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Köln-MerkenichStartsignal für den Bau der Klärschlammverbrennungsanlage

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Zu sehen sind sechs Personen, die Warnwesten und Schutzhelme tragen, und gemeinsam einen ersten Spatenstich machen.

Von links nach rechts: Holger Pöttmann, Andreas Feicht (Stadtwerke Köln), Ulrike Franzke, Michael Dreschmann (Klärschlamm Kooperation Poolgesellschaft), Peter Esch (Tiefbauamt Bonn) und Bezirksbürgermeister Daniel Kastenholz machten sich gemeinsam an den ersten Spatenstich.

Erster Spatenstich am Ivenhofsweg: Die neue Anlage soll die Klärschlammentsorgung mehrerer Kommunen sichern.

Seit Beginn des Jahrzehnts sind die Pläne für eine Klärschlammverbrennungsanlage am Standort des früheren Heizkraftwerks in Merkenich bereits im Gespräch, nun erfolgte mit dem symbolischen Spatenstich der erste konkrete Schritt hin zur Umsetzung. Holger Pöttmann, Geschäftsführer der KLAR GmbH, der Betreibergesellschaft der künftigen Anlage, begrüßte zu dem Anlass Vertreter der beteiligten Kommunen und Gesellschaften – nicht zuletzt an der Länge der Rednerliste war die überregionale Bedeutung der geplanten Anlage abzulesen.

Dort sollen künftig neben den Rückständen der Kölner Kläranlage in Stammheim auch der Klärschlamm ihres Bonner Pendants und der einer ganzen Reihe kleinerer Kommunen des Umlands verbrannt werden. Insgesamt repräsentieren die beteiligten Kommunen zwei Millionen Einwohner. Im Jahr soll die Anlage 39.000 Tonnen getrockneten Klärschlamm verwerten können. „Mit diesem Projekt schaffen wir eine nachhaltige Lösung für den Umgang mit Klärschlamm und einen ersten Schritt der Umsetzung der gesetzlichen Anforderung zum Phosphor-Recycling“, so Pöttmann.

Gesetzliche Pflicht macht Phosphor‑Recycling notwendig

Das Gesetz, das Kommunen ab 2029 zur Rückgewinnung des im Klärschlamm enthaltenen Phosphors verpflichtet, ist der ausschlaggebende Grund für den Bau der Anlage, woran Ulrike Franzke, Vorständin der beteiligten Kölner Stadtentwässerungsbetriebe (Steb), erinnerte. Phosphor ist ein für die Herstellung von Düngemitteln essenzieller Rohstoff, dessen natürliche Vorkommen jedoch weltweit zur Neige gehen. „Das Phosphor-Recycling ist für Deutschland somit auch ein Mittel, sich ein wenig unabhängiger vom Weltmarkt zu machen“, sagte Franzke.

Sowohl der Zusammenschluss der Kommunen als auch der Standort in Merkenich seien wichtige Voraussetzungen, um die Anlage wirtschaftlich und effizient betreiben zu können, „denn selbst Köln als größte der beteiligten Kommunen erzeugt allein nicht genug Klärschlamm für einen wirtschaftlichen Betrieb“, so Franzke. In Merkenich profitiere die Anlage zudem von dem im Bau befindlichen Niehler Düker, durch den der Stammheimer Klärschlamm künftig per Druckleitung angeliefert werden und ein großer Teil des ansonsten notwendigen Lkw-Verkehrs entfallen könne. Gleichzeitig soll die Anlage gut 1700 Haushalte mit Fernwärme versorgen können.

Die Argumente für den Standort strich Franzke nicht von ungefähr heraus, denn vor Ort war die Diskussion um den Standort „sehr kontrovers“ geführt worden, woran Chorweilers Bezirksbürgermeister Daniel Kastenholz (CDU) erinnerte. Er mahnte daher auch den „Schutz der Menschen vor Emissionen, Lärm und den Belastungen des Lieferverkehrs“ an.