Von Feuerstelle bis ThermomixFreilichtmuseum Kommern zeigt Ausstellung „Herdanziehungskraft“

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Ann Heinen (re.) und Hannah Drießler mit Kittelschürzen vor einem Buffetschrank in der Ausstellung Herdanziehungskraft im LVR-Freiliichtmuseum Kommern.

Kittelschürze und Buffetschrank – zwei Utensilien, die in den vergangenen Jahrzehnten in Reichweite des heimischen Herds anzutreffen waren. Für die Ausstellungsmacherinnen Ann Heinen (r.) und Hannah Drießler gehört beides in die Großeltern-Generation.

Küche und Kochen sind die Themen der Ausstellung „Herdanziehungskraft“ im LVR-Freilichtmuseum Kommern, die am Sonntag, 12. Februar, eröffnet wird.

Zwischen der ersten kontrollierten Nutzung von Feuer durch den Menschen und dem aktuellen Thermomix-Modell liegen etwa 960.000 Jahre. Jede Menge Zeit also für Geschichte(n) vom heimischen Herd. Denn die Küche – wer möchte das bestreiten – ist zweifelsohne einer der wichtigsten Räume des Hauses. Dabei dient sie nicht nur zum Kochen: In der Küche tagt der Familienrat, und nicht nur in studentischen Kreisen wurde die „Küchenparty“ zu einem geflügelten Wort.

Am Sonntag wird im LVR-Freilichtmuseum Kommern die Sonderausstellung mit dem vielsagenden Titel „Herdanziehungskraft“ eröffnet. Die Wissenschaftliche Referentin Ann Heinen und Volontärin Hannah Drießler aus dem Ausstellungsteam des Museums nahmen sich vorab die Zeit für einen exklusiven Rundgang durch die Museumsräume. „In der Schau werden Ausstellungsstücke aus vielen Gegenden Deutschlands gezeigt, denn sie wurde als Verbundausstellung der insgesamt vier beteiligten Freilichtmuseen konzipiert“, erklärt Heinen. „Wir haben sie um passende Stücke aus unserer Sammlung ergänzt.“

Sparherde in der Ausstellung "Herdanziehungskraft" im Kommerner Freilichtmuseum.

Vom einfachen Küppersbusch-Modell bis zum reich verzierten Jugendstil-Herd reicht die Bandbreite bei den gezeigten Sparherden.

Offene Feuerstellen wurden einst mit rudimentären Kochtechniken wie heißen Steinen, Mulden und Erdgruben betrieben. Über die Jahrhunderte entwickelten sich hieraus feste Feuer- oder Herdstellen. Der moderne Begriff „Herd“ leitet sich dabei übrigens vom althochdeutschen „hert“ ab und bedeutet so viel wie „der Brennende“ oder „der Glühende“. Im 19. Jahrhundert veränderte sich durch den Einfluss der Industrialisierung auch die Küche. „Offene Feuerstellen verschwinden und weichen moderneren, rauchfreien Alternativen“, erklärt Heinen.

Einbauküche entwickelt sich zum Statussymbol

Sogenannte Sparherde oder Küchenhexen – mit Brennholz befeuerte metallene Herde – sorgen für eine gleichmäßige Hitzeverteilung und schnellere Zubereitung der Speisen. „Es gab diese Sparherde in den unterschiedlichsten Ausführungen: von einfach bis luxuriös. Sie wurden erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach und nach von Gas- und später Elektroherden verdrängt“, so die Wissenschaftlerin. Eine Erfindung des 20. Jahrhunderts ist auch die Einbauküche.

Verschiedene Puppenküchen in der Ausstellung "Herdanziehungskraft" im Kommerner Freilichtmuseum.

Die Küchentrends verschiedener Epochen spiegeln sich auch in den entsprechenden Puppenküchen wider.

„Interessanterweise ist die moderne Einbauküche eine Weiterentwicklung der sogenannten Frankfurter Küche“, erläutert Hannah Drießler. Während die in den 20er-Jahren entwickelte Frankfurter Küche auf Funktionalität und optimierte Raumnutzung ausgelegt war, entwickelte sich die Einbauküche bald zum teuren Statussymbol. „Wir haben einen Quelle-Katalog aus den 70er-Jahren und aktuelle Küchenkataloge in der Ausstellung – da kann man das sehr gut vergleichen“, so Drießler.

Kittelschürze: Praktisch, aber aus der Mode

Auch die Entwicklung verschiedener Küchenutensilien kann in der interaktiven Ausstellung gut nachverfolgt werden: Klassiker wie die massive Bosch-Küchenmaschine aus den 50er-Jahren stehen dem aktuellen Thermomix-Modell gegenüber. Auch modische Accessoires sind zu sehen, die in vergangenen Jahrzehnten im Umfeld vieler häuslicher Küchen anzutreffen waren: „Ich muss ja zugeben, dass sie eigentlich sehr praktisch sind“, lacht Ann Heinen, „anziehen würde ich eine Kittelschürze aber trotzdem nicht.“

Einen Abstecher gibt es auch in die Welt der professionellen Küche – wobei hier im Gegensatz zum heimischen Herd noch lange nicht von der Gleichberechtigung der Geschlechter gesprochen werden kann. „Das hat vielleicht historische Gründe“, sagt Heinen: „Für den Lehrberuf des Kochs wurden früher keine Frauen zugelassen.“ Und wie geht es weiter? Fleisch aus dem Labor und Essen aus dem 3D-Drucker – das sind Projekte, an deren Markteinführung aktuell gearbeitet wird. „Was das für die Anziehungskraft des Herdes bedeutet, müssen wir abwarten“, so Heinen.


Begleitprogramm

Nach der Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, 12. Februar, können Besucher zwischen Mai und September zu festen Terminen an verschiedenen Back- und Kochprojekten teilnehmen. Los geht es am Samstag, 13. Mai, mit dem Programm „Nach altem Rezept“. Dabei wird in einer alten Hofanlage ein Alltagsessen gekocht. Weitere Infos zum Rahmenprogramm gibt es im Internet. (thw)

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