Meine RegionMeine Artikel
AboAbonnieren

Kritik an der FassadeIm Stadtrat gab es nicht nur Lob für geplanten Netto-Markt in Gemünd

4 min
Blick auf die Baulücke neben dem ehemaligen Ose-Geschäft.

Am Eingang zur Dreiborner Straße (l.) neben dem ehemaligen Ose-Textilgeschäft soll der neue Netto entstehen.

Netto will in Gemünd an der Dreiborner Straße einen neuen Markt bauen. Kritik gab es im Stadtrat an der Fassadengestaltung und der Parkplatzsituation.

Die Neubaupläne von Netto am Eingang zur Dreiborner Straße in Gemünd wurden am Donnerstagabend im Stadtrat einhellig begrüßt, doch an der Gestaltung schieden sich die Geister. Auch über die Parkplatzsituation wurde kontrovers diskutiert. Bürgermeister Ingo Pfennings musste die Ratsmitglieder am Ende darauf hinweisen, dass die vorgelegte Planung nach dem gültigen Bebauungsplan zulässig sei und nur zur Kenntnis genommen werde: „Wir können also nur Wünsche an den Investor äußern, mehr nicht.“

Planer Hendrik Bruns stellte das Bauvorhaben vor. Geplant sei ein Einkaufsmarkt mit einer 950 Quadratmeter großen Verkaufsfläche sowie Neben- und Lagerräumen. An der Dreiborner Straße soll eine gläserne Eingangsfassade entstehen. Außerdem seien eine helle Putzfassade und ein dezenter Einsatz von Werbemitteln vorgesehen. Die Anlieferung solle vom Eifel-Ardennen-Platz aus erfolgen.

„Aktuell haben wir in der Filiale in Gemünd eine Verkaufsfläche von 530 Quadratmetern. Da reicht nur für Zweidrittel des Sortiments“, sagte Netto-Regionalleiter Thomas Laux. Insgesamt habe Netto 5000 Artikel im Sortiment. Ein Metzger- oder ein Bäckershop sei nicht vorgesehen. „Es gibt aber auch immer weniger Betriebe, die sich für so einen Shop interessieren“, so Laux.

Bei den Materialien ist das letzte Wort auch noch nicht gesprochen

„Ich wäre sehr froh über den neuen Netto in Gemünd, aber von außen ist er nicht gerade hübsch. Schließlich sind wir mitten in der Stadt und nicht auf der grünen Wiese“, sagte Petra Freche (Grüne). Ferner bemängelte sie, dass kein Obergeschoss mit Wohnungen vorgesehen sei: „Wir brauchen schließlich zusätzlichen Wohnraum.“

Der Bau von Wohnungen in einem zusätzlichen Geschoss sei nicht ausgeschlossen, antwortete der Planer. Und bei den Materialien sei das letzte Wort auch noch nicht gesprochen: „Das muss aber mit Netto abgestimmt werden.“

Jochen Kupp (CDU) bezeichnete den geplanten Markt als einen Gewinn für Gemünd und die Dreiborner Straße. Er konnte aber nicht verstehen, warum keine Holzfassade errichtet wird. „Wir sind Nationalparkhauptstadt. Ich bin seit der Flut für ökologisches Bauen.“ In Euskirchen sei vorgeschrieben, dass auf solchen Märkten ein Gründach vorzusehen sei. „Wo kommen die Parkplätze her? “, fragte Kupp.

Parkplatz für Dauerparker am ehemaligen Katharinenhof

Parkplätze würden keine Neuen errichtet, entgegnete Pfennings. Der Marienplatz und der Eifel-Ardennen-Platz seien aber schon aktuell von vielen Dauerparken belegt. Deshalb solle dort eine Parkzeitregelung eingeführt werden und so auch Platz für die Netto-Kunden geschaffen werden. Dauerparker sollen auf den Parkplatz am ehemaligen Katharinenhof ausweichen, den die Stadt hergerichtet habe.

„Wir bauen also Stellplätze für Netto“, hakte Kupp ungläubig nach. Das sei nicht gänzlich von der Hand zu weisen, sagte der Bürgermeister, „aber die neuen Parkplätze haben wir natürlich nicht nur für Netto errichtet.“ Die Planung für diese Regelung habe es schon länger gegeben.

Als „potthässliches Ding“ bezeichnete Gerd Breuer (UWV) den geplanten Neubau: „Das geht gar nicht. Ich würde sofort aus Gemünd wegziehen, wenn ich dort wohnen würde.“ Es gebe zu wenig Parkplätze und die Anlieferung von der Rückseite aus sei auch problematisch.

Griskewitz warnt vor zu vielen Vorschriften für den Investor

„Wir können gerne Bedenken äußern, aber wir sollten uns hüten, große Vorschriften zu machen“, hielt Jan Griskewitz (FDP) dagegen. Er fände ein Holzfassade auch schöner, „aber wir wollen doch eine Belebung der Dreiborner Straße.“ Sein Parteifreund Carsten Düppengießer warnte davor, Projekte zu zerreden: „Ein Unternehmen wie Netto wird sich schon Gedanken gemacht haben über die Anlieferung.“

Auch Manfred Müller (CDU) ging auf Gerd Breuer ein „Wir sollten die Kirche im Dorf lassen. Das ist doch alles sehr übertrieben.“ Ein Markt sei von der Gestaltung her kein Museum. „Eine gewisse Ästhetik ist uns schon wichtig. Über viele andere Dinge wie den zweiten Zugang vom Eifel-Ardenne-Platz haben wir auch schon gesprochen. Am Ende entscheidet aber auch die Kosten-Nutzen-Rechnung“, meinte Pfennings.

Der Investor sei aber auch schon auf Anregungen eingegangen und verwende nicht so viel Gelb an der Fassade. Auch auf große Werbetafeln werde auch verzichtet. Wichtig sei, die Dreiborner Straße als Einkaufsstraße zu stärken.

Das gegenüberliegende Amtsgericht hat auch eine Putzfassade

„Das ehemalige Ose-Gebäude soll eine Holzfassade bekommen, und wir wollten daneben keine Gestaltung, die dazu in Konkurrenz tritt“, meinte der Beigeordnete Marcel Wolter. Das dem Markt gegenüberliegende Amtsgericht habe ja auch eine Putzfassade.

„Es gibt viele Menschen, die sehr günstig einkaufen müssen“, erklärte Ellen Lehner (SPD). Zudem sei der Weg zu dem neuen Markt für Menschen beispielsweise aus Malsbenden deutlich kürzer als zu dem am Hermann-Kattwinkel-Platz.

„Wir machen uns auch Gedanken über Ökologie“, betonte Laux. Auf dem Markt werde eine Photovoltaikanlage angebracht, beheizt werde der Verkaufsraum mit einer Luft-Wärme-Pumpe. Auch die Abwärme der Kühltheken werde genutzt.