Wenn Felder in Brand geraten, helfen die Landwirte häufig der Feuerwehr. Im Kreis Euskirchen klappt diese Zusammenarbeit.
Brennende FelderIm Kreis Euskirchen arbeiten Feuerwehr und Landwirte Hand in Hand

Immer wieder unterstützen Landwirte die Feuerwehren im Kreis Euskirchen bei Feldbränden.
Copyright: Tom Steinicke
Es war ein sehr intensives Einsatzwochenende für die Zülpicher Feuerwehr. Allein vier Feldbrände mussten die Feuerwehrleute aus der Römerstadt zwischen Virnich, Schwerfen und Enzen innerhalb von 36 Stunden löschen. Mit im Einsatz waren auch Landwirte, die die Einsatzkräfte bestmöglich unterstützten. Mit Wasserfässern, Grubbern und Traktoren leisten sie einen wichtigen Beitrag bei der Bekämpfung von Vegetationsbränden.

Die Zülpicher Feuerwehr rückte am vergangenen Wochenende zu zahlreichen Feldbränden aus.
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Ein eigenes Alarmierungssystem für Landwirte gibt es im Kreis Euskirchen zwar nicht. Dennoch funktioniert die Zusammenarbeit nach Angaben von Kreisbrandmeister Peter Jonas seit Jahren reibungslos. „Der Kontakt entsteht meist direkt über die Betroffenheit“, erklärt Jonas. Oft sei der Eigentümer des betroffenen Feldes selbst Mitglied der Feuerwehr und werde über den regulären Feuerwehralarm informiert.
Viele Kommunen führen Hilfslisten
Ist das nicht der Fall, wüssten die örtlichen Löschgruppen meist genau, wem die Fläche gehört, und stellten den Kontakt her. Zusätzlich führen viele Kommunen sogenannte Hilfslisten. Darin ist vermerkt, welche Landwirte über Wasserfässer, Güllefässer oder Bodenbearbeitungsgeräte verfügen und im Einsatzfall unterstützen können. Die Listen werden regelmäßig aktualisiert.
Wie selbstverständlich diese Zusammenarbeit inzwischen funktioniert, schildert ein Landwirt aus dem Zülpicher Stadtgebiet, der selbst Mitglied der Feuerwehr ist. „Bei mir läuft die Alarmierung im Grunde über den normalen Feuerwehralarm, weil ich – wie viele andere Landwirte auch – Mitglied der Feuerwehr bin“, berichtet er.
Wenn Schneisen gezogen werden müssen, um das Feuer aufzuhalten, können wir schnell helfen.
Gehe die Meldung „Flächenbrand“ ein, werde sofort entschieden, ob Wasser oder der Grubber benötigt werde. „Wenn ein zweiter Fahrer verfügbar ist, fahren wir auch mit beidem los.“ So verfahren auch viele andere Landwirte. Manche brächten Wasserfässer mit, andere ihre Bodenbearbeitungsgeräte.
Ziel sei immer, den Brand möglichst schnell einzudämmen. Zwar dauere die Anfahrt mit dem Traktor länger als mit einem Löschfahrzeug, dafür seien die Maschinen auf Feldern besonders effektiv. „Wenn Schneisen gezogen werden müssen, um das Feuer aufzuhalten, können wir schnell helfen“, sagt der Landwirt.
Feuerwehr weiß die Unterstützung zu schätzen
Bei den jüngsten Flächenbränden auf Zülpicher Stadtgebiet habe diese Zusammenarbeit erneut hervorragend funktioniert. „Letztlich sind wir alle betroffen – egal, ob es die eigenen Flächen sind oder die des Nachbarn. Deshalb helfen wir uns gegenseitig, ohne lange zu überlegen.“ Auch Kreisbrandmeister Jonas betont die Bedeutung der landwirtschaftlichen Unterstützung.
Wasserfässer könnten die Löschwasserversorgung ergänzen oder Wasser direkt an der Einsatzstelle bereitstellen. Allerdings sollte dieses Wasser aus hygienischen Gründen nicht in die Tanks der Feuerwehrfahrzeuge eingespeist werden, da diese auch für die Trinkwasserversorgung genutzt werden können. Die direkte Wasserabgabe an der Einsatzstelle sei dagegen problemlos möglich.
Kreisbrandmeister rät zur Vorsicht
Besonders wertvoll sind nach seinen Worten Grubber und andere Bodenbearbeitungsgeräte. Mit ihnen können Landwirte Schneisen in abgeerntete Felder ziehen und so verhindern, dass sich Flammen weiter ausbreiten. Gerade bei den zahlreichen Flächenbränden der vergangenen Tage habe sich diese Vorgehensweise mehrfach bewährt.
Bei aller Hilfsbereitschaft mahnt Jonas jedoch zur Vorsicht. Immer wieder komme es vor, dass Landwirte mit ihren Traktoren durch dichte Rauchwolken fahren, um Brände einzudämmen. „Das sehen wir natürlich nicht gerne“, sagt der Kreisbrandmeister. Auch, wenn Fahrzeuge in Einzelfällen gezielt eingesetzt würden, so müsse stets der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gelten.
Irgendwann geht dem Feuer die Nahrung aus
Vorrang habe zunächst der Schutz von Menschen sowie gefährdeten Gebäuden. Auf einem abgeernteten Stoppelfeld gehe einem Feuer irgendwann die „Nahrung“ aus. Deshalb könne es taktisch sinnvoller sein, die Ausbreitung zu stoppen, statt jede einzelne Flamme sofort zu bekämpfen.
Wie komplex solche Einsätze sein können, zeigte ein größerer Flächenbrand vor einigen Jahren zwischen Euskirchen und Stotzheim, an den sich Jonas erinnert. Dort erschwerten zusätzlich Hochspannungsleitungen die Löscharbeiten. Solche Rahmenbedingungen müssten bei jeder taktischen Entscheidung berücksichtigt werden.
Wenn abgestorbenes Gras einmal trocken ist, ist die Situation nach wenigen Stunden wieder nahezu die gleiche
Eine Entwarnung in Sachen Waldbrandgefahr oder dem Graslandfeuerindex gibt der Kreisbrandmeister trotz der zuletzt etwas niedrigeren Temperaturen nicht. Die Gefahr von Vegetationsbränden bleibe weiterhin hoch. „Wenn abgestorbenes Gras einmal trocken ist, ist die Situation nach wenigen Stunden wieder nahezu die gleiche“, sagt Jonas. Zwar reagiere der Wald etwas träger als offene Grasflächen, doch die vielerorts gelb bis weiß verfärbten Wiesen zeigten deutlich, dass die Trockenheit weiterhin anhält.
Als Brandursachen nennt Jonas neben menschlicher Fahrlässigkeit auch technische Defekte an landwirtschaftlichen Maschinen. Vor allem während der Ernte könnten heißgelaufene Lager oder Funkenflug ausreichen, um trockenes Getreide oder Stoppelfelder in Brand zu setzen. Deshalb appelliert der Kreisbrandmeister an die Landwirte, ihre Maschinen regelmäßig zu kontrollieren und bei extremer Trockenheit besondere Vorsicht walten zu lassen.
Feuerwehrschläuche sind verbrannt
Bei den zahlreichen Einsätzen der Feuerwehr Zülpich hat auch deren Material gelitten. Beim Feldbrand am vergangenen Freitag verbrannte nach Angaben der Feuerwehr der Römerstadt Schlauchmaterial, als der Wind während des Einsatzes plötzlich drehte.

Bei einem Flächenbrand bei Zülpich-Enzen sind der Zülpicher Feuerwehr einige Meter Schlauch verbrannt.
Copyright: Jakob Priebe/Feuerwehr Zülpich
Laut Kreisbrandmeister Peter Jonas lagern in den Städten und Gemeinden für solche Fälle Schlauch-Reserven. Auch das Brandschutzzentrum des Kreises hält Reserven vor. (tom)
