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Hitze im Kreis EuskirchenSo gehen Menschen und Organisationen im Alltag mit der Wärme um

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Das Bild zeigt zahlreiche Sonnenschirme, die auf Balkonen an einem Mehrfamilienhaus geöffnet worden sind.

Alles, was Schutz bietet, wird aufgestellt: Die Hitze hat den Kreis Euskirchen bis Sonntag weiter im Griff.

Hitze im Kreis Euskirchen: Feuerwehr führt mehr Wasser für die Einsatzkräfte mit sich. Asphaltarbeiten fallen beim Kreis in dieser Woche aus. Oldie Nacht in Kall droht historisch heiß zu werden.

36 Grad und es wird noch heißer – der Song von „2raumwohnung“ ist auch für den Kreis Euskirchen aktuell der passende Soundtrack. 38 Grad sind zum Beispiel für den Samstag in Zülpich prognostiziert, bevor es am Sonntag dort auf 33 Grad abkühlen könnte. Die Hitzewelle sorgt für Anpassungen im Alltag, aber auch für Absagen bei Veranstaltungen.

Die Feuerwehr Euskirchen hat ihre Einsatzvorbereitung in den vergangenen Jahren an die zunehmenden Hitzeperioden angepasst. „Das ist tatsächlich ein Thema, mit dem wir uns bereits seit zwei oder drei Jahren intensiv beschäftigen“, erklärt Daniel Schwarz, Pressesprecher der Feuerwehr Euskirchen. So führen die Löschfahrzeuge inzwischen grundsätzlich größere Wassermengen mit.

Feuerwehr setzt auf unterschiedliche Arten der Einsatzkleidung

Dies diene zwar auch der Versorgung bei Atemschutzeinsätzen, sei aber insbesondere mit Blick auf die steigende Zahl von Vegetations- und Waldbränden von Bedeutung. Für die aktuelle Saison seien die Wasservorräte auf den Fahrzeugen nochmals erhöht worden.

Auch bei der Schutzkleidung setzt die Feuerwehr auf unterschiedliche Ausstattungen. Neben der regulären Tagesdienstkleidung, die beispielsweise bei Werkstattarbeiten oder Fahrzeugüberführungen getragen wird und auch bei Vegetationsbränden eingesetzt werden kann, steht den Einsatzkräften eine spezielle Kleidung für technische Hilfeleistungen zur Verfügung.

Diese sogenannte TH-Kleidung erfüllt die gleichen Sicherheitsstandards wie die klassische Einsatzkleidung für Brandeinsätze, ist jedoch deutlich leichter und dünner. Insgesamt seien die Maßnahmen inzwischen fest in die Einsatzplanung integriert.

Kreisbrandmeister Peter Jonas berichtet, dass Einsatzkleidung nicht länger als nötig getragen werden soll. Bei Temperaturen wie aktuell komme den Führungskräften eine besondere Rolle zu. „Feuerwehrleute passen seit jeher auf sich auf. Das gilt für solche Temperaturen erst recht. Aber wichtig ist auch, dass im Idealfall niemand zweimal am Tag unter Atemschutz arbeiten muss“, so Jonas.

Obstbauer Blum fürchtet um einen Teil seiner Ernte

„Dieser Hitze kann weder die Frucht noch der Obstbauer etwas Positives abgewinnen“, sagt Obstbauer Marcel Blum aus Lüssem. Aspekte wie Süße oder ein höherer Fruchtzuckergehalt spielten bei den aktuellen Temperaturen keine Rolle mehr. Vielmehr litten sämtliche Kulturen unter der extremen Belastung. Betroffen seien unter anderem Süßkirschen, Brombeeren, Himbeeren, rote Johannisbeeren und Erdbeeren.

Je nach Schutzmaßnahmen rechnet Blum mit erheblichen Einbußen: „Bei ungeschützten Anlagen liegen die Verluste in der Spitze bei 40 bis 50 Prozent. Selbst in geschützten Beständen müssen wir noch mit 20 bis 30 Prozent Ausfall rechnen.“ Die wirtschaftlichen Folgen seien entsprechend gravierend.

Das Bild zeigt einige Erntehelfer auf dem Obsthof bei Lüssem.

In Lüssem wird fleißig Obst geerntet. Die Temperaturen sind nicht nur für die Erntehelfer eine Herausforderung.

Eine zusätzliche Herausforderung sei die Erntearbeit. Um den hohen Temperaturen zu entgehen, beginne die Arbeit bereits in den frühen Morgenstunden, noch vor Tagesanbruch. Geerntet werde bis etwa 12.15 Uhr. Danach sei ein Arbeiten kaum noch möglich.

„Was bis dahin nicht geerntet wurde, bleibt hängen und verbrennt am nächsten Tag möglicherweise in der Sonne“, erklärt Blum. Besonders frustrierend sei, dass die Schäden trotz eines hohen Arbeitsaufwands entstehen. „Man arbeitet das ganze Jahr, kümmert sich um die Kulturen, und dann kommen zehn heiße Tage und ruinieren alles.“

In den vergangenen Jahren habe der Betrieb bereits verstärkt in Sonnenschutzsysteme investiert, um die Folgen extremer Wetterlagen abzumildern. Einen vollständigen Schutz gebe es jedoch nicht: „Bei dieser Hitze ist ein hundertprozentiger Schutz praktisch unmöglich.“

Verwaltungen reagieren auf die Hitzewelle

Die Gemeinde Blankenheim hat auf die hohen Temperaturen mit verschiedenen Maßnahmen reagiert. Bürgermeisterin Jennifer Meuren betont die Einsatzbereitschaft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Außendienst. Beschäftigte des Bauhofs sowie des Wasser- und Abwasserwerks hätten bisher keine weitergehenden Schutzmaßnahmen eingefordert. Die Gemeinde stelle jedoch Sonnenschutz, Kappen mit Nackenschutz und ausreichend Trinkwasser zur Verfügung.

Zudem sei der Arbeitsbeginn in den besonders heißen Tagen auf Wunsch der Mitarbeiter vorverlegt worden. Statt wie üblich gegen 7.30 Uhr beginne die Arbeit nun bereits um 6.30 Uhr. Meuren zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Beschäftigten. Trotz der hohen Temperaturen seien in dieser Woche sogar Asphaltierungsarbeiten durchgeführt worden. „Das finde ich stark“, sagte die Bürgermeisterin.

Der Kreis Euskirchen verzichtet auf Asphaltarbeiten

Auch innerhalb des Rathauses wurden Vorkehrungen getroffen. Besonders im Dachgeschoss steigen die Temperaturen stark an. Mitarbeitende können deshalb auf kühlere Räume in anderen Etagen ausweichen. Mit Blick auf die Zukunft prüft die Gemeinde, ob insbesondere im Dachgeschoss dauerhaft Klimageräte installiert werden können. Angesichts des Klimawandels sei zu erwarten, dass Hitzeperioden häufiger auftreten werden.

Wolfgang Andres, Pressesprecher des Kreises Euskirchen, berichtet, dass die Bauhof-Mitarbeiter gerade besonders gefordert seien. „Die Kolleginnen und Kollegen können und sollen so früh wie möglich anfangen“, so Andres. Asphaltarbeiten seien diese Woche komplett ausgesetzt. Dafür werden Arbeiten vorgezogen, die innerhalb der Bauhof-Gebäude anstehen. Sonnencreme und Kopfbedeckungen werden zur Verfügung gestellt.

Ähnliches gelte für die Mitarbeiter des Abfallwirtschaftszentrums: Wo immer es möglich ist, wird drinnen oder im Schatten gearbeitet. In der Verwaltung seien die Mitarbeitenden ebenfalls aufgefordert, ihren Arbeitstag bereits so früh wie möglich zu beginnen und – falls möglich – Homeoffice zu nutzen. Besprechungen werden vermehrt in den klimatisierten Anbau verlegt, denn nur dieses Gebäude ist klimatisiert.

Polizei erweitert die Gleitzeitregelungen

Um die Belastung der Beschäftigten möglichst gering zu halten, hat die Kreispolizeibehörde ihre Führungskräfte für den Umgang mit hohen Temperaturen sensibilisiert und verschiedene Maßnahmen ergriffen. Die Einsatzfähigkeit der Polizei bleibe dabei uneingeschränkt gewährleistet, betont Pressesprecher Franz Küpper.

Für die Mitarbeitenden im Innendienst wurden die bestehenden Gleitzeitregelungen erweitert. So können Beschäftigte ihren Dienst bei Bedarf früher beginnen, um die heißesten Stunden des Tages zu meiden. Soweit es der Dienst zulässt, ist zudem das Arbeiten im Homeoffice möglich. In allen Dienstgebäuden steht Trinkwasser bereit. Zudem werden Jalousien und Plissees geschlossen gehalten, um die Sonneneinstrahlung und die Erwärmung der Büroräume zu verringern. Wenn es die dienstlichen Belange zulassen, können Beschäftigte bei großer Hitzebelastung zudem Überstunden abbauen.

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Für den Wach- und Wechseldienst gelten dagegen weiterhin die üblichen Einsatzvorgaben. Die Beamtinnen und Beamten tragen unverändert ihre vollständige Einsatzbekleidung. Bewährt hätten sich dabei die 2024 eingeführten Poloshirts, die insbesondere an warmen Tagen von vielen Einsatzkräften getragen werden.

Auch die Leitstelle ist auf die hohen Temperaturen vorbereitet. Die Beamten arbeiten in klimatisierten Räumen und können so Notrufe und Einsätze auch während der Hitzewelle ohne Einschränkungen bearbeiten. Die Polizei richtet sich zugleich mit Hinweisen an die Bevölkerung. Hohe Temperaturen könnten die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit im Straßenverkehr deutlich beeinträchtigen.

Deshalb rät die Polizei dazu, ausreichend Wasser zu trinken, das Fahrzeug vor Fahrtantritt gut durchzulüften und die eigene Leistungsfähigkeit realistisch einzuschätzen. Wer sich durch die Hitze müde oder unkonzentriert fühle, sollte auf längere Fahrten verzichten oder rechtzeitig Pausen einlegen.

Nach Aussage der Leitstelle ist die Auslastung im Rettungsdienst aktuell hoch, was jedoch nicht unbedingt auf die Hitze zurückzuführen ist. Genaue Zahlen zu hitzebedingten Einsätzen haben wir aktuell jedoch nicht.
Wolfgang Andres, Pressesprecher des Kreises Euskirchen

Die hohen Temperaturen haben direkten Einfluss auf die Gesundheit, vor allem älterer Kreisbürger. „Nach Aussage der Leitstelle ist die Auslastung im Rettungsdienst aktuell hoch, was jedoch nicht unbedingt auf die Hitze zurückzuführen ist. Genaue Zahlen zu hitzebedingten Einsätzen haben wir aktuell jedoch nicht“, teilt Kreis-Pressesprecher Wolfgang Andres mit: „Die Situation bei uns auf dem Land ist jedenfalls nicht mit der Situation in Köln oder anderen Großstädten vergleichbar.“

Dennoch sei es natürlich auch für den Rettungsdienst hilfreich, wenn die Bürgerinnen und Bürger die allgemeinen Hitzetipps berücksichtigten, damit es nicht zu noch mehr Einsätzen komme, so Andres weiter.

Oldie Nacht in Kall richtet sich auf Hitzerekord ein

Gutes Wetter wünschen sich alle, die draußen feiern wollen. Die Hitze hat jedoch auch im Kreis Euskirchen einige Veranstalter dazu veranlasst, aus Rücksicht auf die Gesundheit auf einen anderen Termin auszuweichen: Für Samstag wurden die Eröffnung eines Kunstprojekts in der Erftaue in Euskirchen und das Johannifest der Veytalschule in Satzvey abgesagt. Der Dorftrödel in Rodert, der für Sonntag geplant war, wurde auf den 13. September verschoben.

Ungleich mehr Publikum wird am Samstag in Kall bei der traditionellen Oldienacht der Hilfsgruppe Eifel erwartet – 1500 Karten wurden im Vorverkauf abgesetzt. Das Konzertprogramm beginnt wie geplant um 17 Uhr.

Das Bild zeigt die Mitglieder der Hilfsgruppe und des Bauhofs bei einer kurzes Verschnaufpause.

Mitglieder der Hilfsgruppe Eifel und des Kaller Bauhofs bei einer Aufbaupause.

„Wir haben uns aber in den vergangenen Tagen viele Gedanken gemacht, wie wir den Besucherinnen und Besuchern ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich machen können“, sagt Hilfsgruppen-Chef Willi Greuel. So wird den Gästen beispielsweise das Mitbringen von Regenschirmen gestattet, um sich vor der Sonne zu schützen. „Außerdem haben wir kurzfristig Sonnenhüte besorgt, die wir kostenlos abgeben“, so Greuel weiter.

Die Freiwillige Feuerwehr Kall werde vorab den Platz mit einem Sprühnebel abkühlen. „Wenn die Besucher dann eintreffen, haben wir Gesundheitspaten im Einsatz, die permanent durch die Reihen gehen und die Augen offenhalten, ob es allen gut geht“, sagt Greuel: „Es ist auch gut möglich, dass sich das Programm insgesamt etwas nach hinten verschiebt, wenn es nicht mehr ganz so heiß ist.“

Ab etwa 19 Uhr liege der Zuschauerbereich im Schatten. „Wer sich dann noch kurzfristig zum Konzertbesuch entschließt, erhält an der Abendkasse auch noch sein Ticket“, freut sich Greuel auf die wahrscheinlich bisher heißeste Oldienacht. Auf der Internetseite hat das Hilfsgruppen-Team einige nützliche „Sonnen- und Hitzetipps“ für die Besucher aufgelistet.