KircheDiese Oberbergerin ist eine der ersten Frauen, die katholische Beerdigungen leitet

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Mechthild Heide steht an einem Friedhofstor.

Mechthild Heide gehört zur Gruppe von zwei Frauen und fünf Männern, die als Laien Beerdigungen leiten dürfen.

Mechthild Heide gehörte zu den ersten Laien, die im Auftrag der katholischen Kirche im Oberbergischen Begräbnisfeiern leiten darf.

„Das ist doch eine katholische Beerdigung. Was machen Sie denn dann hier?“ Der Trauergast war irritiert, hatte er doch einen Priester oder einen Diakon am Grab erwartet und keine Frau in Mantel-Albe und mit Weihwasser-Aspergill. „Ich habe ihm dann erklärt, dass bereits seit einigen Jahren Laien, darunter auch Frauen, katholische Beerdigungen durchführen dürfen, nur ist das durch die Einschränkungen in der Corona-Zeit nicht so aufgefallen“, erzählt Mechthild Heide.

Als Krankenschwester ist ihr das Leben mit dem Tod vertraut

Fünf Männer und zwei Frauen sind zurzeit im Seelsorgebereich Oberberg Mitte / Engelskirchen als Laien vom Erzbistum Köln beauftragt mit der „außerordentlichen Leitung von Begräbnisfeiern“. Mechthild Heide war eine der ersten, die sich gemeldet hat. Als Krankenschwester und Seelsorgebegleiterin im Hospiz in Wiehl ist ihr das Leben mit dem Tod seit vielen Jahren vertraut. „Eines Tages bat mich eine Bewohnerin eindringlich, sie nach ihrem Tod zu beerdigen. Aber das durfte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Es war das letzte Gespräch, das ich mit ihr führen konnte, ihr letzter Wunsch, den auch die Familie bestätigt“, erinnert sie sich.

Es war wie eine Verpflichtung, die sie nicht ablehnen konnte. So einigte man sich schließlich auf eine „freie“ Beerdigung – und für Mechthild Heide blieb der Wunsch, ehrenamtlich im Sinne der Tradition der christlichen Nächstenliebe Verstorbene zu beerdigen und Trauernde zu trösten. Da fühlt sich die 60-Jährige am richtigen Platz.

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Ein Jahr lang wurde Mechthild Heide auf die Aufgabe vorbereitet

„Es geht ja um die Menschen, um die Verstorbenen und die Trauergemeinde. Die meisten sind in dieser Situation – wenn nichts mehr ist wie es war – supersensibel. Dann Hoffnung zu vermitteln, die Menschen dahin zu führen, wo sie Halt finden, das ist schön.“ Deshalb meldete sie sich sofort beim zuständigen Pastor Christoph Bersch, als bei einer Veranstaltung über diese Möglichkeit für Laien informiert wurde, die es in anderen Bistümern schon länger gibt. „Das wird schwierig!“, habe sie gedacht. So schwierig war es aber dann doch nicht.

Zwar habe es eine „Qualitätskontrolle“ in Form eines Gesprächs mit Kreisdechant Bersch gegeben, so die Reichshoferin. Die bestand sie als früheres Mitglied im Pfarrgemeinderat und Hospiz-Seelsorgerin ohne Probleme. Ein Jahr lang wurde sie in einer Gruppe an Wochenenden und einigen Abenden vom Erzbistum ausgebildet. Dabei ging es um den eigenen Umgang mit Sterben, Tod und Trauer, um Grundzüge des Bestattungsrechts, um Gespräche mit Angehörigen und in der Praxis die Beobachtung von Beerdigungen.

Hoffnung zu vermitteln, die Menschen dahin zu führen, wo sie Halt finden, das ist schön
Mechthild Heide

Dabei und auch bei Begräbnissen von Menschen, die sie im Hospiz begleitete, habe sie manchmal gedacht: „Das könnte man bestimmt besser machen!“, gesteht sie zögernd. Es müsse ja nicht dabei bleiben, nur den Ritus durchzuführen. „Es gibt zwar einen festen Ablauf mit Gebet und Segen, aber der muss nicht so streng sein, ich lese auch nicht ab, sondern versuche viel mit eigenen Worten zu sagen auf einer Ebene, die die Menschen verstehen, versuche, mich einzulassen darauf, was sie in dieser Situation brauchen.“

Und was trägt Frau im Auftrag der Kirche bei Beerdigungen? Liturgische Kleidung ist vorgeschrieben, zur Debatte stand das Messdienergewand oder die Mantelalbe, die für sie extra angefertigt werden musste.

Mechthild Heide will Worte finden, die verstanden werden

Immer häufiger erlebt sie, dass nur die verstorbene Person katholisch war, die Trauergemeinde aber evangelisch oder konfessionslos ist, viele sind auch gar nicht gläubig. „Ich hab mit Kirche nichts am Hut“, hört sie öfter von Angehörigen im Trauergespräch. Oder: „Ich mach das nur, weil meine verstorbene Mutter das so wollte.“ Dann gelte es, eine gemeinsame Basis zu finden, die christliche Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod in Worten zu vermitteln, die verstanden werden. Dafür nimmt sie sich viel Zeit. „Es ist ja eine besondere Situation, damit setze ich mich intensiv auseinander, es soll auf keinen Fall Routine sein. Die Verstorbenen begleiten mich tagelang.“

Deshalb übernehme sie nur zwei Beerdigungen im Monat. Auch, damit das intensive Leben mit dem Tod für sie nicht zur Belastung wird und sie für sich selbst einen Ausgleich schaffen kann. Aber „wenn es gelingt, zwischen mir und den trauernden Menschen eine Verbindung zu schaffen, wenn sie sich wiederfinden, dann habe ich das Gefühl, ich mache es richtig!“ Und das sei ein gutes Gefühl.

Der Trauergast, der sich über Mechthild Heide in der Mantelalbe gewundert hatte, war nach dem Gespräch positiv überrascht. „Dann sehen sie zu, dass sie als Frau in der katholischen Kirche noch mehr ändern!“, habe er ihr ans Herz gelegt, damit zum Beispiel auf Taufen und Hochzeiten angespielt, die im Gegensatz zu Begräbnissen Sakramente sind: Da bleiben Laien und Frauen weiterhin außen vor, ebenso wenn eine Totenmesse gelesen werden soll. „Für mich selbst wünsche ich mir das nicht. Ich möchte nichts anderes tun“, sagt Mechthild Heide. „Aber es ist schade, dass die Hälfte der Menschen davon ausgeschlossen ist.“


Kreisdechant unterstützt das Einbinden von Laien

„Für uns sind unsere Laien unglaublich wertvoll“, lobt Kreisdechant Christoph Bersch. Gerade das Trauerpastorat brauche viel Zeit, daher freue man sich angesichts der Vielzahl von Aufgaben über die tatkräftige Unterstützung einfühlsamer Laien. Dazu gehören nicht nur Gemeindereferentinnen und Pastoralreferenten, die ein theologisches Studium absolviert haben und schon länger an Stelle von Priestern und Diakonen im Beerdigungsdienst tätig sind, sondern auch „echte“ Laien, die vor ihrer Beauftragung zur außerordentlichen Leitung von Begräbnisfeiern eine umfangreichere Ausbildung durchlaufen als die Referenten.

Die Beauftragung ist befristet und muss gegebenenfalls verlängert werden. Es gibt für alle, die Beerdigungen durchführen, einen monatlichen Dienstplan. Im Erzbistum Köln gebe es strenge Regelungen, man habe Oberberg auch anfangs die Beauftragung von Laien nicht zugestehen wollen, weil es hier weniger Beerdigungen als in den Ballungsgebieten gebe, berichtet Kreisdechant Bersch. Schließlich habe man sich im Erzbistum aber überzeugen lassen durch die weiten Entfernungen und die dadurch bedingten langen Fahrzeiten im Oberbergischen Kreis. Zurzeit steht die Verlängerung der ersten Beauftragungen an, Bersch setzt sich sehr dafür ein, der Einsatz der Laien habe sich bewährt. Besonders die Frauen seien eine große Bereicherung, „das tut uns gut, in dem Bereich sind wir ja ein bisschen unterentwickelt“.

Engagierte Katholikinnen und Katholiken, die sich für das Ehrenamt interessieren, können sich im Pastoralbüro melden, per E-Mail an pastoralbuero@oberberg-mitte.de, telefonisch unter 02261-22197. (ms)

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