Er wollte ursprünglich gar nicht Standesbeamter werden. Doch nun ist es für Christian Esser aus Weilerswist der Traumberuf.
Nur einer sagte „Nein“Christian Esser aus Weilerswist hat gut 1100 Paare verheiratet

Ist mit Leib und Seele Standesbeamter: Christian Esser.
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Die standesamtliche Trauung – für die meisten ist sie die Pflicht vor der Kür. Der bürokratische Akt vor den ganz großen Gefühlen. In einem schlichten Büro im Weilerswister Rathaus sitzt einer, der diesem Blick auf die standesamtliche Hochzeit den Kampf angesagt hat: Christian Esser. Normalgroß, graue Haare, Brille, Ohrring.
Seit 22 Jahren arbeitet er im Weilerswister Rathaus und hat dabei schon einiges erlebt. „Soll ich Ihnen die Geschichte noch erzählen?“, fragt er im Gespräch mehr als dreimal und stürzt sich mit Wonne in die nächste Anekdote aus dem Standesamt. Eigentlich müsse er ein Buch schreiben, sinniert er zwischendurch. Dabei stand, Menschen den Akt der Eheschließung zu verschönern, eigentlich nicht auf seinem Karriereplan. „Ich habe mir den Job als Standesbeamter nicht ausgesucht“, berichtet Esser. Eigentlich sei er im Ordnungsamt angesiedelt und dort auch recht zufrieden gewesen. Doch dann habe der damalige Bürgermeister Peter Schlösser umstrukturiert. Ein zweiwöchiger Kurs – und schon war Esser Standesbeamter.
An den ersten Einsatz kann er sich noch gut erinnern
An seinen ersten Einsatz kann er sich noch gut erinnern. „Die erste Trauung, die ich hier hatte, war an einem heißen Freitagnachmittag im August 2011“, beginnt er seine lebendige Erzählung der damaligen Ereignisse. Er sei sehr aufgeregt gewesen und habe extra vorher mit Freunden geübt. Doch dann habe das Brautpaar zu ihm gesagt: „Solange wir etwas zu lachen kriegen, sind wir zufrieden.“
Da habe er seine vorbereitete Rede beiseite gelegt und improvisiert und dafür nach der Trauung Standing Ovations erhalten. Und so wurde aus einer widerwilligen Umorientierung sein Traumberuf. „So unsicher und skeptisch ich am Anfang war, so sehr liebe ich meine Arbeit inzwischen.“

Für eine Trauung war Christian Esser Standesbeamter in Nettersheim. Nettersheim.
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In seinem Büro hat der Standesbeamte viele Dankeskarten, Fotos und Geschenke von Brautpaaren, die er getraut hat.
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Mehr als 1100 Paare hat er seit dieser ersten Trauung im August 2011 verheiratet. „Mein Rekord waren sieben Hochzeiten an einem Tag.“ Das sei aber nur eine Ausnahme gewesen, schließlich wolle er jedem einzelnen Paar auch gerecht werden. „Es gibt eins, was wir hier auf gar keinen Fall wollen: Das ist Massenabfertigung“, betont er. Jede Trauung versuche er daher sehr persönlich zu gestalten. Um das zu erreichen, führe er ein Gespräch mit dem Brautpaar und lasse es einen Fragebogen ausfüllen. Das ergebe eine gute Basis – der Rest ist Intuition. „Es gilt die Maxime: Menschen mit Worten glücklich zu machen.“
Und reden kann der Standesbeamte. Im Gespräch springt er begeistert von Anekdote zu Anekdote – langweilig wird es beim Zuhören nicht. Da war die eine Hochzeit, bei der kurz nach dem Ja-Wort die Fruchtblase der Frau platzte, oder jene am 11. November, an dem er jecke Paare im Kostüm und op Kölsch traute. Dann in diesem Jahr eine Hunnenhochzeit. „Alles, was sich Leute woanders nicht trauen, trauen sie sich bei ihm“, sagt Dino Steuer. Der Bürgermeister von Weilerswist hat sich selbst von Esser trauen lassen und prahlt regelrecht mit seinem Standesbeamten, für den die Menschen sogar aus Hamburg und Frankfurt anreisen. In diesem Sommer musste er Esser allerdings für einen Tag ausleihen – nach Nettersheim.
Für einen Tag zum Standesbeamten der Gemeinde Nettersheim bestellt
Eine Kollegin und ein Kollege von Esser wollten heiraten, und da sie alle eng befreundet seien, sollte er die Trauung übernehmen, berichtet Esser. Einziges Problem: Das Brautpaar wollte sich in seinem Heimatort Nettersheim das Ja-Wort geben. Und weil Esser für seine Brautpaare vieles und für seine Freunde alles möglich machen will, fand er einen Weg. Bürgermeister Norbert Crump half gerne aus, und so wurde Esser für genau diese eine Trauung an diesem einen Tag zum Standesbeamten der Gemeinde Nettersheim bestellt.

Arbeiten gerne zusammen: Christian Esser und Christoph Zimmermann.
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Die Ernennungsurkunde bewahrt Esser in seinem Büro auf, gemeinsam mit allerlei Fotos, Geschenken und Dankeskarten, die er für seine Arbeit von den Brautpaaren erhalten hat. Er versuche immer, dem Brautpaar gerecht zu werden. Manches aber lasse das Gesetz einfach nicht zu, berichtet Esser weiter. So habe sich einmal eine Person gewünscht, den Partner mit einer Hochzeit zu überraschen. Da sich aber per Gesetz beide komplett frei für die Ehe entscheiden müssen, sei das nicht möglich gewesen, so der Standesbeamte.
Nur ein einziges Mal in den vergangenen 15 Jahren habe jemand bei der Trauung „Nein“ gesagt. Kein schöner Moment – weder für das Paar und die Gäste noch für den Standesbeamten. Und wie lange halten die Ehen, bei denen, die „Ja“ gesagt haben? Er führe da nicht genau Buch, berichtet Esser, dennoch ist er sich sicher: „Die Scheidungsquote ist überschaubar.“
Für Esser geht es aber nicht nur um die Trauung an sich, auch das Drumherum muss stimmen. So habe er das Trauzimmer im Rathaus mitgestaltet, biete moderne Stammbücher zur Auswahl an und arbeite eng mit Christoph Zimmermann vom Grünflächenamt bei der Gestaltung des Hochzeitsgartens zusammen. Gemeinsam wollen die beiden Weilerswist in den Hochzeitshotspot schlechthin verwandeln.
Die standesamtliche Hochzeit sei viel mehr als ein bürokratischer Akt, betont Esser. Inzwischen erwarteten die Leute mehr Event – bei Esser sind sie da an der richtigen Adresse.
Über die Serie
In der Serie „Alles Liebe“ befassen wir uns mit Hochzeitsplänen und Herzensfragen im Kreis Euskirchen. Und weil Geschichten über die ganz großen Emotionen immer von den Menschen leben, die sie erzählen, brauchen wir Sie: Schicken Sie uns gerne Ihre außergewöhnlichen Hochzeits- oder Heiratsantragsanekdoten mit Kontaktinformationen und Bildern per Mail an redaktion.euskirchen@ksta-kr.de oder redaktion.gemuend@ksta-kr.de zu.


