Kreissportbund Euskirchen bietet einen Intensivkurs für 200 Kinder aus dem Kreis Euskirchen an. Das Programm war in kurzer Zeit ausgebucht.
Kleine Wellen, große SchwimmerKindern lernen im Kreis Euskirchen mit Begeisterung Schwimmen

So macht Wassergewöhnung Spaß: Im Kreis Euskirchen lernen gerade 200 Kinder das Schwimmen.
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„Es ist toll. Ich bin schon vom Ein-Meter-Brett gesprungen – im Sitzen, mit Poolnudel“, sagt Ben. Den kleinen Bauchplatscher verschweigt der sechsjährige Weilerswister gerne. Zu viel Spaß macht ihm der Schwimmkurs in der Euskirchener Therme. Zu groß sind die Fortschritte, die der künftige Drittklässler täglich macht. „Ich möchte schwimmen können, wenn ich hier fertig bin“, sagt er zielstrebig.
Ben ist eines von 200 Kindern aus dem Kreis Euskirchen, die seit Beginn der Sommerferien unter der Federführung des Kreissportbundes Euskirchen (KSB) in Euskirchen, Satzvey, Bad Münstereifel, Mechernich und Nettersheim möglichst gut schwimmen lernen – oder zumindest intensiv an das Wasser gewöhnt werden.
200 kostenlose Plätze für junge Schwimmer
Das Projekt „Kleine Wellen, große Schwimmer“, das der KSB anlässlich seines 75-jährigen Bestehens ins Leben gerufen hat, war innerhalb von nur 48 Stunden komplett ausgebucht. 200 kostenlose Plätze in den Intensivkursen waren damit vergeben. „Ich habe mir extra einen Wecker gestellt, um mich direkt um sieben Uhr anzumelden“, sagt Bens Mutter. Wie der KSB verrät, war sie damit längst nicht die Erste. Die erste Registrierung für das Sommerferienprojekt ging bereits um 0.20 Uhr auf der Internetseite des KSB ein.
„Das zeigt, wie dringend solche Angebote gebraucht werden“, sagt Martin Sommer vom KSB. In den zehntägigen Kursen stehe zunächst nicht das Seepferdchen-Abzeichen im Vordergrund. Viel wichtiger sei, dass Kinder Sicherheit im Wasser gewinnen und Ängste verlieren. Drei Trainer betreuen jeweils zehn Kinder und ermöglichen dadurch eine intensive Förderung.

Der sechsjährige Janosch geht mit viel Engagement zu den Schwimmkursen.
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Anja Wacker vom KSB erläutert, dass die Idee aus dem wachsenden Mangel an Schwimmkursen entstanden sei – ein Problem, das sich während der Corona-Pandemie noch einmal deutlich verschärft habe. Ziel sei ein Angebot ohne finanzielle Hürden.
Geschäftsführer Markus Strauch ergänzt, dass bewusst Kinder aus einkommensschwachen Familien, Kinder mit Behinderungen sowie Kinder und Jugendliche mit Flucht- oder Zuwanderungsgeschichte angesprochen würden. In der Euskirchener Therme werden am Ende der ersten beiden Ferienwochen 60 Kinder täglich 45 Minuten Wasserzeit gehabt haben – dank zahlreicher Unterstützer kostenfrei.
Ein Schwimmkurs ist heutzutage fast schon ein Luxusgut. Schwimmen lernen ist richtig teuer – wenn man denn überhaupt einen Platz in einem Kurs bekommt.
„Ein Schwimmkurs ist heutzutage fast schon ein Luxusgut. Schwimmen lernen ist richtig teuer – wenn man denn überhaupt einen Platz in einem Kurs bekommt“, sagt eine Mutter. Entsprechend sei das Angebot des KSB weit mehr als eine Ferienfreizeit.
„Mit dem Seepferdchen-Abzeichen gilt man nicht als Schwimmer. Das ist eigentlich erst ab Bronze der Fall“, sagt Deniz Kloster von der DLRG. Die DLRG unterstützt den KSB bei dem Projekt mit ehrenamtlichen Schwimmlehrern. Das sei aufgrund der Ferien und der frühen Kurszeiten gar nicht so einfach gewesen, habe letztlich aber doch geklappt. Sogar ziemlich gut. „In manchen Kursen liegen wir über dem von uns vorgegebenen Schlüssel von einem Schwimmlehrer pro fünf Kinder“, sagt er.
Kommunen stellen dem Kreissportbund Wasserzeiten zur Verfügung
Der KSB wird aber nicht nur von der DLRG und Sponsoren unterstützt, sondern auch von den Kommunen, wie Anja Wacker berichtet. Diese stellen für das Projekt die Wasserzeiten in den entsprechenden Einrichtungen kostenfrei zur Verfügung. Das sei in den Sommerferien zwar etwas einfacher, weil es kein Schulschwimmen gebe, selbstverständlich sei das aber keineswegs.
Vater Simon Jägersküpper ist vom Projekt angetan. Und Sohn Janosch zieht durch – obwohl der Kurs um 8 Uhr doch ziemlich früh beginnt. Aber dem Vater ist es wichtig, dass sein Sohn schwimmen kann. „Es gibt drei Dinge, die wichtig sind: Man muss Fahrradfahren und Schwimmen können. Und man muss in jungen Jahren auf einen Baum klettern – und auch wieder hinunterkommen“, sagt Jägersküpper.
Die SUP-Tour als Motivation für den Sechsjährigen
Da Janosch nach den Sommerferien in die Schule kommt und in dieser Woche seine letzten Tage in der Kita anstehen, hat er mit seinem Vater verhandelt. Schwimmkurs ja, aber danach geht es noch in die Kita. Die Einrichtung hat sich darauf eingelassen, auch wenn der Sechsjährige ausgerechnet zum Abschied immer ein wenig später kommt. Dafür hat Janosch aber ein Ziel vor Augen.
Die Familie Jägersküpper fährt leidenschaftlich gern mit ihren SUPs über Seen und andere Gewässer. Wer jedoch Stand-up-Paddling betreibt, muss auch schwimmen können. Und wer später alleine fahren möchte, erst recht. Eine Tour allein auf dem SUP ist Ansporn genug, in den Ferien etwas früher aufzustehen.
Rahmenbedingungen haben sich mit den Jahren verändert
Genauso früh aufgestanden ist auch ein Inklusionskind. Der mehrfachbehinderte Junge ist nach nur fünf Tagen zur kleinen Wasserratte geworden. Mittlerweile hält er freiwillig den Kopf unter Wasser und übt die ersten Schwimmbewegungen. „Die Schwimmlehrer geben sich unheimlich viel Mühe und sind sehr einfühlsam“, sagt sein Vater, der zur Sicherheit am Beckenrand sitzt.
Wie wichtig das Projekt des KSB ist, zeigt sich laut Schwimmlehrer Deniz Kloster an den Rahmenbedingungen. „In Euskirchen hat ein Jahrzehnt lang ein Hallenbad gefehlt. In der Corona-Pandemie ging gar nichts. Es gibt immer weniger Kinder, die schwimmen können“, sagt er.
Bei einigen Kindern sehe man deutlich, dass sie an Wasser gewöhnt seien. Bei anderen sei bereits das Spritzen von Wasser eine Herausforderung. Doch in der zweiten Woche ist das für die jungen Teilnehmer zwischen 6 und 14 Jahren längst eine Fingerübung – im wahrsten Sinne des Wortes. Für die Fortgeschrittenen wartet indes eine ganz andere Herausforderung: der Sprung vom Drei-Meter-Brett.
