Eine Fachtagung zum Thema artenreiches Grünland in der Agrarlandschaft stieß in Zülpich auf großes Interesse.
NaturschutzWie das Lebensnetz Börde im Kreis Euskirchen den Insekten hilft

Im Zentrum der Aufmerksamkeit bei dem Kurzausflug in die Natur standen die Wildblumenstreifen an den Rändern von Ackerflächen.
Copyright: Cedric Arndt
Leise summend und zielstrebig ihre Arbeit verrichtend, schwirren in der warmen Jahreshälfte unzählige Insekten von Blüte zu Blüte. Dabei versorgen sie nicht nur sich selbst und ihren Nachwuchs mit Nahrung, sondern tragen auch entscheidend zur Bestäubung der Pflanzen bei, die sie bei ihrer Suche nach Nektar und Pollen anfliegen. Das farbenfrohe Landschaftsbild, das durch die Verbreitung der Wildpflanzen entsteht, erfreut auch in diesen Tagen wieder zahlreiche Wanderer, doch der Nutzen dieser Arbeit der Insekten reicht noch viel weiter.
„Insekten sind mitverantwortlich dafür, dass wir ausreichend Obst und Gemüse auf dem Tisch haben, sie betätigen sich als Schädlingsbekämpfer und dienen größeren Tieren wie beispielsweise Vögeln als Nahrungsquelle“, berichtete Peter Tröltzsch von der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft. Zudem trage die Bestäubung der Pflanzen zur Artenvielfalt bei. „Am Beispiel des Borkenkäfers kann man erkennen, wie instabil Monokulturen sind und wie wichtig es ist, diese Vielfalt zu bewahren.“
Projekt soll in der Börde Lebensräume und Menschen vernetzen
In Kooperation mit den Biologischen Stationen im Kreis Euskirchen und im Kreis Düren fand jüngst eine Fachtagung statt, die dieses Thema unter dem Motto „Insektenstärke(n) – Lebensraumvernetzung und artenreiches Grünland in der Agrarlandschaft“ in den Fokus der Aufmerksamkeit rückte. An beiden Tagen hatten die Veranstalter zu zahlreichen Vorträgen und Podiumsdiskussionen in das Zülpicher Forum eingeladen, bei denen die Gäste auch immer wieder Gelegenheit fanden, sich über das Gehörte auszutauschen.
„Die Tagung läuft im Rahmen des Projektes ‚Lebensnetz Börde‘“, erklärte Peter Tröltzsch. „Genau wie wir die Lebensräume der Tiere vernetzen wollen, möchten wir auch Landwirte, Ökologen und Naturschützer vernetzen. Denn nur mit diesen Kooperationspartnern lassen sich die angestrebten Ziele durchsetzen.“

Zum Abschluss der Fachtagung luden Rebecca Lindner, Markus Körfer, Peter Tröltzsch und Maike Wermes (v.l.) ihre Gäste in die Natur ein.
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Die Grünstreifen bieten nicht nur zahlreichen Insektenarten einen Rückzugsort, sondern erfreuen mit ihrer Farbenpracht auch das Auge.
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Referentinnen und Referenten aus ganz Deutschland gaben mit Vorträgen über Strategien zum Erhalt und zur Renaturierung von Grünflächen, über die Rolle der Landwirtschaft oder auch die Entwicklung der Insektenpopulation im Offenland informative Einblicke. Am Donnerstag hatten die Teilnehmenden zudem die Möglichkeit, sich bei einer Exkursion die ersten Auswirkungen der Maßnahmen des Projekts „Lebensnetz Börde“ direkt vor Ort anzuschauen.
Zu den Zielen des Ausfluges zählte auch eine Ackerfläche nahe des Zülpicher Ortsteils Niederelvenich. Dort wurden seit Projektstart 2023 mehrere Grünflächen mit Wildpflanzenbewuchs angelegt und miteinander verbunden. „Dadurch wird den Insekten ermöglicht, nicht nur in einem eng begrenzten Gebiet auf Nahrungssuche zu gehen, sondern sich über die Vernetzung der Flächen über die Region auszubreiten“, so Tröltzsch.
Die Tagung brachte Impulse für die Naturschützer im Kreis Euskirchen
Maßnahmen dieser Art und ihre ersten Erfolge beobachten zu können, stoße bei den Gästen der Fachtagung auf ebenso großen Anklang wie der Austausch untereinander, betonte Rolf Hedemann: „Ich bin selbst beim Nabu engagiert und war sehr froh, während der Tagung derart breitgefächerte Informationen zu erhalten.“
Der Kontakt der unterschiedlichen Gruppierungen aus Ökologen, Naturschützern und Landwirten sei von großer Bedeutung, da der Verlust von Lebensräumen und das damit verbundene Insektensterben harte Konsequenzen auch für den Menschen nach sich zöge. „Ich möchte jedenfalls nicht erleben, was in China schon zu beobachten war, wenn die Landwirte die Pflanzen von Hand bestäuben müssen. So etwas wäre hier gar nicht finanzierbar und würde uns alle teuer zu stehen kommen“, so Hedemann.
Das Projekt „Lebensnetz Börde“ und auch die Fachtagung seien daher notwendig, um ein solches Szenario abzuwenden. „Das an diesen Tagen gezeigte Engagement und die Vernetzung verschiedener Fachbereiche sind für mich ein guter Impuls, von denen ich mir in Zukunft noch mehr wünschen würde.“
