Die Konzerte des Festivals „Spannungen“ im Heimbacher Kraftwerk waren sehr gut besucht. Das Publikum zeigte sich offen für Neues wie den Auftritt eines Chores.
Im Heimbacher KraftwerkPublikum belohnte den Mut der Festivalmacher

Vor der Kulisse der Kraftwerksturbinen spielten die Musikerinnen und Musiker das Streichquintett von Franz Schubert.
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Es gibt nur wenige Tage im Jahr, an denen die Turbinen des Jugendstilkraftwerks in Heimbach stillstehen. Freunde der Kammermusik in der Region haben diese Termine längst im Kalender markiert. Dann wird in dem markanten Gebäude am Ufer der Rur kein Strom erzeugt, sondern Musik. „Spannungen“ lautet der treffende Name des Festivals, das das Kraftwerk jedes Jahr im Juni zu einem Anziehungspunkt für Klassikliebhaber macht.
Auch in diesem Jahr strömten die Besucher in die Produktionshalle mit ihren liebevoll gepflegten Maschinen. „Ich habe noch keine genauen Zahlen, aber es sieht so aus, als sei die Resonanz noch besser gewesen als im Vorjahr, als wir eine Auslastung von 92 Prozent erreicht hatten“, sagte Dr. Hans Joachim Güttler, Vorsitzender des Arbeitskreises „Spannungen“ im Kunstförderverein Düren.
Für den künstlerischen Leiter Christian Tetzlaff war es ein besonderes Festivaljahr. Im Vorfeld hätten sich die Organisatoren weit aus dem Fenster gelehnt – nicht zuletzt mit dem Experiment, einen Chor und ein Orchester auf die Bühne des Kraftwerks zu bringen und dabei höchste künstlerische Ansprüche zu erfüllen. „Der Raum kann alles“, schwärmte Tetzlaff. Als Beispiel nannte er die Aufführung der Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach.
Publikum lauschte gebannt dem Cembalisten
„Wenn man ein einzelnes Cembalo mitten in diesen Raum stellt, kann man nicht mit Sicherheit wissen, wie das funktionieren wird.“ Das Risiko habe sich jedoch ausgezahlt. Auch dieser Abend sei ausverkauft gewesen, und das Publikum habe über 80 Minuten gebannt dem Spiel des Cembalisten Jean Rondeau gelauscht.

Christian Tetzlaff ist nicht nur musikalischer Leiter des Festivals, sondern tritt auch als Instrumentalist auf.
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Standing Ovations gab es vom Publikum im Heimbacher Jugendstilkraftwerk für die Künstler.
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Besonders reizvoll sei die Möglichkeit gewesen, im Rahmen des Festivals unterschiedliche musikalische Welten zu verbinden. So stand den Goldberg-Variationen das g-Moll-Trio von Bedřich Smetana gegenüber – ein hoch expressives Werk, in dem der Komponist den Tod seiner Tochter verarbeitet.
Fetival verbindet unterschiedliche musikalische Welten
Unter dem Motto „Das Heilige und das Profane“ hatte Tetzlaff das Programm zusammengestellt. „Wir haben inzwischen ein Publikum, das es so kein zweites Mal gibt“, freute er sich. Ursprünglich sei geplant gewesen, das Festival mit den Goldberg-Variationen zu eröffnen und mit Chor und Orchester zu beschließen, um auch räumlich die größtmögliche Spannweite zu schaffen. Zwar habe sich die Reihenfolge kurzfristig geändert, doch die beiden Pole hätten das Festival geprägt.
Ich glaube, die Menschen vertrauen darauf, dass die Dinge, an die wir glauben und die wir hier spielen, Hand und Fuß haben.
Im Vorfeld habe es durchaus Diskussionen über die Neuerungen gegeben, berichtete Güttler. Ob ein Chor im Kraftwerk funktionieren würde oder die Goldberg-Variationen in das Programm passten, sei nicht unumstritten gewesen. „Christian hat gesagt: Wenn wir es nicht probieren, werden wir es nicht wissen. Das könnte auch ein Motto des Festivals sein“, sagte Güttler.
Dass das Publikum die Experimente so positiv aufnehmen würde, habe er nicht erwartet. Tetzlaff sieht inzwischen keinen Unterschied mehr, wie das Publikum zeitgenössische Musik und klassische oder romantische Werke aufnimmt. „Ich glaube, die Menschen vertrauen darauf, dass die Dinge, an die wir glauben und die wir hier spielen, Hand und Fuß haben“, sagte er.
Konzertchor Westfalica bot glanzvollen Abschluss
Seit frühester Kindheit habe er Komponisten und ihre Werke gesammelt, berichtete Tetzlaff. Eine wichtige Quelle sei für ihn das „Knaur-Lexikon der Musik“ gewesen. Lebensdaten, stilistische Entwicklungen und biografische Hintergründe der Komponisten seien tief in seinem Gedächtnis verankert. Dieses Wissen helfe ihm bei der Programmgestaltung, weil sich viele Werke unmittelbar mit den gewählten Themen verbinden ließen.
Einen glanzvollen Abschluss fand das Festival mit dem Auftritt des Konzertchors Westfalica der Chorakademie am Konzerthaus Dortmund sowie des aus Festivalmusikern gebildeten Orchesters. Gemeinsam führten sie Ludwig van Beethovens Fantasie für Chor, Orchester und Klavier in f-Moll auf. Die musikalische Leitung lag bei dem Pianisten und Dirigenten Alexander Lonquich.
Zum Abschluss gab es Schubert
Zu den Höhepunkten des Abschlussabends gehörte Franz Schuberts Quintett für zwei Violinen, Viola und zwei Violoncelli in C-Dur. Christian Tetzlaff musizierte dabei mit Alina Ibragimova, Barbara Buntrock, Julian Steckel und Simon Tetzlaff. Das Publikum dankte den Künstlern mit langem Applaus.
Eröffnet worden war der Abend von Eloi Enrique, Claudia Aliaj Oliver und Aljoscha Donderer mit Johann Sebastian Bachs Sinfonia f-Moll in einer Bearbeitung für Bläsertrio. Kontinuität bewiesen die Festivalmacher, indem sie frühere Auftragskompositionen erneut ins Programm aufnahmen.
Ebenso fest etabliert sind inzwischen der Filmabend und das Familienkonzert. Es wurde erneut von Isabelle Vogt moderiert, Schauspielerin und Tochter des Festivalgründers Lars Vogt. Auf dem Programm standen eine Orchesterversion von „Peter und der Wolf“ sowie eine erste Aufführung der Chorfantasie von Beethoven.
