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Kreis EuskirchenWasserversorger und Landwirte schützen gemeinsam das Trinkwasser

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Ein Traktor steht auf einer gepflasterten Fläche. Er zieht ein großes Fass mit einer Vorrichtung, die Gülle dicht am Boden ausbringt.

Zur Anschaffung moderner Maschinen gibt es unter bestimmten Bedingungen Zuschüsse. Etwa für einen Schleppschuhverteiler, mit dem Gülle bodennah ausgebracht wird.

Seit 30 Jahren gibt es im Kreis Euskirchen den Arbeitskreis Gewässerschutz, in dem Landwirte und Wasserversorger an einem Strang ziehen.

Die Aussicht in die Börde, im Rücken die Eifel – wohl kaum einen sinnigeren Ort als den Hof der Firma Schilles in Floisdorf hätte es geben können, um das 30-jährige Bestehen des Arbeitskreises Gewässerschutz im Kreis Euskirchen zu feiern. Denn die Vielfalt der Böden im Kreis ist eine der zentralen Herausforderungen, denen sich die im Arbeitskreis vertretenen Institutionen stellen müssen.

Rund 150 Teilnehmer konnte Wilfried Dahmen, Vorsitzender des Arbeitskreises, begrüßen, als Wasserversorger und Landwirte mit der Landwirtschaftskammer ein Projekt feierten, das für gesundes Trinkwasser für die Bürger im Kreis sorgt. Aus dem Jahr 1989 stammt die Idee, als Klaus Matthiesen, der damalige NRW-Minister für Landwirtschaft und Umwelt, als Reaktion auf steigende Nitratwerte im Trinkwasser einen Zwölf-Punkte-Plan ins Leben rief.

Damals hatte keiner Ahnung, wie der Gewässerschutz funktionieren sollte.
Hermann-Josef Pauls

Einfach gesagt, hatte der zum Inhalt, dass Wasserwirtschaft und Landwirtschaft das Problem in Kooperation angehen und Lösungen erarbeiten. Als Berater fungieren Vertreter der Landwirtschaftskammer. Dieser Plan wurde auch in die Tat umgesetzt – allerdings mahlten bereits damals die bürokratischen Mühlen nicht übermäßig schnell.

Im Kreis Euskirchen machte sich im November 1992 Hermann-Josef Pauls als Berater der Landwirtschaftskammer daran, die Wasserversorger und die Landwirte, die Flächen in Wasserschutzgebieten bewirtschaften, an einen Tisch zu bringen. „Damals hatte keiner Ahnung, wie der Gewässerschutz funktionieren sollte“, erinnert sich Pauls. Er habe sich mit anderen Beratern aus NRW ausgetauscht, um das Projekt in Gang zu bringen.

Im Wasserschutzgebiet Eicks gab es die erste Kooperation

Die erste Kooperation, die vom Ministerium in Düsseldorf anerkannt wurde, bildete sich 1994 im Wasserschutzgebiet Eicks, weitere folgten noch im Laufe des Jahres. Doch Pauls erkannte schnell, dass es schwierig ist, koordiniert zu arbeiten, wenn es für jedes Wasserschutzgebiet im Kreis einen eigenen Arbeitskreis gibt. So stellte er den Antrag beim Ministerium, eine kreisweite Kooperation ins Leben zu rufen, und fand Unterstützer.

Wilfried Dahmen, Hermann-Josef Paul, Lukas Slawik und Franz Courth vom Arbeitskreis Gewässerschutz im Kreis Euskirchen stehen vor dem Fahrzeug, mit dem regelmäßig die Proben entnommen werden.

Über ein Fahrzeug zur Probenentnahme verfügt der Arbeitskreis um Wilfried Dahmen (v.l.), Hermann-Josef Pauls, Lukas Slawik und Franz Courth.

1996 wurde der Arbeitskreis Gewässerschutz der Land- und Wasserwirtschaft im Kreis Euskirchen gebildet, wie die Institution bis heute heißt. Sieben Wasserversorger und knapp 200 Landwirte arbeiten dort zusammen. Ihre Mission: Die Nitratwerte im Trinkwasser niedrig zu halten und gleichzeitig die Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen in den Wasserschutzgebieten zu ermöglichen.

Unterschiedliche Böden erfordern unterschiedliche Maßnahmen

Nach teilweise schwierigen Anfangsjahren gebe es heutzutage einen vertrauens- und respektvoller Umgang, betonte Franz Courth, heute Berater seitens der Landwirtschaftskammer und Geschäftsführer des Arbeitskreises: „Wir können zu jeder Zeit auf die Flächen in den Wasserschutzgebieten, um dort Proben zu entnehmen.“ Das ist der Grundgedanke des Arbeitskreises: Der Eintrag von Stickstoff aus Düngemitteln wird so dosiert, dass diese von den Pflanzen aufgenommen werden und nicht im Trinkwasserbrunnen landen.

Die Arbeit ist konstruktiv und unkompliziert.
Achim Blindert

Eine Wissenschaft für sich, wie Courth darstellt: „Wir haben überall im Kreis unterschiedliche geologische Bedingungen: Lössboden im Nordkreis, Karstgestein im Südkreis.“ Während Stoffe durch einen Tonboden kaum durchdringen, können bei anderen Böden Schadstoffe binnen Tagen im Trinkwasser landen. „Der Gewässerschutz ist eine zentrale Herausforderung unserer Zeit“, so Karl Werring, Präsident der Landwirtschaftskammer NRW. Dabei komme es auf Kooperation an: „Das Konzept der Arbeitskreise hat sich bewährt.“

Die Nitratwerte im Trinkwasser sind heute im Kreis Euskirchen stabil

Gemeinsam werden Lösungen erarbeitet, die wirtschaftlich tragfähig seien. Zum Erfolgsrezept gehöre auch die Fachkompetenz der Berater der Landwirtschaftskammer, so Werring weiter. So sei es gelungen, eine Flächenabdeckung in den Wasserschutzgebieten von 90 Prozent zu erreichen. Und die Messwerte zeigten, dass das Konzept aufgehe, da die Nitratwerte im Trinkwasser nun stabil seien.

Lange habe die Umsetzung der Projekte daran gekrankt, dass es kaum Fördermittel gegeben habe, so Courth. Seit durch das Wasserentnahmegesetz aber der sogenannte Wassercent gezahlt werde, sei rund eine Million Euro an Förderungen in den Kreis geflossen. Das Geld wird über die Landwirtschaftskammern den Arbeitskreisen zur Verfügung gestellt. Vor allem seien es spezielle Düngemittel, die weniger Nitrat absondern, die über den Arbeitskreis gefördert werden.

Unter bestimmten Voraussetzung kann es auch Zuschüsse zur Anschaffung von Maschinen geben, deren Arbeitsweise eine geringere Belastung der Böden und des Trinkwassers ermöglicht. 2019 sei es gelungen, ein speziell ausgerüstetes Fahrzeug anzuschaffen, mit dem Bodenproben entnommen werden können, zudem einen Kühlanhänger, um die Proben mit den richtigen Temperaturen zu transportieren.

Der Allgemeine Vertreter des Landrates, Achim Blindert, lobte die Zusammenarbeit des Kreises mit den Arbeitskreisen. „Die Arbeit ist konstruktiv und unkompliziert.“ Als Vertreter der Wasserwirtschaft wies Tobias Meurer von der e-regio darauf hin, dass man Rohwasser – 12 Millionen Kubikmeter pro Jahr in 13 Einzugsgebieten – so wenig wie möglich aufarbeite. Normalerweise werden lediglich Eisen und Mangan entfernt und das Wasser desinfiziert. In Blankenheim reiche sogar die Desinfektion aus.

„Was heute selbstverständlich ist, war vor 30 Jahren ein Weg, der gegangen werden musste“, sagt Kreislandwirt Helmut Dahmen mit Blick auf das Vertrauen und Verständnis, das sich entwickelt hat. Auch Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen lobte per Videobotschaft den Erfolg des Arbeitskreises, durch den die Lebensgrundlagen nachhaltig geschützt würden. Die Herausforderungen in der Region seien die unterschiedlichen Gegebenheiten in der Natur, die die Arbeit anspruchsvoll machten.