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Neue Ausstellung55 Künstler zeigen im Kunstforum Eifel in Gemünd ihr Spiel mit dem Feuer

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Die Kuratorin Rena Voss steht im Kunstforum Gemünd in der Ausstellung an einem Triptychon. Im Hintergrund sind Fotos mit Feuer zu sehen.

Gelungene Inszenierungen sind die Altarretabeln von Rainer Oesterich-Rappaport. Kuratorin Rena Voss zeigt sie vor intensiven großformatigen Flammenfotografien von Rendel Freude.

Das Kunstforum Eifel widmet sich in diesem Jahr den vier Elementen. Die Feuer-Ausstellung in Gemünd ist Rena Voss' Debüt als Kuratorin.

Als Jahresthema widmet sich der Förderverein Maler der Eifel den vier Elementen Feuer, Wasser, Erde und Luft. Ab Sonntag stellen 55 Kreative ihre Arbeiten unter der Überschrift „Feuer!?“ aus. Auf den drei Etagen des Kunstforums Eifel in Gemünd geht es um die unterschiedlichen Sichtweisen und Bedeutungsebenen. Oft ist dabei das Feuer selbst Thema: gebändigt in Brennverfahren wie für die Glas- und Keramik-Arbeiten, alles verschlingend eingefangen in Fotos oder den Spuren in Asche.

„Phönix aus dem Hürtgenwald“ ist ein Stück Buchenholz, teils feuerrot bemalt, mit rotem Glasauge: Irmgard Braun hat in dem Fund mehr gesehen als ein Stück Totholz. Die Arbeit ist im zweiten Obergeschoss zu finden, wo es um die Mythologie des Feuers geht, etwa in den Schwarz-Weis-Fotografien von Ellen Dornhaus. Oder in elf mit Acryl bemalten Schiefertafeln von Christiane Lorber: „Die Geister des Feuers“ zeigen unterschiedliche Stadien eines Vulkanausbruchs.

Im Erdgeschoss ist das rote Sofa ein Treffpunkt im Kunstforum in Gemünd

Beginnt man den Rundgang im Erdgeschoss, wo auch das „rote Sofa“ als Treffpunkt wartet, geht es um ausdifferenziertere Auseinandersetzungen mit der Energie, die aus den Tiefen der Erde steigt. Sabine Schramm aus Düren (Einzelausstellung ab dem 17. Mai im Aukloster in Monschau) hat über den Firnis, der ihre abstrakten Farbexperimente auf der Leinwand schützt, den Kunstharz Resin mehrfach aufgetragen und geschliffen. „Bis zu vier Durchgänge“, so Schramm, waren nötig, bis sie das gewünschte Ergebnis erzielte: Harz, glatt wie Glas.

Ein Stück Holz ist mit einem roten Glasauge versehen. Die Künstlerin hat es so zu einem „Phönix aus dem Hürtgenwald“ gestaltet.

„Phönix aus dem Hürtgenwald“: Irmgard Braun sah in dem Fund mehr als ein Stück Holz.

„Das Feuer ist bei vielen Künstlern Teil des künstlerischen Prozesses“, so Rena Voss. Die zweite Vorsitzende des Vereins zeigt mit der Gruppenausstellung ihre erste kuratierte Schau. Sie macht aus ihrer Begeisterung für die neue Aufgabe keinen Hehl: „Nach der Flut 2021 konnte ich mir nicht vorstellen, dass auch die Kunst hier in Gemünd absaufen würde.“ Das Erschrecken über die Schäden, die Freude über die Wiedereröffnung und das Renommee der Adresse haben die Aachenerin bestärkt, sich um den Posten zu bewerben. So zeigt sie nun Arbeiten aus verbranntem Holz, aus Asche, aus gebranntem Draht, Gemälde in Acryl und Öl, Kohlezeichnungen, Objekte und Plastiken.

„Inferno“ nennt Martin Adrian sein Triptychon in Acrylfarben, das von einem lastenden massiven dunkelroten Quadrat beherrscht wird. Die obere Kante ist eingeritzt, die Leinwand bis auf einen dunklen Untergrund aufgebrochen. Darunter könnte das liegen, was Christine Schirrmacher aus Mechernich in ihrem ebenfalls dreiteiligen Werk „Tanz auf dem Vulkan“ zeigt: ein träger, schlieriger Lavastrom, mäandernd wie ein lodernder Bach.

Künstler zeigen eine spannende Auseinandersetzung mit dem Thema Feuer

Feuer oder Hitze verändert auch das, was mit seiner Hilfe erst entsteht. Elke Mank hat auf eine Glasscheibe impressionistische Porträts gemalt, die wie verwackelt wirken. Die Farbe wurde mit starker Hitze behandelt, dabei hat sie Spuren hinterlassen: eine Unschärfe, eingebrannt in die Motive. Über eine offene Flamme gehaltene oder in die Mikrowelle gesteckte Polaroids samt Brand- und Schmorspuren sind in einer Werkserie zu sehen.

Fotos von Feuer in Nahaufnahmen zeigt Rendel Freude. Sie dokumentiert den Moment des Übergangs aus der festen, erkennbaren Form eines Holzscheits in die von Flammen aufgerissene Verkohlung, bevor alles zu Asche wird. Rainer Oesterich-Rappaport hat auf der Außenseite der traditionellen Reisealtäre verkohltes Holz montiert. Öffnet man die Andachtsobjekte, sind idyllische Fantasielandschaften zu sehen. Diese Kombination ist im Kabinett zu sehen, wo wie gewohnt die Hängung besonders dicht und intensiv in der Wirkung ist.

Ganz anders wirkt „Engelsflamme“ in der großen Ausstellungsebene davor. Verträumt blickt ein Kind in das Licht einer Kerze. Eine andachtsvolle Stille strahlt das Motiv aus, im Barock waren solche Kerzenbilder eines der beliebtesten Genres. Doch solche innigen Idyllen sind in „Feuer!?“ die Ausnahme. Stattdessen sind Gefahr und Zerstörung durch die Flammen das Thema. Auch im Krieg, in einer zerfetzten US-Flagge in einem Gemälde.

„Feuer!?“ ist eine sehenswerte und vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Thema und ein gelungenes Debüt von Kuratorin Rena Voss. Auf diesem Niveau kann man auf die weiteren Ausstellungen im Kunstforum gespannt sein.


„Feuer!? – Magma. Lava. Kohle. Asche“ ist vom 8. März bis 2. Mai im Kunstforum zu sehen. Geöffnet ist freitags bis sonntags von 13 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Tel. 02445/ 911250 (Eva-Maria Hermanns).

Dazu gibt es ein Begleitprogramm: 14. März, 14 bis 16 Uhr, Malworkshop „Feuer“ für Erwachsene, Kosten 20 Euro; 18. April, 14 bis 16 Uhr, „Feuerspeiende Drachen“ für Kinder, Kosten: 10 Euro, Leitung: Silvia Kock, Anmeldung: skom@gmx. net. Ausstellungsführungen mit Rena Voss gibt's am 22. März, 14 bis 16 Uhr, und 12. April, 14 bis 16 Uhr, Kosten: 10 Euro, Anmeldung: icvosschaefer@aol.com. Weitere Infos gibt's online auf der Seite des Kunstforums.