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Fotografie-Forum MonschauPietro-Donzelli-Ausstellung feiert in der Eifel Premiere

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Dr. Nina Mika-Helfmeier vor einer Aufnahme des Fotografen Pietro Donzelli.

Die Ausstellung mit rund 110 Fotos wurde von Dr. Nina Mika-Helfmeier, der Leiterin des Fotografie-Forums, kuratiert.

Das Fotografie-Forum in Monschau zeigt in seiner Ausstellung 110 Aufnahmen des italienischen Fotografen Pietro Donzelli.

Ein Land im Wandel hat der italienische Fotograf Pietro Donzelli (1915-1998) in den 1950er- und 1960er-Jahren mit seiner Kamera porträtiert: Menschen, Städte und Landschaften zwischen ländlichen Traditionen und urbanem, industriellem Aufbruch, zwischen Vergangenheit und Zukunft.

„In seiner Heimat ist Donzelli ein Star – hierzulande aber noch nahezu unbekannt“, sagt Dr. Nina Mika-Helfmeier, die Leiterin des Fotografie-Forums Monschau, über den Autodidakten, dem die aktuelle Ausstellung in Monschau gewidmet ist. Die von Mika-Helfmeier kuratierte Schau umfasst rund 110 Schwarz-Weiß-Fotografien, darunter zahlreiche Vintage-Prints, und feiert im Fotografie-Forum ihre Premiere.

Der Wächter, 1954, (c) Estate Pietro Donzelli, Renate Siebenhaar, Frankfurt a. M.

Aus Pietro Donzellis Serie „Land ohne Schatten“ stammt diese Aufnahme mit dem Titel „Der Wächter“ (1954).

„Es sind ganz poetische Bildkompositionen“, so die Kuratorin: „Sein Blick richtet sich auf die Zwischenräume. Nicht das Ereignis selbst, sondern das Dazwischen, das Warten, das Verharren, weckte sein Interesse.“ In Donzellis Landschafts- und Stadtaufnahmen spiegele sich oft eine kontemplative Ruhe, ein Innehalten.

Schwarz-Weiß-Fotografien aus einem „Land ohne Schatten“

In den Aufnahmen aus dem Po-Delta zeigt Donzelli eine reduzierte, fast menschenleere Welt: Die Landschaft erscheint still und endlos. „Land ohne Schatten“ hat er diese Serie betitelt. In Neapel fotografierte er Hausfassaden, einfache Architektur, enge Gassen, im Schatten eines Baumes schlafende Menschen oder einen auf Kundschaft wartenden Schuhputzer. Weitere Schwerpunkte der Ausstellung sind Aufnahmen aus Donzellis Heimatstadt Mailand und Aufnahmen aus den Crete Senesi, einer kargen Hügellandschaft im Süden der Toscana.

„Bei Donzelli ist das natürliche Licht eines der zentralen Gestaltungsmittel“, erklärt Mika-Helfmeier: „Weich und manchmal leicht diffus, erzeugt es in seinen Fotografien eine ruhige, zeitlose Stimmung.“ Ähnlich wie bei Goethe in der Italienischen Reise wirke das „italienische Licht“ klärend und lenke den Blick auf das Wesentliche.

Donzelli gilt in Italien als einer der wichtigsten Fotografen der Nachkriegszeit. „In einem Land, in dem die dokumentarische Fotografie keine große Tradition hatte, hat er seinen Stil etabliert, den er als evokativen Realismus bezeichnete“, so Mika-Helfmeier weiter: „Er hat das Wesen dieser Zeit abgebildet.“


Die Ausstellung „Pietro Donzelli. Zwischenzeiten“ im Monschauer Bürgersaal (Austraße 7) ist bis zum 2. August täglich außer montags im Fotografie-Forum (Austraße 9) zu sehen. Der Eintritt ist frei.