
Aber nicht nur für die Piloten ist das Wetter rund um den Nürburgring wieder mal eine Herausforderung. Für die 200.000 Zuschauer, die größtenteils bereits seit Tagen rund um die Nordschleife campen, ist das 24-Stunden-Rennen längst zu einer Schlammschlacht geworden. Die Campingplätze erinnern stark an das Festivalgelände in Wacken. Ohne Gummistiefel geht nichts mehr. Und ohne Landwirte auch nicht, die die Camper zu ihrem Stellplatz gezogen haben.
